Sehr geehrter Herr Deutscher,

von Fellow Passenger

nachdem Sie mich seit meiner Kindheit immer wieder mit Ihrem höchst erstaunlichen, nun ja, Musikstück, “Marmor, Stein und Eisen bricht” behelligen, erlaube ich mir folgenden Hinweis:

Marmor ist ein Stein. Da Sie Stein bereits als brüchig klassifizieren, ist es unnötig, Marmor eigens zu erwähnen. Eisen widerum, ist vergleichsweise zäh. Es neigt eher dazu, zu zerreissen als zu brechen. Auch dieses Material hätten Sie also in Ihrer Alliteration Aufzählung weglassen können.

Bliebe also der Stein, von dem Sie irrigerweise behaupten er ginge wie “Alles, alles [sic] … vorbei”. Nun mag sich die von Ihnen kolportierte Liebe, zu welcher Ihrer drei Gattinnen auch immer, großer Dauer erfreut haben. Länger als das Leben der von ihr Erfüllten kann Liebe aber kaum währen. Sie ist also erheblich vergänglicher als der von Ihnen besungene Stein. Spätestens seit Ihrem Ableben am 9. Juni 2006 müssten Sie das ja wissen.

Hätten Sie also naheliegenderweise auf den Text verzichtet und sich vielleicht auch noch die ungemein penetrante Melodie verkniffen, müssste ich nicht jedes mal brechen, sobald ich sie höre.

Hoffentlich wissen Ihre beiden Buben zu schätzen, daß vor allem die Wiedergabe Ihres Werks partout nicht vorbeigeht.

6 Kommentare zu “Sehr geehrter Herr Deutscher,”

  1. Jörg

    …übrigens (nachdem ich mich gerade im Deutschunterricht wieder mit den ganzen Stilfiguren herumschlagen durfte): Es ist entweder “Enumeration” (Aufzählung allgemein), “Akkumulation” (Anhäufung), “Trikolon” (Aufzählung dreier Elemente) oder – wenn man bedenkt, dass der gute Drafi wohl von einem zum anderen Material eine Steigerung der theoretischen Haltbarkeit andeuten will – “Klimax” (Steigerung zum Höhepunkt); eine Alliteration kann ich da nicht erkennen… Ey, aber eine ganze Menge an Stilfiguren in dem Teil, Alder!!

  2. fellow passenger

    Da haben Sie allerdings recht.

  3. kubelick

    glas, licht und herzen, bester jolly good! jedoch denke ich, das ganze ist eher anschaulicher art, als die, des nicht vorhandenen inherenten sinnes. vielleicht hat der verfasser des liedchens zu sehr herrn kleist vertraut und da der krug aus steinzeug war…
    dieser beitrag müsste doch in einer anderen, esoterisch/spiritistische kategorie, da es ein brief ins jenseits darstellt.

  4. Fellow Passenger

    Glas und Licht, ultraviolettes zumal, gelten ja ebenfalls als hart. Bei quergestreiftem Muskelgewebe sind Zweifel angebracht. Aber Sie haben natürlich recht, bester Herr Kubelick, das ganze Gesäusel ist ja rein metaphorischer Natur. Allerdings in seiner Profanität auch metabolisch unzuträglich.

    Falls Ihre Theorie über die Affinität Deutschers zu Kleist stimmt, hat er zumindest übersehen, daß Steinzeug irden ist. Heinrich aber sei gesagt: Der Student geht solange zur Mensa bis er bricht.

    Kategorien wie Geheimlehre oder Geisterbeschwörung sind in einem Fachmagazin diesen Zuschnitts unstatthaft. Allerdings werden wir Ihre Anregung aufgreifen und den Beitrag als Nachruf rubrizieren.

  5. kubelick

    harte materie hat, meines wissens, aber auch die eigenschaft spröde zu sein. deshalb bemüht sich die forschung amalagame zu kreieren, bei denen die unerwünschten charakteristika der bestandteile in der verquickung aufgehoben werden, z.b litracon, welches aus dem unansehnlich groben und dichten beton einen feenhaft anmutenden baustoff erzeugt.

    sie werden mir, werter jolly good, nicht widersprechen, wenn ich den faktisch unangreifbaren beispiel anbringe, von einem, zwar sonderbaren, jedoch unbestreitbaren, penisbruch des herrn d. bohlens – einer, der beim schaffen sinnfreier musikalischer monstrositäten dem kollegen deutscher in nichts nachsteht.

    was kleists wissen über studentenmägen nicht mindert! ich riskiere mal die behauptung, werter kollege kleist sprach aus erfahrung.

    da herr deutscher den rentenalter mit dem ableben knapp umschiffte, konnte er den phenomen der osteoporose, welche zum häufigem knochenbruch führt, nicht erfahren. besänge er beispielsweise “gallenstein und knochen bricht” oder so, mal aus der hüfte (noch der eigenen) geschossen, würde dies zwar die zielgruppe erheblich minimieren, aber dem liedchen jedoch einen edukativen wenn nicht gar präventiven charakter verleihen.

    ein wort, bester jolly good! ein wort!

  6. Fellow Passenger

    Beton wird ja nicht anschmiegsamer, nur weil jemand ein paar Glasfasern hineinstreut, bester Herr Kubelick. Dafür lichtdurchlässig, was ja ganz hübsch aussieht. Vielleicht wäre das auch etwas für Herrn Schäuble. Wäre er noch im Innenministerium tätig, könnte ihm eine Bauvorschrift in den Sinn kommen. “Es kommt darauf an was man daraus macht”, sagte die Betonwirtschaft schon vor längerem.

    Mit dem Gemächt von Herrn Bohlen wünsche ich mich nicht zu beschäftigen. Da könnte ich ja gleich seine Autodebiliographie, oder wie das heißt lesen. Immerhin darf ich festhalten, daß sein höchst erstaunliches Werk, mich nicht schon so lange behelligt, wie das seines verblichenen Kollegen.

    Herr Kleist hingegen, konnte seinerzeit gewiss nicht ahnen wie es einst um die Qualität universitärer Verpflegung bestellt sein würde. Auch ich bin ja nicht über den aktuellen Zustand im Bilde. Nur konnte ich mir den Kalauer einfach nicht verkneifen.

    Ihr Alternativtext wäre zwar, wie sie richtig bemerken, dem Umsatz abträglich, würde aber das Musikstück durchaus aufwerten. Vielleicht sollten wir über eine Cover-Version nachdenken. Vielleicht würde mir die Melodie des Gassenhauers dann leichter zu ertragen.

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