Kein freier Mann
von Gustav Freischütz
Freiheit ist relativ. Christian Klar, ein ehemaliger Terrorist der Roten Armee Fraktion ist aus seiner 26 Jahre langen Haft entlassen worden. Nicht in die Freiheit, wie “Bild” behauptet1, sondern eher in die Vogelfreiheit, wie “Bild” sie eigens für ihn erzeugt2.
Chrstian Klar kann nur hoffen, daß sich die Vermutung von Rechtsanwalt Udo Vetter bewahrheitet, und der Axel-Springer-Verlag ihm “viel Geld”3, bezahlen muß, um seine neue durch “B.Z.” und “Bild” vernichtete Existenz zu entschädigen.
Ein normales Leben wird er in Deutschland nie führen können, denn nicht nur im Kommentarwesen des “Zitty-Blog”4 würde ihn ein aufgebrachter Mob verfolgen, so lange er sich innerhalb Deutschlands, aber außerhalb einer Gefängniszelle aufhält.
Für ihn wäre es womöglich am Besten, Deutschland zu verlassen und in einem Land Fuß zu fassen, in dem “B.Z.” und “Bild” unbekannt sind. Genau das darf er aber nicht, denn die Bewährungsauflagen zwingen ihn dazu, bis zum 3. Januar 20145 hier zu bleiben. Das Geld müsste also nicht nur 5 Jahre seinen Lebensunterhalt zu sichern imstande sein, sondern auch genügen, um, als dann 62-Jähriger Mann ohne Berufserfahrung, ein neues Leben in der Fremde zu beginnen.
- J. W. Meyer, H.-J. Vehlewald, “7:45 Uhr: Mit einer Tasche und 400 Euro in die Freiheit“, bild.de, vermutlich 22.12.2008 [↩]
- ”Bild und B.Z. lassen Christian Klar nicht weg“, bildblog.de, 10.1.2009 [↩]
- Udo Vetter, “Wem ich eine Vorstrafe wünsche“, lawblog.de, 10.1.2009 [↩]
- Daniel Boese, “Kein Praktikant Klar“, blog.zitty.de, 9.1.2009 [↩]
- “Restfreiheitsstrafe gegen Christian Klar zur Bewährung ausgesetzt“, Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Stuttgart, 24.11.2009 [↩]

15. Januar 2009 um 9:38 Uhr
Ich kann die Situation schon irgendwie verstehen. Es handelt sich ja doch um einen „Verbrecher“ auch wenn er seine Strafe abgesessen hat. Man wird bei so einem Mann immer wissen, dass er mal dort drin war. Und seine Taten waren ja nicht gerade Kleinigkeiten. Es ist für so einen Menschen sicherlich nicht einfach wieder Fuß zu fassen, deshalb finde ich es nicht gut, was die „Bild“ da geschrieben hat. Denn auch er hat eine zweite Chance verdient und ich hoffe für ihn, dass er sie auch nutzen wird.
16. Januar 2009 um 11:33 Uhr
Mein Mitleid hält sich in engen Grenzen. Es geht ihm lediglich nicht besser als anderen Politikern und Promis.
Außerdem: Man kann durchaus argumentieren, er sei eine Person der Zeitgeschichte. Und wenn ich es richtig verstehe, zieht er aus dem Rummel sogar einen immensen finanziellen Vorteil, nämlich das Schmerzensgeld, das er jetzt von “Bild” erhält. Hätte er dies alles unbedingt verhindern wollen, hätten sich wohl Mittel und Wege gefunden.
16. Januar 2009 um 21:56 Uhr
Wenn “Bild” und “B.Z.” ihm die Chance lassen, Frau Uschi.
So argumentiert der Springer Verlag auch, meine beste Frau Gehrs. Nun verwahrt er sich, aber keineswegs gegen die Berichterstattung an sich, sondern nur gegen die Veröffentlichung von aktuellen Fotos. Dieses Recht hat er und die Bilder waren für die Berichterstattung unnötig. Ob daraus ein finanzieller, womöglich immenser Vorteil ergibt, wird sich zeigen. Bislang gibt es, soweit ich weiß, noch nicht mal eine Klage.
17. Januar 2009 um 16:35 Uhr
hat nicht die springerschmiede schon mal dafür sorge getragen, dass mit ihrer journalistisch-fragwürdigen, von jedweder ethik befreiten berichterstattung, eine künstliche panik ausgelöst wurde, derren aufgeputschte energie sich in einem attentat entlud?
die aneinanderreihung von worten, welche ich vorfand, als ich der ersten fussnote folgte, entzieht sich jedweder kategorisierung. viel mehr tückisch erscheint mir, dass mit der verwendung der journalistischen regeln, wie die angabe von rudimentären fakten, journalismus vorgetäuscht wird.
bester jolly good, erstaunlich finde ich auch die räumliche nähe der worte “argumentiert” und “springer verlag”!
18. Januar 2009 um 20:17 Uhr
Das lässt sich wohl nicht mit Sicherheit sagen, bester Herr von Kryptik. Josef Bachmann hatte einen Ausschnitt aus der Neonazipostille “National-Zeitung” bei sich, die forderte “Stoppt den roten Rudi jetzt”. Insofern rückt Ihre Argumentation ausgerechnet in die Nähe dessen, was Sie in Ihrem zweiten Absatz — zu recht — kritisieren.
22. Januar 2009 um 22:45 Uhr
Wenn Christian Klar in Ruhe leben möchte, sollte er das Land besser verlassen, denn solche Berichte wird es wohl noch öfter geben.
23. Januar 2009 um 0:23 Uhr
Und was soll er bis 2014 machen, Herr oder Frau Sonnenschutzfolie?
23. Januar 2009 um 15:52 Uhr
ist eigentlich pilgern erlaubt? tiefst religiös motive können doch die justiz mild stimmen…
23. Januar 2009 um 16:58 Uhr
Solange es nach Altötting geht und nicht nach Santiago de Compostela, mein lieber Herr Kubelick, steht dem wohl nichts im Wege.
24. Januar 2009 um 15:36 Uhr
nun ja, jolly good, ich dachte eher an mekka, das passt programatisch eher in das portfolio (um der stereotypisierung die ehre zu geben).
ich denke jedoch, dass ein durchschnittlich gebildeter (hahaha) mensch würde herrn klar eine stelle anbieten ohne befürchten zu müssen, eine faxbombe in diesem zusammenhang zu erhalten.
im übringen gab es in der brd zu zeiten der roten armee fraktion genug sympathisanten, welche doch jetzt ihre solidarität mit einem praktikumsplatz für herrn klar unter beweis stellen können. zum beispiel in der firma safe id solutions ag.
26. Januar 2009 um 11:08 Uhr
Wenn die Freiheit der Bundesrepublik schon am Hindukusch verteidigt wird, mein lieber Herr, von Kryptik, ließe sich vielleicht auch das Schengener Abkommen auf Saudi Arabien ausweiten.
Das Problem ist wohl gar nicht das begrenzte Angebot an Betätigungsfeldern, sondern die wildgewordenen Fotojäger, die jeden designierten Arbeitsplatz des Herrn Klar belagern würden.