Rätselraten in Abmahnistan

von Fellow Passenger

Ein Schrei­ben von Si­mon Haug, Jus­ti­ziar der “Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung”, an Klaus Graf, den Be­trei­ber des Blogs Ar­chi­va­lia, warf die ei­gent­lich völ­lig be­lang­lose Frage auf, ob FAZ-Autorin Heike Schmoll wo­mög­lich die Le­bens­ge­fähr­tin der frü­he­ren Bun­des­mi­nis­te­rin für Bil­dung und For­schung An­nette Scha­van sein könnte. Dies zu be­haup­ten sollte Graf näm­lich künf­tig un­ter­las­sen.1 Al­ler­dings hatte er diese Be­haup­tung nie aufgestellt.

Wie wohl die meis­ten kri­ti­schen Be­ob­ach­ter der me­dia­len Be­glei­tung des Pla­gi­ats­falls Scha­van, hatte auch Graf aus der wohl­ge­fäl­li­gen Be­richt­er­stat­tung Schmolls in der FAZ auf ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis zur frü­he­ren Bun­des­mi­nis­te­rin ge­schlos­sen. In die­sem Zu­sam­men­hang ge­brauchte er den Be­griff „Schavan-Freundin“. Eine Deu­tung sei­ner Aus­sage im Sinne ei­ner Le­bens­ge­mein­schaft lässt ge­rade die­ser Zu­sam­men­hang nicht zu. Zwar um­fasst das von der FAZ an­ge­strebte Ver­bot wört­lich eben­falls den Be­griff „Freun­din“, be­zieht sich da­bei aber eben nur auf die zu Le­bens­part­ne­rin syn­ony­men Bedeutung:

Diese von Ih­nen ver­brei­tete Un­ter­stel­lung, Frau Dr. Schmoll sei die Freun­din oder die Le­bens­ge­fähr­tin von Frau Scha­van ist nicht nur falsch, son­dern er­füllt auch den Tat­be­stand der üb­len Nach­rede. Sie dient al­leine der Schmä­hung des An­se­hens von Frau Dr. Schmoll und be­ab­sich­tigt Frau Dr. Schmoll als Jouna­lis­tin her­ab­zu­wür­di­gen. Frau Dr. Schmoll ist we­der die Le­bens­ge­fähr­tin noch die Freun­din von Frau Scha­van.2

Es wird also sei­tens der FAZ nicht ein­mal be­strit­ten, Schmoll sei eine Freun­din Scha­vans. Nur dass Schmoll nicht “die Freun­din”, also Le­bens­ge­fähr­tin Scha­vans sei, wird aus­ge­sagt — so­gar gleich zwei­mal. Trotz die­ser Re­dun­danz ist es aber kaum vor­stell­bar, dass eine Jour­na­lis­tin und ein Rechts­an­walt ei­ner deut­schen Ta­ges­zei­tung selbst ge­mein­sam nicht das er­for­der­li­che Sprach­ver­ständ­nis ha­ben sol­len, um sich die aus dem Zu­sam­men­hang zwei­fels­frei er­sicht­li­che Be­deu­tung des Wor­tes Freun­din zu er­schlie­ßen. Es ist dem­nach aus­zu­schlie­ßen, dass sie tat­säch­lich an­nah­men, Graf habe Schmoll eine Le­bens­part­ner­schaft mit Scha­van unterstellt.

Auch nicht wahr­schein­li­cher wirkt die Vor­stel­lung, bei der FAZ könne man nicht mehr hin­rei­chend struk­tu­riert un­ter­schei­den, durch wel­chen Sach­ver­halt oder durch wel­chen Ver­ur­sa­cher man sich ei­ner Rechts­ver­let­zung aus­ge­setzt sieht und des­halb Graf stell­ver­tre­tend für eine dif­fuse feind­li­che Kraft aus dem In­ter­net für Schmä­hun­gen ver­ant­wort­lich ma­chen will de­ren Her­kunft man sich nicht er­kä­ren kann. Zwar führt der in der Ab­mah­nung er­wähnte Hy­per­link di­rekt auf die Start­seite des Blogs Causa Scha­van, in des­sen ge­sam­ten In­halt nichts zu fin­den ist, was den An­schul­di­gun­gen ent­sprä­che. Gleich­wohl darf man ge­trost an­neh­men, dass dies für Rechts­ge­lehrte der FAZ er­kenn­bar ist.

Selbst wenn die FAZ ver­su­chen wollte, un­ter ei­nem Vor­wand miss­lie­bige Kon­kur­renz aus dem Weg zu räu­men, wie das Blog Er­blogg­tes aus­führt34, wäre das al­len­falls eine Er­klä­rung für eine ge­trübte Ge­müts­lage in der Re­dak­ti­ons­stube der Ta­ges­zei­tung, aber doch kein Un­ter­fan­gen mit Aus­sicht auf Er­folg. Ihre in der An­ge­le­gen­heit Scha­van schwa­che jour­na­lis­ti­sche Leis­tung kann die FAZ ja nicht da­durch stei­gern, in­dem sie ei­nen ein­zel­nen Kom­men­ta­tor mund­tot macht, der dies kri­ti­sierte. We­der der „Ta­ges­spie­gel“ noch die Au­to­ren an­onym ge­führ­ter Blogs, de­ren Be­richt­er­stat­tung qua­li­ta­tiv durch­gän­gig bes­ser war als die der FAZ, wür­den durch ei­nen sol­chen An­griff schließ­lich nicht aus dem Netz verschwinden.

Es bleibt also wei­ter­hin rät­sel­haft, wa­rum Schmoll und die Rechts­ab­tei­lung der FAZ et­was de­men­tie­ren, das nie be­haup­tet wurde.

  1. Klaus Graf, “++EIL++ FAZ will mich in Sa­chen Be­zie­hung Scha­van Schmoll zur Ab­gabe ei­ner straf­be­wehr­ten Un­ter­las­sungs­er­klä­rung zwin­gen ++EIL++”, archiv.twoday.net, 13.03.2013 []
  2. Klaus Graf, “Frau Streisand bitte! Nix Neues von der FAZ in Sa­chen Freundschaft/Lebenspartnerschaft Schavan/Schmoll und zu mei­ner Ab­mah­nung”, archiv.twoday.net, 16.03.2013 []
  3. Er­blogg­tes, “FAZ mahnt un­ter Vor­wand miss­lie­bige Blog­ger ab”, erbloggtes.wordpress.com, 13.03.2013 []
  4. Schavan-Freundschaftsblättchen FAZ sah jour­na­lis­ti­sche Her­ab­wür­di­gung Schmolls,  erbloggtes.wordpress.com, 17.03.2013 []

Kommentieren Sie

Quicktags: