In Ermangelung eines schlüssigen Konzeptes zur Steuerpolitik, hat die CDU wenige Wochen vor der Wahl einen Überraschungsminister der Finanzen aus dem Ärmel gezaubert, ein Herrn Professor Paul Kirchhof, der eigentlich Verfassungsrichter ist. Ware Wundertaten werden ihm nachgesagt. Ganz einfach und gerecht soll sein Modell alles machen, sagt die CDU. Ungerecht und nur zu Lasten der „Kleinen Leute“ wäre es in Wahrheit, sagen SPD und PDS.
Von 418 Steuervergünstigungen, die gestrichen werden sollen wird gemunkelt. Offiziell wird die CDU nicht müde zu bekräftigen, daß sie zu zwei Dritteln hinter dem Modell ihres Wunderknaben stehe. Wundersam ist vor allem, daß man nicht nur nicht erfahren kann, welche Drittel nun von der CDU unterstützt und welche abgelehnt werden, sondern was überhaupt der Inhalt von Kirchhofs Visionen ist. Sogar er selbst darf dazu offenbar nichts publik machen. Indessen ist zu hören, daß er den amtierenden Finanzminister der Verschwörung bezichtigt. Man mag sich fragen, ob die visionäre Geheimwaffe der CDU womöglich eine Halluzination ist. Immerhin gibt Frau Merkel unter zunehmendem öffentlichen Druck an, selbst nicht zu wissen, was der Professor aus Heidelberg da ausgeheckt hat. Zumindest was die geheimnisvolle 418 Punkte umfassenden Streichliste betrifft, sagte sie gegenüber Spiegel-Online:
Dieser Satz ist so mysteriös wie der Verbleib der Liste. Von Kirchhof ist sie nicht zu bekommen. Sie befände sich bei der CDU, lassen seine Mitarbeiter wissen. Die Union behauptet indessen, die Liste läge ihnen nicht vor. Vermutlich bekommt man bei weiteren Nachfragen zu hören, daß leider das Kleingeld für den Fotokopierer nicht gereicht hat.
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