Seit drei Jahren schon, genau seit dem 1. Januar 2002 haben wir nun neues Geld in unseren Taschen und Sparschweinen. Es ist sehr einheitlich, denn alle Länder der EU haben, bis auf England, die halbe EU hat das gleiche Geld. Das ist praktisch, weil man für einen Ski-Urlaub nicht extra österreichische Schillinge kaufen muß, sondern seinen Jägertee einfach mit Euro bezahlen kann. Eigentlich mußte man das früher auch nicht, denn die D-Mark war in der kleinen Alpenrepublik stets willkommen.
Gleich, um nicht zu sagen Gleichgültig, ist auch die Gestaltung der Scheine. Statt Kupferstichen von Bettina von Arnim bis zu den Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm auf der Vorder- und vom Brandenburger Tor bis zum „Deutschen Wörterbuch“ und der Königlichen Bibliothek Berlin auf der Rückseite, gibt es nur noch namenlose Architekturstudien und fiktive Brückenelemente neben einer Europakarte.
Der Mangel an Kaufkraft mag umstritten sein, die visionäre Kraft der Euroschöpfer fehlt indes mit Sicherheit. Nicht einmal für eine 1000-Euro-Note hat es gereicht. Um das jammervolle Bild zu vervollständigen, hat man die Kategorie Kupfer um eine weitere Münze bereichert. Das neue „Fünferl“ im Wert eines alten „Zehnerl“ ist nun auch aus einer Kupferlegierung.
Dabei braucht diese „Euro-Pfennige“ kein Mensch. Nur Supermärkte belasten Ihre Kundschaft ständig mit der Ausgabe von diesen kupferlegierten Cent-Münzen. Es mag ja sein, daß die deutsche Binnenwirtschaft endgültig zusammenbräche, würde eine 200 g Packung Räucherlachs für 7 statt 6,99 Euro verkauft. Ob diese Gefahr auch bestünde, wenn man einen für einen ganzen Einkaufswagen voller Bedarfsgüter statt 98,47 Euro einfach 98,50 Euro zu bezahlen hätte, wage ich zu bezweifeln.
Ich sehe keine Veranlassung, stets einen Sack voll praktisch wertloser Kupfermünzen mit mir herumzutragen. Also werfe ich sie mit gewisser Abscheu nach jedem Einkauf in eine alte Konservenbüchse. Das führt jedoch zu weiterer Unbill, sobald das Gefäß voll ist. Nur weil es sich um ein gesetzliches Zahlungsmittel handelt, bedeutet das nämlich längst nicht, daß man damit etwas bezahlen könnte. Banken verweigern die Annahme. Ein offensichtlich geisteskranker Bankkaufmann wagte mir sogar den Vorschlag zu unterbreiten, ich solle die Münzen händisch nach Größe sortiert in Papierrollen verpacken, ehe er sie entgegennehmen würde.
Wie diese Ausführungen klar belegen, krankt die deutsche Wirtschaft wie schon oft kolportiert am Euro. Allerdings nicht an der Währung als solches, sondern am Hirnrissigen Cent-Fetischismus, der damit einhergeht. Und natürlich am Fehlen des 1000-Euro-Scheins.
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