Presseecho

Als offizielles Mitglied im Medienverbund „Propaganda“ der geliebten Bundesregierung, hat das Fachmagazin für Halbwissen hier ein Pressecho über den erfolgreichen Start des neuen Informationsangebots zusammengestellt. Wir sind natürlich immer bestrebt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen zustimmenden und ablehnenden Reaktionen abzubilden. Leider fanden sich aber bisher noch keine hochqualitativen, beziehungsweise überhaupt negativen Stimmen. Wir bitten die Leserschaft um Nachsicht, oder besser Mithilfe.

[Update: noch sechs weitere, zwei davon sogar kritisch]

Von Politikverdrossenheit keine Rede

Das Propagandateam der geliebten Bundesregierung hatte mit allem gerechnet: Ein Sperrvermerk bei jugendschutzprogramm.de, der Einsatz der Streitkräfte im Inneren des Rechenzentrums des Webhosters, finaler Rettungsschuß auf den Großen Vorsitzenden oder die Deportation sämtlicher Beteiligter nach Guantanamo oder sogar Haspelmoor.

Das steht sicher alles noch bevor. Zunächst aber zeigte sich das Volk weit weniger politikverdrossen, als im Vorfeld durchgeführte Studien vermuten ließen. Der auf Hochleistung getrimmte Rechnerverbund der geliebten Bundesregierung wurde im ersten Ansturm vor lauter Liebe einfach überrannt. Mit einer solchen Zustimmung (100,17 Prozent) hatte selbst die geliebte Bundesregierung nicht gerechnet.

Im Namen des Propagandateams der geliebten Bundesregierung bedankt sich das Fachmagazin für Halbwissen bei all seinen Lesern für das rege Interesse!

Die geliebte Bundesregierung

In einem beispiellosen Kraftakt hat die geliebte Bundesregierung im Internet innerhalb kürzester Zeit ein Propagandagroßprojekt auf die Beine gestellt, daß ihre Regentschaft für die nächsten 1000 Jahre sicherstellen soll.

Für ihre größte Medienkampagne der deutschen Nachkriegsgeschichte hat die geliebte Bundesregierung die Creme versierter Propagandaexperten verpflichtet, unter der schmissigen Adresse http://die.geliebte.bundesregierung.in.der.schwatzbude.de/ dem Volk die billige und populististische Symbolpolitik der Koalition schmackhaft zu machen.

Dank der erfahrenen Medienprofis von elementarteile.de, fellowpassenger.dehartz4all.de, pantoffelpunk.de und zenzizenzizenzic.de, vermag die Legislative erstmals, Inhalte in einer technisch korrekten Form anzubieten. In der offiziellen Pressemitteilung der geliebten Bundesregierung heißt es über die Website:

Diese ist nicht nur in validem XHTML 1.0 Strict und CSS level 2.1 geschrieben, sondern wird auch von einem sorgsam ausgewählten Propagandateam aus versierten Internetexperten betreut,die schon viele Jahre die gerechte, weise und gute Politik der geliebten Bundesregierung unterstüzen.

Neben richtungsweisenden Umfrageergebnissen zu schamlosen Suggestivfragen kann der Wähler durch geschicktes Buchstabenraten bei einem Onlinespiel eine Dame vor dem Galgen retten. Geheimtip: Die Buchstaben Q, Y und X werden in gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen als besonders wirkungsvoll beschrieben.

Wer im „Superwahljahr“ 2009 nicht vor hat, auszuwandern, kommt an der geliebten Bundesregierung auf keinen Fall vorbei.

Du bist Schmeißfliege

Die renommierte Werbeagentur KemperTrautmann, allerdings in Vergessenheit geraten für eine Imagekampagne, die Schland weniger ekelhaft erscheinen lassen sollte, als es und die Agentur sind, soll dem Studienabsolventen Alexander Lehmann eine Abmahnung angekündigt haben, für den Fall, daß er die Domain dubistterrorist.de, auf der er seine Abschlußarbeit zeigt, nicht dicht macht 1)Das schreibt zumindest netzpolitik.org. Alexander Lehmann erwähnt in seinem Blog bislang nichts davon.

Angeblich würde der Name der Domain und der dort gezeigte Inhalt an einen Slogan erinnern, an den sich weder KemperTrautmann, noch sonstwer erinnern kann und offensichtlich so peinlich war, daß KemperTrautmann verhindern will, daß er überhaupt je wieder jemandem einfällt.

[Update:] Alexander Lehmann, hat die Angelegenheit bestätigt und sich mit der Werbeagentur gütlich geeinigt.

Quellen   [ + ]

1. Das schreibt zumindest netzpolitik.org. Alexander Lehmann erwähnt in seinem Blog bislang nichts davon.

Anlageoptimierung in der Krise

Endlich ist ein Ausweg aus der Krise gefunden, der ihre Verursacher, die verflixten Kleinsparer, zur Verantwortung zieht und die Großgrundbesitzer entschädigt: Negative Zinsen! Zunächst mag Ihnen das etwas verwirrend erscheinen. Sie werden aber schnell die Vorzüge zu schätzen lernen. Das Fachmagazin für Halbwissen hat für Sie herausgefunden, wie Sie der Wirtschaft am Besten helfen, und dabei sogar ganz einfach Ihre Lebensqualität steigern können:

  1. Eignen Sie sich einen ausschweifenden Lebensstil an, um Ihr Konto zu überziehen.
  2. Kündigen Sie eventuell vorhandene Dispo-Kredite, um von höheren Zinsausschüttungen zu profitieren.
  3. Nutzen Sie Ihre Schulden als Eigenkapital für einen Kredit zum Kauf von Immobilien, z. B. Villenviertel in Ballungsgebieten.
  4. Bezahlen Sie Mieter der Immobilien großzügig für deren Nutzung.
  5. Meiden Sie jegliche Erwerbstätigkeit.

[Update] Eindeutiger Befund der verehrten Frau Chefarztfrau: „Pekuniäre Antimaterie„.

Zensurpropaganda 2.0

Schön, daß Frau von der Leyen mittlerweile A-Blogs als Multiplikatoren wahrnimmt und mit personalisierter Ministerialreklame versorgt. Diskutanten bittet der dortige Hausherr, dem hohen Besuch mit Milde zu begegnen, damit die nützliche Verbindung zur hochwohlgeborenen Textbausteinsammlung nicht vorzeitig abreisst. Neue oder gar stichhaltige Argumente für Zensur werden wohl auch dort nicht aufkommen.

Seriöser protestieren

Gerne unterstützen wir weiterhin die Kampagne gegen Internetverstümmelung von Patrick G. Stoesser, der ganz hervorragende Stopp-Schilder zum Mitmachen anbietet.

Schweren Herzens haben wir uns nun dennoch auf unsere originäre Pflicht besonnen, seriöses Halbwissen in tradiert humorbefreiter Weise zu präsentieren, weshalb wir ab sofort oben links (warum auch immer gerade dort) den Ursula-von-der-Leyen-Fan-Club zu Wort kommen lassen.

Ehe Sie sich darüber beklagen, beteiligen Sie sich bitte lieber zuerst an der Petition gegen Internetsperren. Wissen Sie nicht, worum es geht, lesen Sie jetzt sofort dort weiter.

Tun Sie was für Ihre Freiheit!

Nicht nur für Juristen, sondern für jeden, der in Deutschland lebt ist das in letzter Zeit arg geschundene Grundgesetz eine Pflichtlektüre. Jeder Bürger darf es sich kostenlos bei der Bundeszentrale für Politische Bildung bestellen. Das geht auch online und zwar hier: Bundeszentrale für Politische Bildung. Zum aktuellen Thema empfiehlt es sich, insbesondere den Artikel 5 1)Art. 5 GG, gesetzeiminternet.de zu lesen. Der steht nämlich, durch den konzertierten Vorstoß Ursula von der Leyens, Simone Brigitte Zypries‘ und Karl-Theodor von und zu Guttenbergs, auf dem Spiel.

Daß dieses wohlfeile, zum Abwinken populistische Gesetzesvorhaben keinen einzigen Fall von Kindesmißbrauch verhindern kann, liegt auf der Hand. Gesperrt werden sollen Webangebote, die Bilder solcher Verbrechen zeigen. Die Sperrung durch das Bundeskriminalamt kann zwangsläufig erst erfolgen, wenn der Mißbrauch bereits geschehen ist.

Aber es kommt noch schlimmer: Die Anbieter solchen Materials werden nicht verfolgt, sondern sogar geschützt. Hier entsteht nicht Kinderschutz sondern Täterschutz. Werden solche Angebote versteckt, existieren Sie im Verborgenen weiter, unbehelligt von Opferschutzvereinen und Strafverfolgungsbehörden. Das Problem wird nicht gelöst, sondern bewahrt.

Wenn denn das Problem tatsächlich überhaupt die Dimensionen aufweist, wie von den Sperrbefürwortern immer wieder angegeben wird. Ein Gastkommentar auf Alvar Freudes „Odem Blog“, kommt bei der Suche nach den Quellen für diese unglaublichen Zahlen zu dem Schluß, daß sie nicht einmal ansatzweise stimmen können 2)Anonym, „incompetence not in danger„, blog.odem.org, 01.05.2009.

Der Heise-Verlag weist darauf hin, daß die ganze Aktion kaum wirklich im Interesse des Schutzes von Kindern vor Mißbrauch sein kann 3)Holger Bleich, Axel Kosse, „Verschleierungstaktik„, c’t 9/09.

Ob beabsichtigt oder nicht, würde das Gesetz den Aufbau einer übermächtigen Infrastuktur zur Zensur des Internet zur Folge haben, die für alle möglichen unerwünschten Internet-Inhalte Anwendung finden würde. Dies alles völlig unbemerkt und unkonrollierbar, weil die Sperrliste Geheimsache ist, und die Exekutive allein darüber befindet, was auf dieser Liste stehen soll.

Alle von Frau von der Leyen genannten Länder die sie als Vorbilder betrachtet haben entweder durch öffentlich gewordene Sperrlisten, oder Aussagen der zuständigen Beamten, bereits deutlich gemacht, daß diese Filter nicht ansatzweise hilfreich sind. Im Falle der durchgesickerten Listen, zeigte sich vor allem, daß die überwiegende Mehrzahl der Eintäge keine Angebote mit pädokriminellem Material betrafen.

Schon längst fordern Lobbygruppen, diesen Sperrmechanismus für Ihre eigenen Interessen nutzen zu dürfen. Alle strengen Kontollmechanismen haben in der Vergangenheit mehr als deutlich gemacht, daß es nie bei einem eng umgrenzten Anwendungsfall bleibt. Statt einigen Dutzend Telefonüberwachungen wurden allein im letzten Jahr in Berlin 1,1 Million abgehörte Gespräche. Längst wird das außschließlich zur Abrechnung der LWK-Maut gedachte Toll-Collect-System zur Strafverfolgung eingesetzt, obwohl dies bis zur Einführung kathegorisch ausgeschlossen wurde. Ein System das zum Mißbrauch einlädt, wird immer mißbraucht.

Insgesamt verstößt das Sperr-Vorhaben gegen das Recht auf Informationsfreiheit und gegen das Gebot der Gewaltenteilung. Damit ist es eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Damit es soweit erst gar nicht kommt, Zeichnen Sie die Petition „Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten„. Nehmen Sie sich jetzt gleich die 5 Minuten Zeit, sich auf der Petitonsseite des Deutschen Bundestags zu registrieren, anzumelden und die Petition mitzuzeichnen. Selbst wenn Sie normalerweise nie zum Wählen gehen. Es ist wirklich wichtig.

Quellen   [ + ]

1. Art. 5 GG, gesetzeiminternet.de
2. Anonym, „incompetence not in danger„, blog.odem.org, 01.05.2009
3. Holger Bleich, Axel Kosse, „Verschleierungstaktik„, c’t 9/09

Die zensierte Strumpfhose

Nicht daß ich den Kollegen von „Nerdy Room“ 1)Willi, „Strumpfhose“, Nerdy Room, nrtm.de, 03.05.2009 nicht glauben würde. Dennoch mußte ich es mit eigenen Augen sehen, wie Microsofts Suchmaschine „Live Search“ mit dem Suchbegriff „Strumpfhose“ umgeht 2)„Strumpfhose“ bei Microsoft Live Search“, 03.05.2009. Tatsächlich wird die Suche mit der lapidaren Bemerkung abgelehnt,

„Der Suchbegriff strumpfhose führt möglicherweise zu sexuell eindeutigen Inhalten.“

Die Suche nach Damenunterbekleidung hält der Betreiber allerdings für statthaft. Wer nach „Damenunterwäsche“ gugelt Live-Searcht 3)„Damenunterwäsche“ bei Live Search, 03.05.2009 ist nach Ansicht des Betreibers moralisch besser gefestigt, als der Strumpfhoseninteressent. Sogar so stark, daß im sogleich eine Werbeanzeige mit der Überschrift „Sexy Unterwäsche“ von Schwab präsentiet wird, die man aber direkt nicht finden könnte, weil „Sexy“ ja wieder „zu möglicherweise eindeutig sexuellen Ergebnissen“ führen könnte.

Da hat das Complience Department aus Redmont ja ein höchst interessantes Geschäftsmodell für seine Werbekunden entdeckt. Die werden vor Begeisterung gar nicht mehr an sich halten können.

Aber auch Herr Gugel zensiert ja schon seit vielen Jahren, ahand von geheimen Filterlisten. Eine Suche nach „BME“ 4)„BME“, google.de, 4.5.2009 zeigt unter den Surchergebnissen, daß mehrere Ergebnise „aus Rechtsgründen“ nicht angezeigt würden. Der dazu angebotene Link spricht davon, daß eine in Deutschland „zust?ndige Stelle[sic]“, die zurückgehaltenen Treffer als illegal gemeldet habe. Bemüht man die US-Version der Suchmaschine mit einer analogen Suche 5)google.com, „BME“, 03.05.2009 zeigt sich, daß das Body Modifikation-EZine ins Fadenkreuz der deutschen Zensurbehörde geraten ist. Auch wenn diese namentlich nicht genannt wird, darf man wohl stark annehmen, daß die gute alte Bundesprüfstelle für jugendgefährdene Medien dahinter steht, die ja schon seit vielen Jahren mit geheimen Filterlisten arbeitet. Nur nicht ganz so plump.

Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung hat ihren Höhepunkt längst überschritten. Wie die Wirtschaft auf Wachstum angewiesen ist, ist auch die Justiz darauf angewiesen, daß es immer mehr Gesetze, mehr Gerichte und größere Gefängnisse gibt. Ideologien in Gesetze einzubauem und die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung zu beseitigen, ist also die einzig logische Konsequenz. Die zensierte Strumpfhose ist nur ein Vorgeschmack auf die schöne neue Welt der Frau von der Leyen.

Wenn das Bundesverfassungsgericht, dem Vertrag von Lissabon seinen Segen gibt, wird es ab dann nicht mehr zuständig sein, darüber zu entscheiden, ob ein Gesetz verfassungskonform ist 6)Heribert Prantl, „Auf zum letzten Gefecht — diesmal in Karlsruhe“, sueddeutsche.de, 23.05.2008, obwohl es gerade in den letzen Jahren wichtiger war, als selten zuvor.

Quellen   [ + ]