{"id":110,"date":"2005-07-05T20:58:16","date_gmt":"2005-07-05T18:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/110"},"modified":"2005-07-05T20:58:16","modified_gmt":"2005-07-05T18:58:16","slug":"freude-am-fahren-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=110","title":{"rendered":"Freude am Fahren IV"},"content":{"rendered":"<p>Heute fuhr ich einen Film zum Flughafen, Cargo-Terminal. Eine sehr eigene Landschaft. Ein riesiges Geb\u00e4ude, rundum mit einer Laderampe bewehrt und von hunderten von LKW belagert. Alle hundert Meter ragen gewaltige silberne T\u00fcrme auf, die Buchstaben tragen. Ich soll zu &#8222;D&#8220;, wo die Spedition ihren Sitz hat. Der Name der Spedition steht nicht an der T\u00fcre.  Ich frage einen Herrn im Blaumann, der sehr freundlich ist, aber mir nicht helfen kann. Ich rufe meinen Kollegen Max an, der wei\u00df es: 3. Stock, linker Gang, dort steht es dann auch an der T\u00fcr, sagt er. So ist es. Im Geb\u00e4ude sind die Leute freundlich. Sie gr\u00fc\u00dfen mich, halten mir T\u00fcren auf. Auf dem Boden sitzen drei Putzfrauen, die sich \u00fcber Preise in t\u00fcrkischen Gesch\u00e4ften unterhalten.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg stehe ich im Stau. Fast die ganze Strecke von der Richard-Strau\u00df-Stra\u00dfe bis Neufarn ist eine einzige gewaltige Baustelle.  Es regnet und ich beginne die Vorz\u00fcge eines automatischen Scheibenwischers zu sch\u00e4tzen. Immer wenn ich einen LKW passiere, wird er schneller. Ich erfahre, da\u00df eine andere Kopie zur\u00fcck ins Kopierwerk und zwei weitere in ein Filmlager im Westend m\u00fcssen. Der erste Film ist eilig, deswegen fahre ich vom Lager in Giesing zuerst nach Schwabing und erst dann ins Westend. Unterwegs bekomme ich bescheid, da\u00df ich bis Donnerstag den Wagen tauschen mu\u00df. Der 5er mu\u00df zur\u00fcck, ich bekomme einen 3er. Ich freue mich schon, denn der 3er ist eine kleine Rakete. Er ist leichter und hat eine st\u00e4rkere Maschine. Ich soll den Wagen vor dem Tausch saugen und bescheid sagen, bevor ich ihn bringe. Ich gestehe bei der Gelegenheit, da\u00df ich in der Tiefgarage vom MaxX einen veritablen Kratzer in die Sto\u00dfstange gefahren habe und werde gebeten, den im Handschuhfach befindlichen Schadensbericht auszuf\u00fcllen. Ich kreuze an: Verletzte Insassen: Nein. Tote Insassen: Nein. Alkoholeinflu\u00df: Nein. Offenbar hat man mit dem schlimmsten gerechnet.<\/p>\n<p>Vor der Parkgarage in der Frauenstra\u00dfe kann ich Sie nur eindringlich warnen, liebe Leser! Nicht nur, da\u00df Sie ab der ersten Sekunde 2,50 Euro bezahlen m\u00fcssen, wenn Sie ihr Arbeitgeber nicht mit einer Dauerkarte ausgestattet hat. Viel schlimmer ist, da\u00df an den unglaublichsten Stellen Betons\u00e4ulen aus dem Nichts auftauchen und sofort Ihr Fahrzeug attackieren. Gerade hatte ich eine S\u00e4ule umfahren, als einen halben Meter daneben und nach hinten versetzt eine zweite aus dem Schatten trat. Die sieht man nicht, man h\u00f6rt sie nur.  Wie zum Hohn piepte nach dem Knall die Einparkhilfe.<\/p>\n<p>Der Hof des Filmlagers im Westend, ist eine Ansammlung von Asphalt mit Schlagl\u00f6chern und kiesdurchsetztem Schlamm. Mit der Sackkarre kommt man nicht in die Lagerhalle. Entweder f\u00e4hrt man einen LKW mit Hebeb\u00fchne, oder tr\u00e4gt die Kopien die Treppe hinauf. Zum Gl\u00fcck sind es nur Sechsakter.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im B\u00fcro in der Sonnenstra\u00dfe bekomme ich ein B\u00fcndel Umschl\u00e4ge mit Videokassetten, die teils zum Bayerischen Fernsehen und teils nach Schwabing sollen. Ein Umschlag mu\u00df nach Bogenhausen. Dort fahre ich zuerst hin. An der auf dem Umschlag angegebenen Adresse finde ich eine Villa an der sich nicht nur kein Firmenschild befindet, sondern nicht einmal ein Name auf der Klingel. Niemand \u00f6ffnet. Ich bitte bei der Disposition nachzufragen, wann man dort jemanden antreffen kann und fahre weiter zum BR nach Freimann. Ich frage an der Pforte, wo sich die adressierte Redaktion befindet:<\/p>\n<p>&#8222;Das ist in Haus 12. Was m\u00f6chten Sie dort?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe etwas abzugeben.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Sind sie Kurier?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Haben Sie auch ein Auto dabei?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Dann schreibe ich Sie gleich mal auf. Ist das da ihr Wagen?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Waren Sie schon mal hier?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja, aber nur in Haus 1.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Dann fahren sie einfach geradeaus, durch die Unterf\u00fchrung. Haus 12 ist dann auf der rechten Seite.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Danke.&#8220;<\/p>\n<p>Merke: Wer sich zu Fu\u00df zur Pforte begibt, gilt als verd\u00e4chtig. F\u00e4hrt man mit dem Auto vor, machen sie einfach die Schranke auf und verzichten auf ein Verh\u00f6r.<\/p>\n<p>Die Filmproduktion in Schwabing ist lustig. Am Empfang will man den Umschlag zun\u00e4chst entgegennehmen. Als sich herausstellt, da\u00df der Empf\u00e4nger daf\u00fcr selbst unterschreiben soll, weist man mir den Weg in sein B\u00fcro (die Treppe runter, 2. T\u00fcr links). An der zweiten T\u00fcr hei\u00dft es weiter zur dritten. Aus der dritten ruft man mir zu, eine T\u00fcr weiter. Dort ist aber niemand. Etwas ratlos stehe ich herum. Von gegen\u00fcber kommt eine Dame und fragt ob sie helfen kann. Ich entgegne, ja, ich suche Herrn Soundso. Sie f\u00fchrt mich zur\u00fcck zur dritten T\u00fcr, wo Herr Soundso an seinem Schreibtisch sitzt, der mich gerade weitergeschickt hatte. Als er sieht, da\u00df es die Betacam-Kassette vom Filmfest ist, freut er sich sichtlich und bedankt sich. Ich bitte ihn um seine Unterschrift. F\u00fcr das Datum mu\u00df er seine Sekret\u00e4rin fragen. &#8222;Na, jetzt habe ich es doch geschafft&#8220;, meint er. Wir lachen. Die Sekret\u00e4rin sagt, &#8222;Nomalerweise machen Sie das ja nicht&#8220; und blickt mich leicht vorwurfsvoll an. Ich bedanke mich und gehe.<\/p>\n<p>Die Auslieferung des letzten Pakets bringt einige H\u00fcrden mit sich. Amalienstra\u00dfe. Das ist an sich schon Mist, weil sich die Autos dort \u00fcblicherweise in zweiter und dritter Reihe stapeln. Ich habe Gl\u00fcck und finde einen freien Platz in zweiter Reihe neben zwei W\u00e4gen, die zwischen zwei Einfahrten parken. Ich stelle den BMW so hin, das beide raus k\u00f6nnen. Links ist ausreichend Platz , selbst f\u00fcr einen LKW. Leider ist der Angegebene Name auf keiner der vielen Klingeln zu finden. Ich sehe im Hinterhaus nach. Dort sind noch mehr Klingeln. Der Name taucht auf, aber der Vorname passt nicht. Au\u00dferdem bezieht sich die Adresse eindeutig auf das Vorderhaus. Ich beschlie\u00dfe bei der Disposition nachzufragen. Zuerst m\u00f6chte ich aber den Wagen woanders unterbringen. Aus gutem Grund. Schon steht ein Herr in gr\u00fcner Uniform davor und schreibt das Kennzeichen ab. Er ist ausgesprochen freundlich, aber meiner Argumentation, da\u00df gerade an dieser Stelle ja eben niemand behindert wird v\u00f6llig unzug\u00e4nglich. Er meint, ich sollte den Wagen, wenn ich schon keinen Parkplatz suchen will, doch lieber in eine Einfahrt stellen. Dort w\u00fcrde ich wenigstens nur einen behindern. Ich halte das insgeheim f\u00fcr ausgemachten Bl\u00f6dsinn, aber wenn das billiger ist, werde ich das zuk\u00fcnftig so handhaben. Immerhin kosten diese 3 Minuten freundlicher Beratung 20 Euro! F\u00fcr mich bedeutet das, da\u00df ich fast drei Stunden umsonst gefahren bin.<\/p>\n<p>Angeblich stimmt die Adresse. Vielleicht habe ich die richtige Klingel \u00fcbersehen. Morgen mu\u00df ich also nochmal hin. Vielleicht fahre ich vor Dienstantritt mal mit dem Fahrad hin. Mit dem Auto ist mir das zu teuer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute fuhr ich einen Film zum Flughafen, Cargo-Terminal. Eine sehr eigene Landschaft. Ein riesiges Geb\u00e4ude, rundum mit einer Laderampe bewehrt und von hunderten von LKW belagert. Alle hundert Meter ragen gewaltige silberne T\u00fcrme auf, die Buchstaben tragen. Ich soll zu &#8222;D&#8220;, wo die Spedition ihren Sitz hat. 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