Sozialistische Medienvielfalt im Netz

Eine goldene Regel des Journalismus sagt, ehe man einer Nachricht glauben darf, muß man sich zuerst aus verschiedenen Quellen darüber informieren. Dank Internet ist das heute einfacher denn je. Ein Recherchebeispiel in drei Bildern:

Nachrichten bei web.de
Quelle: Eigenes Bildschirmfoto
Nachrichten bei GMX
Quelle: Eigenes Bildschirmfoto
Nachrichten bei 1&1
Quelle: Eigenes Bildschirmfoto

Man fragt sich warum die Papierzeitungen immernoch bei „Bild“ abschreiben. Das ist doch völlig ineffizient.

Der gläserne Spiegel

Vermutlich aus lauter Verzweiflung über schwindende Abonnentenzahlen, schickt der „Spiegel“, in letzter Zeit gerne auch „das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg“ genannt, seine Hefte schon unaufgefordert und kostenlos in unsere Redaktion.

Post aus Hamburg im durchsichtigen Umschlag
Post aus Hamburg im durchsichtigen Umschlag (Klick machts groß)

Die Aufmachung spricht Bände. Das Heft kommt mit einem persönlich adressierten Begleitschreiben, eingeschweißt in durchsichtige Folie. Das hat den Vorteil, daß man die Sendung gar nicht öffnen muß, um zu lesen, was der Verlag uns schreibt. So erfährt zum Beispiel jeder, durch dessen Hände der Umschlag geht, daß wir die Hamburger Alarmismuspostille vor kurzem abbestellt hatten. Von dieser Art des durchsichtigen Briefumschlags mit ungefaltetem Inhalt dürfte Wolfgang Schäuble noch träumen, sie für den Postversand verbindlich vorzuschreiben. Der „Spiegel“ läßt aus dem Traum bereits heute Wirklichkeit werden.

Jedenfalls schreiben die Herren Mascolo und Müller von Blumencron, daß sie noch zwei weitere Ausgaben schicken möchten und sehen darin eine Geschäftsbeziehung, die es rechtfertigen würde, uns auch noch telefonisch zu belästigen. Man möchte ja schließlich erfahren, warum wir das Blatt nicht mehr bestellen, heißt es. Offenbar vermag man sich in Hamburg nicht mehr daran zu erinnern, daß diese Frage bereits gestellt und auch beantwortet wurde.

Zur Erinnerung: „Es ist eine Schande, wie das Augsteinsche Sturmgeschütz der Demokratie sich zur Pressestelle von Angela Merkel heruntergeschrieben hat.“ Mit diesen Worten haben wir versucht, der freundlichen Dame vom der Abonnenten-Telefon zu erklären, warum es nichts mehr werden wird, mit dem „Spiegel“ und uns.

Man mag es als pluralistische Ausrichtung euphemisieren, wenn der „Spiegel“ abwechselnd Berichte über die Auswirkung von Mobilfunk bringt, die in der einen Ausgabe schwer gesundheitsgefährdend sein sollen, in der nächsten aber schon wieder völlig harmlos. Bei soviel Pluralismus bleibt dem Leser am Ende doch nur die Erkenntnis, daß man beim „Spiegel“ eben auch keine Ahnung hat, aber den Platz zwischen den Anzeigen vorsichtshalber trotzdem vollschreibt.

„Wir wollen auf Sie als Leser nicht verzichten“, ist ja eine nette Formulierung, die die beiden Briefschreiber von der Brandstwiete sich da abgezwungen haben. Ob es nicht doch eher der Verzicht auf 182,- Euro per Anno ist, der die Herren so sehr schmerzt?  Vermutlich war unser Abonnement nicht das einzige, gekündigte.

Zumindest glauben die beiden Chefredakteure, uns viel zu bieten zu haben. Zum Beispiel die Stirn, zu behaupten, „die großen Reportagen, die exklusiven Interviews und der investigative Journalismus sind seit jeher das Markenzeichen des SPIEGEL“.

Da lachen ja die Hühner. In den letzen Jahrzehnten hatte ja wohl kein hoher Amtsträger oder Wirtschaftsmagnat Grund den Montag zu fürchten, weil er der Nation dann vom „Spiegel“ als untragbarer und korrupter Dünnbrettbohrer derart vorgeführt würde, daß er nur mehr seinen Hut würde nehmen können.

Kein Wunder! In der Nummer 9 des „Spiegel“ gibt es gleich ein Kostprobe dafür, wo die investigativen Qualitätsjournalisten ihre Nasen (und wer weiß was sonst noch) hineinstecken: „Unternehmen Teppichluder“, kündet das Inhaltsverzeichnis von einem dreiseitigen Artikel auf Seite 62. Das Thema ist so, nun ja, heiß, daß im Inhaltsverzeichnis auch nocht Platz für ein Foto und folgenden Text zu finden war: „Sie ist zugleich Starlet, Geschäftsfrau und Markenartikel. Davorka Tovilo stolziert hauptberuflich über die roten Teppiche der Republik und zählt damit zum Personal einer Branche, die nach eigenen Regeln lebt: Schönheit ist das Kapital, produziert wird allein der Skandal — am besten durch Nacktheit.“ Die gibt es dann, wegen der Chronistenpflicht, auf dem Foto im Artikel zu bestaunen. So deckt man freilich nicht auf, wer mit wem prallgefüllte Schwarzgeldkoffer an Autobahnparkplätzen austauscht.

Den ersten Skandal gibt es aber schon auf Seite 43 im Beitrag „DNA-Fahndung im Kühlregal“. Ein Großlieferant für Fleisch soll statt der vorgeschriebenen wenigstens 50 Prozent, womöglich nur 20 bis 25 Prozent Rindfleisch in sein gemischtes Hack gerührt haben, wie manche Leute behaupten. Er bestreitet dies, die Polizei weiß es nicht. Vielleicht wird aber, je nachdem, trotzdem irgendwann Anklage erhoben oder vielleicht auch nicht. Sicher scheint nur: Hier hat die Redaktion eineindrittel Seiten Platz verschwendet, die die Anzeigenabzeilung viel besser hätte verwenden können.

Auf den linken zwei Dritteln der Seite 34 zankt sich Markus Feldenkirchen im (exklusiven?) Interview noch ein wenig mit Manfred Güllner, ob dessen Orakel von „Forsa“ mit seinen 18 Prozent für die FDP richtig liegen kann, wenn doch die „Forschungsgruppe Wahlen“ in ihrem Kaffesatz für die FDP gerade mal 12 Prozent zu finden vermag.

„Vieles hat Ihnen, wie wir hoffen, gefallen. Manchmal werden Sie sich auch geärgert haben, Wie könnte es auch anders sein.“ Ja, der „Hohlspiegel“ hat uns oft unterhalten. Der Grundsatz, Islamtitel schwarz zu hinterlegen, war praktisch. War es dunkel im Briefkasten, sah man sofort, es steht wieder eine Islamophie-Ausgabe ins Haus. Hin und wieder hatte sich auch mal ein interessanter Essay in die weite Ödnis des Hefts verirrt. Geärgert haben wir uns eigentlich nie. Eher legten wir ein ums andere mal ermattet das Heft zum Altpapier mit der von Auflage zu Auflage schwindenden Hoffnung, es würde ab der nächsten vielleicht besser werden.

Dabei fangen noch heute alle Artikel in etwa gleich an. „Donnerstagabend, kalt, aber trocken, die Geschäfte rund um die Münchner Bayerstraße machen gerade Feierabend …“ 1)Dialka Krahe, „Das Projekt Davorka“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.62ff, „Die Schlange geht um den halben Block, sie ist rund tausende Menschen lang. Viele haben tagelang gezeltet in der Innenstadt von Miami.“ 2)Thomas Schulz, „Tödlicher Kreislauf“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 68ff, „Da war es nochmal, am 15. Dezember: sein Lächeln. Das Alles-wird-gut-Lächeln. Das Thomas Middlehoff-Lächeln. Wie er bei der Bilanzpressekonferenz minutenlang die obere Zahnreihe blitzen ließ, da wirkte …“ 3)Jürgen Dahlkamp, Gunter Latsch, Jörg Schmitt, „Ein grandioses Geschäft“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09, S. 72ff, „Vollbärtig, braungebrannt und guter Laune kam Investment Banker …“ 4)Christoph Pauli, „Individuelle Anerkennung“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 89, „Die Religiösen mit langem Bart und ausladender Kopfbedeckung fuhren in großen Limosienen vor, wurden auf samtenen Fauteuils plaziert und von silbernen Tabletts bedient.“ 5)Susanne Koelbl , „Siegeszug der Taliban“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.104ff , „Es ist ein Trüber Februar in England, wieder ein Monat, in dem die Wirtschaft schrumpft und das Pfund schwächelt, wieder ein Monat in dem die Arbeitslosigkeit rekordschnell steigt.“ 6)Thomas Hüetlin, Mathieu von Rohr, „Land voller Angst“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.108ff, „Leicht gelblich, gleichsam einer Karotte wirkt seine Haut auf dem Foto in dem er mit offenem Hemdskragen die breite Stirn in Falten legt.“ 7)The Fellow Passenger, „Der gläserne Spiegel“, Fachmagazin für Halbwissen, 24.2.09

Gut, eigentlich hatten Herr Mascolo und Herr Müller von Blumencron nur darum gebeten, „selbst zu prüfen“, ob es ihnen gelingen würde, für uns „das Blatt noch spannender zu machen“ und nicht, ob etwas von Belang drinsteht. Vielleicht kommen als nächstes noch Horoskope, die Lottozahlen und Diätvorschläge dazu, um den „Spiegel“ endlich so „spannend“ zu machen, wie die anderen Illustrierten.

Quellen   [ + ]

1. Dialka Krahe, „Das Projekt Davorka“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.62ff
2. Thomas Schulz, „Tödlicher Kreislauf“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 68ff
3. Jürgen Dahlkamp, Gunter Latsch, Jörg Schmitt, „Ein grandioses Geschäft“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09, S. 72ff
4. Christoph Pauli, „Individuelle Anerkennung“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 89
5. Susanne Koelbl , „Siegeszug der Taliban“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.104ff
6. Thomas Hüetlin, Mathieu von Rohr, „Land voller Angst“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.108ff
7. The Fellow Passenger, „Der gläserne Spiegel“, Fachmagazin für Halbwissen, 24.2.09

Warum Staat und Kirche sich nicht trennen wollen

Möglicherweise hat das brustbehaftete Kanzlerwesen Merkel angenommen, wer die Mitgliedsbeiträge für die beiden größten deutschen Weltanschaungsvereinen eintreibt, könne dadurch diesen vorschreiben, welche Mitglieder sie aufnehmen dürfen und vor allem auch welche nicht. Ein peinlicher Irrtum, denn Merkel wurde zum Vereinsvorsitzenden der Katholischen Kirche, Joseph Ratzinger, gar nicht erst vorgelassen 1)„Merkel fordert Klarstellung vom Papst“, Tagesschau, 03.02.2009. Das verwundert nicht, denn weder trägt sie Röcke, wie es sich aus Sicht Josephs neuer Freunde geziemt, noch hat sie sich endlich von diesesen evangelischen Sektierern losgesagt, die die Stirn haben, den Pontifex nicht als als das weltliche Oberhaupt des gesamten Christentums anzuerkennen.

Da hätte das Merkel viel besser ihren Bundesinnenminister geschickt. Ratzinger hätte aus seiner Zeit in der er der Kongregation für die Glaubenslehre, der Nachfolgeorganisation der Römischen Inquisition 2)„Kongregation für die Glaubenslehre“, Wikipedia vorstand viel leichter Anknüpfungspunkte gefunden, bei einem Mann, der öffentlich erklärt, „Einen Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder freikommen“. So klingen die Worte eines überzeugten Großinquisitors. Da mag ihm verziehen werden, daß auch er evangelisch ist.

Nachdem es sich aber so nicht ereignet hat, wäre es mal wieder an der Zeit, zu überlegen, ob man in der Frage der Trennung von Kirche und Staat, nicht endlich reinen Tisch machen soll. Das, was der Artikel 4 des Grundgesetzes 3)Art. 4 GG, dejure.de verlangt. ist in Deutschland bei weitem nicht umgesetzt.

Nicht nur, wie eingangs erwähnt, sind die christlichen Kirchen die einzigen Weltanschauungsvereine, deren Mitgliedsbeiträge durch den Staat eingezogen werden. Moslems, Juden, Hindus, Buddhisten müssen also selbst sehen, wie ihre Glaubensklubs zu Geld kommen.

Auch hilft es einem rational denkenden Menschen nicht, einfach keine Kirchensteuer bezahlen zu müssen. Sobald er arbeitslos wird, wird sie ihm, „der Einfachheit halber“ trotzdem abgezogen.

Da Bischöfe zumindest in Bayern schon seit 1924 nicht über die Kirchensteuer bezahlt werden, sondern direkt aus der öffentlichen Hand, hat der Deutsche Bürger keine Wahl, als die Kirchen finanziell zu unterstützen. Mit völliger Selbstverständlichkeit verbreiten an unseren Schulen Religionslehrer den wahren, also christlichen Glauben, werden aber für ihre Missionarstätigkeit nicht von der Kirche bezahlt, sondern vom Kultusministerium.

Bei Ihrem Antrittsbesuch in Castel Gandolfo hat das Merkel dem Papst erzählt, „… dass wir eine europäische Identität in Form eines Verfassungsvertrages brauchen und … dass der Bezug auf das Christentum, der Gottesbezug aus unserer Sicht ein sehr wesentlicher Teil sein sollte“ 4)„Merkel zu Privataudienz beim Papst“, Tagesschau, 28.08.2006.

Diese Aussage macht deutlich, daß Staat und Kirche durchaus daran festhalten werden, gemeinsame Sache zu machen, solange es sich um den wahren und richtigen Glauben handelt und nicht etwa Islam, Judentum, Hinduismus oder Buddismus.

Kirche und Staat werden sich aber auch deswegen nicht entflechten lassen, weil Politiker und Kleriker einem gemeinsamen dogmatischen Denkmuster folgen. Es lautet: „Was gut und richtig ist, bestimme ich.“ Lästige Fakten, wie sie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages immer wieder herausarbeitet, dienen allein dafür, zu demonstrieren, mit welch moderner Milde man heute mit Ketzern umgeht. Die Gutachten und Gutachter werden nicht mehr am Scheiterhaufen verbrannt, sondern einfach ganz unblutig ignoriert.

Dabei würde sich ein Blick ins benachbarte Frankreich lohnen. Dort leben so viele Anhänger unterschiedlichster Glaubensrichtungen, daß unser Deutsches Modell dort unverzüglich scheitern würde. Der Laizistische Staat aber, hat sich in Frankreich längst bestens bewährt 5)„Laizismus in Frankreich'“, Wikipedia. Nachdem im Einwanderungsland Deutschland längst nicht mehr nur Christen die Mehrheit bilden, wäre es höchste Zeit, Frankreich in dieser Angelegenheit zu folgen.

Quellen   [ + ]

1. „Merkel fordert Klarstellung vom Papst“, Tagesschau, 03.02.2009
2. „Kongregation für die Glaubenslehre“, Wikipedia
3. Art. 4 GG, dejure.de
4. „Merkel zu Privataudienz beim Papst“, Tagesschau, 28.08.2006
5. „Laizismus in Frankreich'“, Wikipedia

Mit Internetsperren durch das Brett vorm Kopf

Man möchte sich regelmäßig erstaunen, wenn nicht gleich übergeben, wie die unerträglich geistlosen Regenten der Republik sich in die Bresche werfen, bewährte Gesetzgebung gegen irrationale, ja wahnwitzige Moraldoktrin zu ersetzen. Kaum einen Lebensbereich möchten die indolenten Kahlschläger der Demokratie verschonen.

Als hätte die Sozialhilfe vor ihrer Konversion zum ubiquitären Druckmittel gegen Arbeitslose und solche die es jederzeit werden könnten, je einem ein sorgloses Leben ermöglicht, geiferte schon 2006 Arbeitsminister Müntefering unter Schröder, „nur wer arbeitet, soll auch essen“ 1)Katharina Schuler, „Arbeiten fürs Essen“, Zeit Online, 10.5.2006. Eine Impertinenz für die sich jeder Wähler bis heute nur in Grund und Boden schämen kann, was freilich die damals Schröder noch wohlgesonnene „Bild“ zum Anlass nahm, Neid gegen die Armen zu schüren und dies bis heute weiter zu treiben 2)Autor nicht genannt, „Hartz-IV-Betrügerin zockte 30000 Euro vom Staat ab“, bild.de, 19.09.2008 als hätten sie etwas, um das man sie beneiden könnte. Daß Kindergeld von der Sozialhilfe abgezogen wird, erwähnt „Bild“ nicht.

Wie in die Enge getriebene Tiere, versuchen die Politkobolde von Berlin das was eben nicht möglich ist, mit sinnloser Gewalt zu erreichen. Wer keine Arbeit findet, soll gründlicher suchen oder verrecken. Wenn Arbeit für ein Auskommen nicht mehr reicht, soll es denen ohne Arbeit eben noch schlechter gehen, auf daß die prekär beschäftigten nicht unruhig werden sollen.

Wenn die bestehenden Gesetze schon nicht verhindern können, daß in der realen Welt hin und wieder Betrüger, Terroristen und Kinderschänder herumlaufen, kann man ja noch hirnrissigere fürs Internet erfinden und so tun, als lebten diese Leute allein im Internet. Weil die Aufgabe des Bankgeheimnisses die „abstrakte Bedrohungslage“ genausowenig abzuwenden imstande ist, wie dessen Umkehr und die Degradierung der Bankangestellten zu Erfüllungsgehilfen des Staats, musste eben beides her. Im Internet darf der Bürger dementsprechend kaum einen Mausklick wagen, ohne daß er dabei beobachtet wird.

Was Innenministern wie Familienministerinnen an der nicht nur abstrakten, sondern eingebildeten und vor allem eingeredeten Bedrohungslage am Meisten schätzen können, ist der Umstand, daß sie niemals enden wird. Unendlich ist folgerichtig der antidemokratische Irrsinn mit dem sie das Land überziehen und seine Bürger Zug um Zug ihrer Freiheit berauben.

Der neueste Coup kommt aus dem Ministerium von Ursula von der Leyen. Wie Schäuble vom Terrorismus, keift die Fruchtbarkeitsministerin von der an jeder Ecke lauernden Kinderpornographie und wie selbstverständlich verschwendet sie keinen Gedanken daran, dieser in der realen Welt etwas entgegenzusetzen. Als sei ein weltweiter Verbund von Computern die Wurzel allen Übels, soll nun durch die Pervertierung des Fernmeldegeheimnisses allen Bürgern eine technische Sichtblende aufgesetzt werden, auf daß die Päderasten unter ihnen nicht mehr sehen können, was dann aber ruhig unbehelligt weiter bestehen darf — gerne auch unter deutscher Jurisdiktion. Völlig neu ist der hysterische Aktionismus allerdings nicht, wie Alvar Freude 3)Alvar Freude, „jugendschutz.net, Moral und Medienkompetenz“, Blaster-Blog, 10.12.2007 bereits 2007 klar beschrieben hat. Nur wird er wie immer schlimmer.

Freilich ist dem noch paranoideren Nachfolger Schilys, Wolfgang Schäuble der generalverdächtigende Umgang mit den Bürgern noch nicht willkürlich genug. Als wäre der Begriff „Ermittlungsparagraph“, nicht schon für seine schiere Existenz beschämend genug, dekretiert er gerade munter weitere, als wären die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts nichts weiter als unverbindliche Empfehlungen für sorglose Zeiten. Dies tut er wiederum so sorglos, daß man sich nicht wundern würde, wenn er Heribert Prantl demnächst als querulatorischen Topgefährder überwachen ließe, der indessen, zwar kopfschüttelnd, aber völlig sachlich ausführt 4)Heribert Prantl, „Ein falscher Mausklick, und du bist ein Terrorist“, süddeutsche.de, 31.01.2009, warum Schäubles Umtriebe massiv gegen die Gewaltenteilung verstoßen.

Weil auch Wirtschaftslobbyismus eine Chance bekommen soll, an den Überresten der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu rütteln bis auch der letzte Putz von der Decke rieselt, glaubt Frau Zypries, sie müsse dem unerträglichen Gejammer eines Dieter Gorny Gehör verschaffen, der unverhohlen fordert, die Anbieter von Internetzugängen hätten zu überwachen, ob ihre Kunden vielleicht auch Daten aus dem Netz ziehen, die er stattdessen zum hundertsten mal verkaufen zu können halluziniert. Würden sie fündig, möchten die Anbieter doch so freundlich sein, ihre eigenen Kunden aus dem Netz zu sperren. Vielleicht hat die Telekom ja noch ein paar Kuvertiermaschinen im Keller stehen und will die Rechnungen lieber wieder mit der Post verschicken. Frau Zypries sagt, die Sperrung von Internetzugängen sei rechtlich problematisch und würde in Frankreich, wo sie ausgemachte Sache ist, für groben Ärger sorgen 5)Johnny Haeusler, „Exklusiv: Bundesjustizministerin Zypries zu Olivenne und Internetsperrungen“, spreeblick.com, 2.02.2009 und meint damit vermutlich, sie muß sich dafür erst ein paar neue Gesetze einfallen lassen und abwarten, bis die Franzosen sich damit abgefunden haben, auf ihre Rechte zu verzichten, ehe sie mit aller gebotenen Entschlossenheit rückhaltlos umfallen kann.

Ganz beiläufig, aus Gewohnheit und weil es langsam ohnehin schon egal scheint, alimentiert das Berliner Gruselministerkabinett möglichst jeden Multimilliardenpleiter, der sich nur als unfähig genug hervorhebt, seine größenwahnsinnigen Unternehmungen am Markt zu orientieren 6)Alexander Otto, „Glos stellt Schaeffler Sozialhilfe in Aussicht“, chefarztfrau.de, 31.01.2009  7)„Schaeffler – In der Rettungsfalle“, Financial Times Deutschland, 30.01.2009.

Die räuberische Wut der Legislative, egal ob ihr Kohl, Schröder oder Merkel vorsteht, kann sich der Entwicklung einer Zerstörungskraft rümen, die man sich ohne einen weiteren verlorenen Krieg, nicht hätte vorstellen wollen.

Quellen   [ + ]

1. Katharina Schuler, „Arbeiten fürs Essen“, Zeit Online, 10.5.2006
2. Autor nicht genannt, „Hartz-IV-Betrügerin zockte 30000 Euro vom Staat ab“, bild.de, 19.09.2008
3. Alvar Freude, „jugendschutz.net, Moral und Medienkompetenz“, Blaster-Blog, 10.12.2007
4. Heribert Prantl, „Ein falscher Mausklick, und du bist ein Terrorist“, süddeutsche.de, 31.01.2009
5. Johnny Haeusler, „Exklusiv: Bundesjustizministerin Zypries zu Olivenne und Internetsperrungen“, spreeblick.com, 2.02.2009
6. Alexander Otto, „Glos stellt Schaeffler Sozialhilfe in Aussicht“, chefarztfrau.de, 31.01.2009
7. „Schaeffler – In der Rettungsfalle“, Financial Times Deutschland, 30.01.2009