Boiron will gegen Kritiker von Keiner Entenleber klagen
von Fellow Passenger
Vermutlich machen Parteien, Krankenkassen und niedergelassene Ärzte zur Homöopathie alle die gleiche (verblödungsfördernde)1 Rechnung auf:
Wer sich gegen Schüttelwasser2 ausspricht punktet nur bei der Minderheit, die diesen Humbug für schädlich hält, vergrault aber außer den Gläubigen3 auch noch die Agnostiker, die meinen, es könne ja zumindest nicht schaden. Das dürfte die Mehrheit der potentiellen Wähler, Mitglieder und Patienten sein.
Natürlich führt es nicht umittelbar zu Gesundheitsschäden, jemandem Keine Entenleber, etwa in Form von “Oscillococcinum C200″ des Herstellers Boiron4 zu verabreichen, denn Nichts entfaltet eben auch keine Wirkung. Weder für, und schon gar nicht gegen Grippe. Mittelbar besteht natürlich die Gefahr, daß ein Grippekranker im festen Glauben an Keine Entenleber auf eine medizinisch indizierte Behandlung verzichtet, obwohl die Erkrankung nicht wie im Normalfall von selbst abheilt. Zum Glück scheinen die meisten Hochpotenzschamanen aber zu wissen, wann ihre EinnahmequellenKlienten zu versiegensterben drohen und führen sie rechtzeitig erwiesen wirksamen Behandlungen zu.
Indirekt wirkt das wirkstofffreie Präparat natürlich schon und zwar wirtschaftlich und gesellschaftlich. Es verhilft dem Hersteller zu 20 Millionen Dollar Umsatz5. Mit diesem Geld versucht der Hersteller nun unter anderem auch eine Wirkung auf die Meinungsfreiheit zu entfalten, indem er Samuele Riva, den Autor zweier Blogartikel über das krause Konzept der Homöpathie6 mit einer Klage wegen Verleumdung bedroht. Erste Erfolge zeichnen sich auch schon ab: Riva hat die Verweise auf den Hersteller aus seinen Texten entfernt und der Streisand-Effekt7 gerät auch langsam ins Rollen.
Wir dürfen die nächste Zeit wohl beobachten, wie Boiron die behauptete Wirkungsweise durch Verdünnung von Meinungsfreiheit und Fakten zur Hochpotenz selbst widerlegt.
[Update:]
Bei “Die Ausrufer” findet sich inzwischen eine deutsche Übersetzung der beiden Texte von Samuele Riva.
- “Homöopathie ist ein Gradmesser der Gesellschaftsverblödung”, korrupt.biz [↩]
- “1,05 Milliarden Euro für Zuckerkügelchen und Schüttelwasser”, chefarztfrau.de, 08.03.2010 [↩]
- “Fliegen oder freier Fall?”, freitag.de, 24.04.2011 [↩]
- Webreklame von Boiron, des größten Zuckerpillendrehers dieses Planeten [↩]
- “Dagobert Duck C200 – Oder wie Boiron seinen Glückstaler verlor”, blog.esowatch.com, 16.08.2011 [↩]
- “Omeopatia: mito e leggenda”, Teil 1 und Teil 2 auf www.blogzero.it [↩]
- “Streisand-Effekt”, de.wikipedia.org [↩]

18. August 2011 um 2:02 Uhr
[...] auf, bei Esowatch, im GWUP-Blog, bei kritisch gedacht, Astrodicticum simplex, delengkal, fuxblog, fellowpassenger, metalfrankonia, gelb.net, gulli, hinriss, devatrox und der lemontreepresse – um nur einige [...]
18. August 2011 um 11:57 Uhr
Lieber Fellow,
Danke, dass Du den Artikel von merdeister bei freitag.de verlinkt hast. Gerne mache ich darauf aufmerksam, dass merdeister auch Autor bei die Ausrufer ist und im Regelfall seine Artikel dort zuerst erscheinen.
Beste Grüße, e2m
18. August 2011 um 18:20 Uhr
[...] Fellow Passenger titelt: “Boiron will gegen Kritiker von Keiner Entenleber klagen.” , das EHBB-Blog nennt den Konzern “Dumm wie Boironstroh.” und Rappelsnut [...]
19. August 2011 um 1:09 Uhr
Vielen Dank für den Hinweis, ed2murrow! In diesem Fall scheint der Beitrag allerdings am gleichen Tag an beiden Stellen erschienen zu sein, was mich aber nicht davon abhalten wird, ein wenig bei den Ausrufern zu schmökern.
20. August 2011 um 21:37 Uhr
Den Blog von Samuele habe ich übersetzt und bei uns eingestellt. Gerne auch zur Weiterverwendung.
21. August 2011 um 18:46 Uhr
[...] Mit dem Artikel hat sich auch „The Fellow Passenger“ beschäftigt und titelt so schön, dass ich meinen Hut tief ziehe: „Boiron will gegen Kritik von Keiner Entenleber klagen“. [...]
25. August 2011 um 23:46 Uhr
[...] Vollständigkeit halber noch zwei Hinweise auf Buchstäblich seltsam und den Fellow Passenger, die sich ebenfalls dem Thema [...]