Tag: 18. Dezember 2006

  • Froschsuppe

    Wie vor Ihnen schon viele, unter anderem Greenpeace, behaupten Sie, Herr Johannes Widmer,

    Frösche würden zwar, in einen Topf mit zu heißem Wasser gesetzt, eiligst ihrem Schicksal zu entrinnen versuchen, aber in kaltem Wasser das allmählich zum Kochen gebracht wird, stoisch bis zum Exitus sitzen bleiben. Das ist sicher eine eindrucksvolle Metapher um den Umstand zu beschreiben, daß auch bedrohliche Veränderungen kaum wahrgenommen werden, wenn sie in in kleinen Schritten erfolgt.

    Die Richtigkeit Ihrer Beobachtungen über die allgemeine Wahrnehmung der Erosion unserer Persönlichkeitsrechte durch staatliche und privatwirtschaftliche Überwachung möchten wir auch keineswegs in Abrede stellen. Ihre ansprechende Flash-Animation zu diesem Thema können wir unserer Leserschaft nur empfehlen.

    Nur diese Froschgeschichte konnten wir nicht recht glauben und beschlossen ihr auf den Grund zu gehen. Eine entsprechende Versuchsanordnung in der Teeküche zeigte schon nach kurzer Zeit, daß sie ohne Frösche nicht funktioniert. Da keiner der angeschriebenen Frösche einer Teilnahme an diesem Experiment zustimmen wollte entschlossen wir uns, den Amphibien mit einer Internetrecherche zu Leibe zu rücken.

    Eine glaubwürdige Quelle war schneller gefunden als ein sauberer Kochtopf: In einem Artikel in der „Zeit“ wird Victor Hutchinson von der amerikanischen University of Oklahoma mit den Worten zitiert, „Wenn die Temperatur steigt, wird der Frosch immer aktiver bei dem Versuch, dem erhitzten Wasser zu entkommen“.

    Der Frosch ist also rehabilitiert. Ob allerdings der Mensch über Sensorik und Reflexe zum Schutz seiner Privatsphäre verfügt bleibt weiterhin unklar.

  • Perverse politische Posititionen

    Der einzig wahre Experte für Gewaltkriminalität durch Jugendliche, Uwe Schünekamm, offenbart im Fellow Passenger Interview seine Pläne für den Weltfrieden, warum man mit Computern lieber nicht spielen sollte und daß der bayerische Innenminister eigentlich ein linksliberaler Softie ist.

    TFP: Herr Schünekamm, Sie sind für ein Verbot von „Killerspielen“. Was ist das eigentlich?

    Schünekamm: Pervers ist das! Da werden schon Jugendliche zu Mördern erzogen. In diesen Spielen gehen die schon fast selbstverständlich mit Schußwaffen um. Schußwaffen! Das muß man sich mal vorstellen.

    TFP: Beziehen Sie sich auf Gotcha an, wo die Spieler sich mit Farbmunition beschießen oder auf Computerspiele wie Counter Strike, bei denen …

    Schünekamm: Counter was? Das ist doch egal. Verboten muß das werden. Es kann doch nicht sein, daß es Spiele gibt, in denen es Punkte dafür vergeben werden daß man Frauen verstümmelt.

    TFP: Solche Spiele sind doch aber in Deutschland schon seit Langem verboten.

    Schünekamm: Das reicht eben nicht. Es müssen alle diese Gewaltspiele, Pac Man, Minesweeper oder wie sie heißen verboten werden. Jeder dieser Amokschützen hat schon mal Solitär gespielt Das ist statistisch belegt. Wer sowas herstellt vertreibt oder spielt gehört erschossen und zwar sofort. Sie haben ja keine Ahnung, wie die sind, diese Spiele. Wenn Sie wie ich, mal einen Bericht über ein Bildschirmfoto von so einem Teufelszeug angelesen hätten, würden Sie so eine naive Frage nicht stellen. Schon bei den ersten Sätzen wollte ich sofort meine Schwiegermutter erschießen.

    TFP: Mit einer Schußwaffe, wie sie sie als Sportschütze ja selbst besitzen?


    Majong: Killerspiele sind im Internetz frei zugänglich
    Schünekamm: Das spielt doch überhaupt keine Rolle. Jeder dieser Amolläufer hatte eine Waff… äh, eine Affinität zu diesen Killerspielen. Da muß man doch nur eins und eins zusammenzählen. Wer killerspielt wird früher oder später zum Killer.

    TFP: Was bei den meisten der mehreren hunderttausend Softair- Gotcha- und First-Person-Shooter allerdings noch nicht eingetreten ist.

    Schünekamm: Noch nicht! Wir dürfen nicht warten bis die sich über das Internetz zu Armeen zusammenschließen und uns, bis an die Zähne bewaffnet, alle umbrigen.

    TFP: Bewaffnet mit Farbpistolen, Computermäusen und Tastaturen und nicht wie sie mit scharfen Waff…

    Schünekamm: So wie diese meinen Sie? Überlegen Sie sich Ihre nächste Frage gut, sonst…

    TFP: Ähm. Schönes Wetter heute nicht? Viel wärmer als man es um die Zeit erwarten würde.

    Schünekamm: Na also. Geht doch. Meinem Kollegen Günni aus Bayern möchte ich noch folgendes Zitat aus einem Filmplakat nahebringen: „If some asshole thinks he is Charles Bronson break his nose with the butt of your gun“.

    TFP: Vielen Dank für dieses Gespräch.

    Ein Nachtrag aus sicherer Entfernung: Auch härtere Waffengesetze, wie sie beispielsweise der geschätzte Herr Kollege Farlion fordert brauchen wir so dringend wie ein Loch im Kopf. In weniger als einem Prozent der Tötungsdelikte kommen legal besessene Schußwaffen zum Einsatz. Zwei Drittel der in Deuschland existierenden drei Millionen Schießeisen sind ilegal. Wer jemandem nach dem Leben trachtet wird dafür immer Wege finden. Das ist nicht schön, aber es läßt sich nicht verhindern. Glücklicherweise kommt es nur sehr selten vor. Es existiert schlichtweg kein Handlungsbedarf.
    Fotos: Wikipedia (in einem Artikel zu einem Mann der ganz ähnlich heißt), Fellow Passenger Archiv