Tag: 27. März 2006

  • Transparency bizarre

    Moni S., die Autorin des Weblogs Gedankenträger erhielt am Freitag eine E-Mail, die offenbar vom Justiziar des Vereins Transparency International Deutschland stammte. Unter Androhung rechtlicher Schritte wurde sie aufgefordert einen Bericht über die Personalpraxis des Vereins aus Ihrem Blog zu löschen (wir berichteten).

    Unserer Bitte um Stellungnahme hat der Verein bislang nicht entsprochen. Stattdessen tauchte inzwischen eine weitere E-Mail an Moni S. auf, in welcher der Justitiar und Ethikbeauftragte des Vereins, Prof. Dr. Jürgen Marten seine Forderungen erneuerte. Zusätzlich bezichtigte er die Autorin, gar gegen das Urheberrecht verstoßen zu haben, indem sie sein erstes Schreiben in Ihrem Weblog zitierte.

    Moni S. hat inzwischen den im Blogwesen bekannten Rechtsanwalt Udo Vetter eingeschaltet. Sein Schreiben an Transparency International Deutschland e. V. hat er auf seinem Weblog veröffentlicht.

    Wärend der Verein offenbar immer verzweifelter versucht, die Bloggerin durch immer noch absurdere Einschüchterungen mundtot zu machen, zieht die Angelegenheit längst weltweite Kreise. Nachdem die Blogosphäre jenseits des Atlantik (siehe Perspectives of a Nomad) das Thema aufgegriffen hat, weist auch das amerikanische Nachrichtenportal MSNBC auf die Sache hin.

    Langsam darf man die Frage stellen, ob Herr Prof. Dr. Marten vielleicht ein Interesse daran hat, den Verein gegen Korruption öffentlich in Misskredit zu bringen.

  • Sinngemäß wiedergegeben

    Frank Patalong von Spiegel Online hat ein Interview mit Brigitte Zypries geführt, das Franz Kafka sich nicht besser hätte ausdenken können.

    Sinngemäß sagte sie im Wesentlichen:

    Natürlich hat man das Recht, privat eine CD zu kopieren. Nur ein Recht auf eine private Kopie einer CD gibt es nicht. Für dieses Recht zahlt der Verbraucher ja schließlich auch Abgaben. Deswegen ist es auch verboten, verstehen Sie? Aus Kindern die die CDs kopieren macht die Novelle des Urheberrechts keine Kriminellen. Das sind sie ja schon. Darum werden sie ja auch nicht verurteilt, es sei denn sie werden angeklagt oder so. Außerdem war die Änderung des Gesetzes nötig, weil sich dadurch nichts ändert. Außer daß alles besser wird, irgendwie. Daß die für Fälle von Terrorismus und Kapitalverbrechen vorbehaltene Vorratsdatenspeicherung jetzt für die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen verwendet wird stimmt gar nicht. Für die Verfolgung von Verstößen gegen das Urheberrecht, werden nur die auf Vorrat gespeicherten Daten verwendet, die wir gegen Terrorismus und Kapitalverbrechen sammeln. Da verwechseln Sie was.

  • Zweite Bayerische Bloglesung

    Die Räumlichkeiten des Twisted Bavarian erwiesen sich für eine Lesung deutlich besser geeignet als die Reizbar. Da nimmt man auch den im Vergleich etwas schläfrigen Service billigend in Kauf. Wer bis zum Schluß bleibt, kommt dafür in den Genuß Kostproben komödiantischen Schaffens der sehr herzlichen texanischen Köchin zu hören und erhält mit etwas Glück sogar noch lustige Hüte geschenkt.

    In diesem Ambiente fand die II. Bayerische Bloglesung statt, die unserer Redaktion sogar noch besser gefallen hat, als die erste. Die Atmosphäre war insgesamt lockerer, die Texte waren noch unterhaltsamer.

    Die Moderation oblag diesmal Frau Klugscheisser, die hinterher damit kokettierte, vor lauter Nervosität kaum ihre Notizen festhalten gekonnt zu haben. Tatsächlich führte sie aber ebenso hinreissend wie souverän durch den Abend.

    Vor lauter Lampenfieber hat sie schnell noch einen Blues über die lästige Parkplatzsuche gesungen und ein wenig Saxophon gespielt. Am der Bassgittare begleitet durch „OW“, der angeregt hatte, das Stück auf Englisch zu schreiben, damit man es auch in der Uckermark verstehen würde. An der Akkustik-Gittare beteiligte sich Herr Banana aus der Allee der Spackonauten der neben einer auf Hessisch vorgetragenen Geschichte über die Freuden der Aquaristik (mp3, 4:16 min) auch trefflich über die unwiderstehliche Sinnlosigkeit von Olivenschiffchen zu berichten wusste.

    Don Alphonso hatte zwar versehentlich einen Teil seiner Unterlagen an einer ungünstig stehenden Kerze entflammt, konnte aber dennoch zwei hübsche Anekdoten über Statussymbole und soziale Gefälle vortragen: Ein Skalp von meinen Feinden und 4 mm.

    Frau Kaltmamsell schilderte eindringlich erschütternde Details aus dem Leben schwergewichtiger Damen. Die Geschichte steht nach unserern Rechnerchen so nicht in ihrem Blog Vorspeisenplatte. Außerdem las sie einige Folgen ihrer Reihe Auf meinem Weg in die Arbeit. Unter anderem Schlangenmensch heißt auf Englisch contortionist, Türsteher und Bahnsprech.

    Um Körperfett ging es wieder in einem Vortrag von Martina Kink, die mir bis dahin völlig unbekannt war. Die zierliche Gestalt, die es kaum wagte, direkt ins Mikrophon zu sprechen entpuppte sich als der Star des Abends. Die gekonnt lakonisch vorgetragenen Texte waren voll boßhaftem Witz. Ihre Gedanken über Schutzengel können Sie hier lesen und hören. Sie las außerdem Will you still need me will you still feed me und Wenn Kippen Kalorien hätten.

    Eine bizarre Geschichte über weibliches Sozialverhalten beim Toilettenbesuch und selbstgedrehte Tampons namens Blood on the Dance Floor gab es von Frau Klugscheisser, die zuvor eine Seelenwanderung in eine Unterhose gemacht hatte. Der entsprechende Reisebericht trägt den Titel Let me be your underwear.

    Später gingen die ganz hartgesottenen noch ins Pomp, das aber dermaßen voll war, daß wir unsere Reporter bereits nach drei Minuten abziehen mussten.