Tag: 29. März 2006

  • Nichts ist nicht

    Der Antikorruptionsverein Transparency International möchte nun nichts mehr falsch machen. Weil Vorstandsmitglied Jochen Bäumel findet, „Egal was wir jetzt machen, ist falsch“, wie er der Süddeutschen Zeitung mitteilte. Zum weiteren Vorgehen sagte er, „Nichts. Wir machen einfach Nichts.“

    Das wäre eine gute Strategie gewesen, hätte man sie vor dem Schreiben des Justitiars an Monika S., die Autorin des Weblogs Gedankenträger angewendet, es also gar nicht erst geschrieben. Jetzt wird es nicht mehr gehen, denn schon droht dem Verein weiteres Ungemach. Jetzt schwingt die Gedankenträgerin selbst die juristische Keule und klagt gegen den Verein wegen übler Nachrede.

    Sehr amüsant bei Rebellen ohne Markt zu beobachten ist, wie sich der Bericht auf tagesschau.de im Laufe des Geschehens nach und nach verändert hat. So sind die zunächst als objektiv falsch beschriebenen Behauptungen mittlerweile zu Behauptungen geschrumpft, die der Verein für falsch hält.

    Merke: Wenn alle immer schön die Wahrheit sagen, wird die Welt viel netter.

  • Neuer Award!

    Der Fellow Passenger verleiht ab sofort den feuerverzinkten PR-Sargnagel für Wirtschaftsunternehmen und Vereine, die ihre Glaubwürdigkeit verschenken, weil sie keine Kritik ertragen können

    Der erste PR-Sargnagel geht an Transparency Internatonal Deutschland e. V. für seine Verdienste am Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit und der vermeintlich sicherern Überzeugung, daß man jemanden der seine Meinung in diesem Blogdings schreibt, en passant abservieren kann.

    Für die nächst Runde nehmen wir gerne Nominierungen entgegen.

  • Blogs, Old Media und Recherche

    In ihrem Bericht über das Hausgemachte PR-Desaster des Antikorruptionsvereins Transparency International Deutschland e. V. schreibt tagesschau.de unter anderem:

    Die Fakten überprüft oder sich wie professionelle Journalisten mit Transparency International als Gegenseite in Verbindung gesetzt, hatten die privaten Blogbetreiber dabei meist nicht.

    Das Wort „meist“ hat der Autor allerdings erst nach zahlreichen Hinweisen von Bloggern hinzugefügt, die sich sehr wohl darum bemüht haben, die Sachlage zu prüfen, ehe sie darüber schrieben. Die Kritik ist grundsätzlich nicht ganz unberechtigt, obwohl man sich fragt, warum sie gerade in diesem Artikel erscheint. Immerhin hat in dieser Angelegenheit kaum ein Blog die auf Gedankenträger dargestellten Umstände als bestätigte Fakten dargestellt.

    Was mich ärgert ist die Tatsache, daß man als Blogger oft schlichtweg keine Auskunft bekommt. Ich schreibe meistens kleine Satiren, die keiner weiteren Überprüfung bedürfen. Sobald ich aber einen ernsthaften Artikel schreiben möchte, recherchiere ich vorher. Leider bekomme ich in der Regel nicht einmal eine Antwort auf meine Fragen. Blogger interessieren die Pressestellen von Unternehmen nämlich nicht. Ein Beispiel ist ein Artikel über eine Auseinandersetzung des Mail-Anbieters GMX und einer Organisation, die unerwünschte E-Mail-Reklame (Spam) bekämft. Da hat GMX auf meine E-Mail zwar nachgefragt, ob ich ein Journalist sei, sich nach meiner ehrlichen Antwort aber nicht einmal mehr gemeldet.

    So war es auch bei Transparency International Deutschland. Zumindest fast, denn da kam bis heute überhaupt keine Reaktion.

    Wenn man Bloggern schon aus Prinzip keine Auskunft erteilt, obwohl eine Nachfrage ja eigentlich Interesse an einer möglichst objektiven Berichterstattung vermuten lässt, soll man sich bitte nicht beklagen, wenn sie nur über das schreiben, was sie wissen. Wenn ein 1. Klasse-Schreiber sagt, die 2. Klasse-Schreiber sind nicht ernst zu nehmen, weil ihnen die 1. Klasse-Bebeauchpinselung vorenthalten wird, ist das bestenfalls lächerlich!