Investitionstipp: CD-Rohlinge mit 2 Milliarden Prozent Rendite
von Fellow Passenger
Auf unseren vorletzten Artikel erreichte uns eine Leserzuschrift, mit der Frage, ob durch das von uns vorgeschlagene Vorgehen nicht die Gefahr bestünde, der Markt für entwendete Daten könne einbrechen. Allenfalls das Bankgeheimnis würde dadurch geschützt, wozu man am besten noch ein Verwertungsverbot für Beweise, die ohne ausreichenden Rechtsgrund erlangt wurden, ausspricht.
Inzwischen wurde außerdem klar, daß die vom Datenlieferanten getroffenen Vorkehrungen, ungeschoren und wohlhabend davonzukommen, in einem Schweizer Pass und einem Übergabeort in Frankreich bestehen. Ob im Rahmen der Amtshilfe durch Frankreich eine Beschlagnahme möglich wäre, ließ sich noch nicht klären.
Aber zurück zum Einwurf aus dem Leserbrief. Genau darum ging es. Die Regierung schafft damit einen bedenklichen Anreiz zum Datenklau, der in Deutschland ganz zurecht — wie Steuerhinterziehung ja auch — verboten ist. Nur weil die schweizer Hehler ihre deutschen Steuerbetrüger nicht verpfeifen, ist es deswegen längst nicht richtig, schweizer Datenverbrecher großzügig mit deutschen Steuergeldern zu alimentieren. Mit ungewissem Ausgang nota bene.
Was, wenn die Probedatensätze vom Anbieter so ausgewählt wurden, daß sie die einzigen Fälle betreffen, in denen ernsthaft was zu holen wäre? Steurverkürzung, die in der Schweiz nur eine Ordnungswidrigkeit ist, verjährt in Deutschland immerhin nach zehn Jahren. In den letzten Jahren war mit Anlagen in der Schweiz vermutlich ohnehin nicht viel zu holen. Wenn das Gedächtnis nicht trügt, brachten die 1400 Datensätze der Liechtenstein Global Trust unterm Strich gerade mal 250 Euro pro Fall. Insgesamt also maximal 350.000 Euro, wenn denn alle Datensätze auch Fälle waren. Selbst wenn man die verzumwinkelten Steueransprüche hinzuzählt waren die 4,5 Millionen Euro für die Daten wohl alles andere als ein gutes Geschäft.
Wenn es mit den Daten der Credit Suisse ähnlich läuft, kann der Fiskus froh sein, wenn er überhaupt seinen Einsatz wieder herausholen kann. Von den Fünf Millionen, die man bereits zu haben glaubt, können ja leicht auch drei schon wieder verjährt sein. Die Personalkosten für die Beamten gehen ja von den erwünschten Erträgen auch noch ab. Erfahrungsgemäß ereilt den ein oder anderen Sachbearbeiter bei solch belastenden Tätigkeiten auch schon mal eine paranoid-querulatorische Persönlichkeitsstörung, die zu irreversibler Arbeitsunfähigkeit und damit zu doppelten Personalkosten führt.
Am Ende wird die Regierung dann womöglich für 2,74 Millionen, Steuereinnahmen für ein paar hunderttausend Euro gekauft haben.
Wenn wir wüßten, wie die Kontodatenbank eines passenden Geldhauses typischerweise aussieht, hätte unsere Redaktion eine prima Geschäftsidee. Dank unserer weisen, gerechten und geliebten Bundesregierung sind wir jetzt fast selbst schon motiviert, den Zufallszahlengenerator anzuwerfen, die Forbes-Liste, sowie ein paar uns unsympathische Parteimitglieder mit den schönsten Zahlen zu verknüpfen. Viel Geld für wenig Aufwand, mit einer Eigenkapitalrendite über 2 Millarden Prozent und obendrein eine Mordsgaudi. Wenn wir zehn Stück davon verkaufen könnten, gingen wir nach Zahlungseingang allesamt geschlossen in Rente und lebten von den ordungsgemäß versteuerten Kapitalerträgen.
Daß dem Spion noch kein bedauerlicher Unfall widerfahren ist, deutet darauf hin, daß die Banker in der Schweiz moralisch nicht nur stärker gefestigt sind, als ihnen üblicherweise zugetraut wird, sondern auch als unsere Regierung. Oder die CD ist genau wie oben beschrieben entstanden und sowohl Credit Suisse, als auch Fahnder wissen das. Der Bank kann es dann egal sein und Deutschland machen eben das Beste daraus: Eine Medienkampagne, um Druck für Selbstanzeigen aufzubauen. Wenn dann im schwarz-gelben Geldkoffer bei der Übergabe nur alte Zeitungen liegen, hätten sich zumindest alle gegenseitig aufs Kreuz gelegt.
Nachdem trotz des vielbeschworenen Rechtsstaats der Zweck inzwischen die Mittel heiligt, wäre der nächste logische Schritt, exteritoriale Foltergefängnisse für deutsche Millardäre und schweizer Bankangestellte einzurichten. Dank der Aussicht auf wesentlich höhere Erträge ginge das doch bestimmt als verhältnismäßig durch.

24. Februar 2010 um 0:09 Uhr
Witzig geschrieben, ich investiere ;)
24. Februar 2010 um 2:35 Uhr
Freundlich gespamt, wir intervenieren minimalinvasiv.