Franz Josef Jung und der Benzinkannister

FP: Herr Jung, die NATO geht davon aus, daß bei dem kürzlich durch die Bundeswehr erfolgten Bombardement auf zwei Tanklastwägen in Afghanistan 125 Menschen getötet wurden. Wenigstens 24 Opfer sollen Zivilisten gewesen sein. Die Bundeswehr kommt dagegen auf völlig anderen Zahlen.

Jung: Die NATO versucht hier das deutsche Engagement in Kunduz schlechtzumachen. Diese Behauptungen sind eine bodenlose Frechheit.

FP: Sind die deutschen Streitkräfte nicht ein Teil der NATO?

Jung: Natürlich. Allerdings sind die USA und England neidisch, daß wir bisher so wenige Verluste erlitten haben. Jetzt haben wir endlich mal hart durchgegriffen, aber wieder keine Soldaten verloren. Das nehmen die uns jetzt übel.

FP: Kann man denn im Kriegsnebel überhaupt so genau feststellen welche Absichten die einzelnen Toten eines Bombenangriffs hatten, als sie noch lebten?

Jung: Zuersteinmal muß ich etwas richtigstellen: Wir führen in Afghanistan keinen Krieg. Deswegen kann es auch keinen Kriegsnebel geben. Wir bomben in Frieden. Sie kennen vielleicht den Film „Mars Attacks“.

FP: Ja, den kenne ich. Aber wie unterscheidet nun der deutsche Soldat in Afghanistan Aufständische von Zivilisten?

Jung: Ganz einfach: Zivilisten tragen keine Gewehre.

FP: Khazan Gul erwähnte in einer Sendung auf Phoenix, daß in Afghanistan jeder ein Gewehr zuhause hätte.

Jung: Diesen Taliban darf man kein Wort glauben. Es ist bedauerlich, daß solchen Terroristen auch noch im Fernsehen ein Forum erhalten.

FP: Eigentlich ist Khazan Gul ein in Deutschland lebender Hochschullehrer, der sich für den Bau von Schulen in Afghanistan einsetzt und außerdem Patschune ist.

Jung: Interessant. Haben Sie zufällig genaue Geokoordinaten seines augenblicklichen Aufenthaltsorts?

FP: Zufällig nicht.

Jung: Vielen Dank für dieses Gespräch!

FP: Hey, das war mein Part! Außerdem habe ich noch ein paar Fragen, weil …

Jung: … so kann’s gehen. Hasta la vista, babe!

FP: Okay, okay. Alles klar. Ganz wie sie wünschen. Bitte stecken Sie nur dieses Ding wieder weg.

Jung: Sie wird inwischen wieder in Israel gefertigt.

FP: ?

Jung: Nach amerikanischen Plänen. Leider passen bei dem Modell für  .50 Action Express nur 7 … aber was geht Sie das an? Ein solches Schmuckstück ist natürlich nichts für den einfachen Soldaten. Haben Sie gedient?

FP: Ich wurde ausgemustert. Ein altes Kriegsleiden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich gerne verabschieden, Herr Jung. Vielen Dank nochmal.

Jung: Abtreten!

FP: Zurücktreten.

Jung: Wie?

FP: Nichts. Wiederschaun.

Charme-Offensive der Jako AG

Die Jako AG, ein Sportbekleidungshersteller aus Mulfingen sieht durch die Kritik des Kleinblogs „Trainer Baade“ aus Duisburg ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet. „Trainer Baade“ ist offenbar vom neuen Firmensignet der Jako AG nicht so recht überzeugt und hält das Unternehmen für eines, das große Stückzahlen qualitativ einwandfreier Produkte zu einem günstigen Preis anbietet. Diese Meinung schrieb er in sein Blog. Die durch das Unternehmen eilends eingeschaltete Mediatorin Iris Sanguinette der Kanzlei „Horn & Kollegen“ aus Neckarsulm kam zügig zu der Auffassung, daß freundliche Worte ihre Mandantin nicht vor dem wirtschaftlichen Ruin würden retten können und mahnte ab.

„Trainer Baade“, gar nicht auf Ärger aus, löschte den als „Schmähkritik“ gerügten Blogeintrag unverzüglich und unterschrieb eine Unterlassungserklärung. Immerhin bietet das Blog unsinnigerweise fußballfeldgroße Angriffsflächen, weil es Werbebanner zu Anbietern von Fußballdevotionalien verlinkt.

Die Werbeeinnahmen dürften allerdings kaum genügen, um auch nur die paar Eurofünfzig Kosten für Webhosting einzuspielen. Das Blog hätte für die Jako AG allenfalls eine Gelegenheit sein können, ganz gefahrlos vor kleinem Publikum ihr neues Corporate Design zu erklären.

Offenbar gehört zu einer gelungenen anwaltlichen Mediation aber die vollständige Vernichtung der Gegenpartei als Ziel. Die geht heute so:

Entweder die Jako AG oder die Kanzlei hat eine Website gefunden, die automatisch von Hinz und Kunz und eben auch „Trainer Baade“ die Inhalte klaut und selbst wieder veröffentlicht. Damit, so findet die Jako AG, verstößt „Trainer Baade“ gegen die zuvor abgepresste Unterlassungserklärung. Folglich soll der Blogbetreiber auch noch dafür einstehen, daß irgendwer, vermutlich ungefragt, seinen Text kopiert hat.

Am Ende wird die Jako AG vielleicht feststellen, daß kleine Kritiker zu massakrieren der Marke mehr schadet, als der Werbeetat je bringen kann. Wenn die Jako AG schlau ist, wartet sie nicht darauf, daß Frau Sanguinette aus dem Urlaub zurückkommt, sondern glättet die Wogen selbst, ehe es zu einem PR-GAU kommt.

Suchmaschinen assoziieren die Jako AG schon jetzt mit ALDI und LIDL (was wohl nicht gewünscht war) und führen zu Anmerkungen, die es ohne die „Mediation“ durch Horn & Kollegen kaum hätte geben können:

pepilog.de
allesaussersport.de
niveau-ist-keine-creme.de
www.phase-5.net
www.ruhrbarone.de
www.eintracht.de

Das ist nur ein Auszug der ersten zehn Treffer bei Google zum Suchbegriff „aldi lidl jako„. Die anderen 107.000 Artikel zum Thema haben wir uns nicht angesehen. Wir sind das Fachmagazin für Halbwissen und nicht das Statistische Bundesamt.

[Update] Gegenüber ruhrbarone.de räumte die Pressestelle von Jako ein, daß sie ihrem Unternehmen eigentlich gar nicht schaden wollten und auch nicht so recht verstünden, was eigentlich los ist. Deswegen würden Sie vielleicht demnächst notfalls selber mit „Trainer Baader“ in Verbindung treten.