Gurtpflicht für Fußgänger

von Fellow Passenger

End­lich soll die kom­men, die Helm­pflicht für Rad­fah­rer. Die er­wie­sene Tat­sa­che, daß Au­to­fah­rer auf be­helmte Rad­fah­rer we­ni­ger Rück­sicht neh­men, wird ent­kräf­tet mit dem Ar­gu­ment, es sei doch gar nicht be­legt, daß be­helmte Rad­fah­rer ri­si­ko­be­rei­ter wären.

Die meis­ten Un­fälle ge­sche­hen im Haus­halt. Es ist dem­nach nicht ein­zu­se­hen, wa­rum Tritt­lei­tern bis heute noch ohne Air­bag in den Han­del ge­lan­gen kön­nen. Viele schwere Ver­let­zun­gen las­sen sich auch dar­auf zu­rück­füh­ren, daß die meis­ten Fens­ter sich auf­klap­pen las­sen. Mon­tierte man ganz ein­fach nur die Griffe ab, wäre es aus­ge­schlos­sen beim Fens­ter­put­zen auf die Straße zu stürzen.

Wenn es um Men­schen­le­ben geht, muß Geld na­tür­lich die über­ge­ord­nete Rolle spie­len. Eine Stadt so zu ge­stal­ten, daß Rad­fah­rer nicht di­rekt vor die Küh­ler­hau­ben mo­bi­ler Wirt­schafts­schwer­punkte ge­lei­tet wer­den ist müh­sam und teuer. Jede neue ge­schaf­fene Ord­nungs­wid­rig­keit spült da­ge­gen Geld in die klam­men Kas­sen der Kom­mu­nen. Wenn da­bei noch die fahr­ad­helm­her­stel­lende Wirt­schaft ei­nen Auf­schwung er­fah­ren kann, ist die Helm­pflicht ganz klar ohne Alternative!

Wer sich kei­nen al­ber­nen Plas­tik­be­cher auf den Kopf stül­pen will oder kann, um nach dem Knei­pen­be­such mit ei­nen Call-A-Bike-Vehikel heim­wärts zu ra­deln, kann sich ja ei­nen SUV kau­fen. Fast alle Au­to­mo­bil­her­stel­ler ha­ben so ein Mo­dell im Pro­gramm und ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler ha­ben her­aus­ge­fun­den, daß man sie auch im Voll­rausch ohne Helm fah­ren kann. Das Rest­ri­siko wird da­bei sehr ele­gant auf die an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer um­ge­legt, so daß man selbst Rad­fah­rern mit Pflicht­helm über­le­gen bleibt. Als Prä­ze­denz­fall mag man die Er­fah­run­gen des ehe­ma­li­gen Ge­ne­ral­se­kre­tärs der CSU, Otto Wies­heu, her­an­zie­hen, in de­nen der nüch­terne Un­fall­geg­ner dem baye­ri­schen Po­li­ti­ker nichts ent­ge­gen­zu­set­zen hatte. Hätte der Rent­ner ein bes­se­res Fahr­zeug ver­wen­det, läge er wo­mög­lich heute noch der Ren­ten­ver­si­che­rung auf der Tasche.

Weil es keine Un­ter­su­chun­gen dar­über gibt, ob aus­ge­schla­fene Inline-Skater bei Un­fäl­len häu­fi­ger Kno­chen­frak­tu­ren da­von­tra­gen als hung­rige Roll­stuhl­fah­rer, for­dert un­sere Re­dak­tion ge­schlos­sen eine Gurt­pflicht für Fuß­gän­ger, die so­wohl für Roll­stuhl­fah­rer als auch Inline-Skater gel­ten muß. Un­sere Ver­su­che ha­ben deut­lich ge­zeigt: Wer den gan­zen Tag über ans Bett ge­gur­tet bleibt, ist zwar ei­nem Rest­ri­siko für “Ver­kehrs­un­fälle” mit blei­ben­den Fol­gen aus­ge­setzt, töd­li­che Ver­let­zun­gen sind aber durch­wegs seltener.

Wenn Sie sich nun (hof­fent­lich) er­mun­tert füh­len, Ih­rem Ab­ge­ord­ne­ten zu er­klä­ren, wa­rum er sich für eine Gurt­pflicht für Fuß­gän­ger ein­setz­ten soll, ver­ges­sen Sie nicht, jede Rück­frage mit ei­ner Ant­wort zu wür­di­gen, die zu ei­ner Frage passt, die Sie lie­ber ge­stellt be­kom­men hät­ten. Das ist an­fangs viel­leicht et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, aber was je­der Lob­by­ist in den Ge­nen hat, und von je­dem men­tal her­aus­ge­for­der­ten Po­li­ti­ker mü­he­los ko­piert wer­den kann, schaf­fen Sie auch.

3 Kommentare zu “Gurtpflicht für Fußgänger”

  1. kubelick von kryptik

    …Jede neue ge­schaf­fene Ord­nungs­wid­rig­keit spült da­ge­gen Geld in die klam­men Kas­sen der Kom­mu­nen.…“
    was je­doch völ­lig un­be­greif­lich bleibt, ist wes­halb wäh­rend des größ­ten volks­fes­tes der welt noch ein­satz­wä­gen für das be­läs­ti­gen von fahr­rad­fah­rern übrig blei­ben: un­ser­ei­ner war voll­ends durch die Be­richt­er­stat­tung über­zeugt, alle exe­ku­ti­ven kräfte seien zur ter­ror­be­kämp­fung al­lo­kiert ge­we­sen. weit ge­fehlt! wie sie, wer­ter jolly good, scharf­sin­nig be­merk­ten, ist eine schi­ka­nöse ent­gelt­li­che be­leh­rung über die stvo viel er­trag­rei­cher als eine fest­nahme von be­sof­fe­nen Ver­ge­wal­ti­ger oder terrorverdächtiger.

  2. kubelick von kryptik

    nach­trag

    …klam­men Kas­sen der Kom­mu­nen.…” hätte e.a. poe auch nicht bes­ser schrei­ben kön­nen. z.v. “…And the sil­ken, sad, un­cer­tain rustling…”

  3. Anonymous

    über’n Weg .…..

    un­ge­ord­net ‚un­kom­men­tiert, für les– , hör– und seh­bar be­fun­den … Die Strip­pen­zie­her: Wenn zu­sam­men kommt, was nicht zu­sam­men ge­hört Ma­rio vs. Pacman Der „Schul­den­schnitt“ und das Klein­ge­druckte hier ein graf­fiti… Gurt­pflicht für Fuß­gän­ger Grupp…

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