Open Water

Wenn Sie mal einen Film drehen möchten, der das Zeug dazu hat, den Golden Trailer Award als „bester Thriller“ zu gewinnen, geben wir Ihnen hier einige Tips an die Hand, mit denen Sie zusätzlich noch eine Nominierung als „bester Independentfilm“ abstauben können. Den Saturn Award für den „besten Horrorfilm“ haben Sie damit ebenfalls so gut wie in der Tasche.

Sie benötigen dazu viel Wasser. Idealerweise verbinden Sie die Aufnahmen mit einem Badeurlaub, notfalls genügt aber auch ein Spülbecken und etwas blaue Lebensmittelfarbe. Setzen Sie zwei gewöhnliche Weinkorken ins Wasser und filmen Sie etwa eine dreiviertel Stunde lang, was geschieht.

Gestrandeter SektkorkenEs geschieht nichts? Gut so! Damit erreichen sie genau das gleiche und damit gewünschte Ergebnis, wie Chris Kentis mit seinem Werk Open Water: Das Schauspieltalent von im Wasser treibenden Weinkorken, gefühlte drei Stunden quälende Langeweile und die vergebliche Hoffnung auf eine überraschende Wende.

Als guter Filmemacher müssen Sie natürlich den Hintergrund Ihrer Vorlage kennen. Deswegen hier die umfassende Beschreibung der Handlung: Wegen eines Mißverständnisses treibt ein Ehepaar bei einem Tauchausflug tagelang allein in der Karibik und stirbt schließlich an Erschöpfung.

Fairerweise muß man einräumen daß der Film durch ungewöhnliche Kameraeinstellungen einige Lacherfolge für sich verbuchen kann. Die sehr ausführliche Darstellung, wie die männliche Hauptrolle einen Kofferraum mit Reisegepäck bestückt, ist zwar für die Handlung ohne Belang, gewinnt aber dadurch, daß der Zuschauer diese langatmige Einstellung unter anderem aus der Perspektive eines unter dem Auto liegenden Beobachters verfolgen darf.

Auch eine charmant choreographierte Action-Einstellung hat „Open Water“ zu bieten. In einem preiswerten Hotelzimmer entspinnt sich eine wilde Jagd auf einige Stechmücken, in deren Verlauf einige der Fluginsekten unter den Schlägen mit einer Zeitung ihr Leben lassen.

Nach diesem Gemetzel verliert der Film allerdings zusehends an Tempo. Nach einer mehr als ausführlichen Darstellung der Bootsfahrt zum Tauchgang, darf man das Paar rund eine dreiviertel Stunde lang dabei begutachten, wie es sich, im Wasser treibend, über Belanglosigkeiten streitet, von Quallen und kleinen Fischen traktiert wird.

In den letzten Minuten sterben die Hauptdarsteller endlich an Erschöpfung und erlösen den Zuschauer vor dem nahenden Tod durch Langeweile.

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Bildquelle: JustforFoto