{"id":111,"date":"2005-07-15T02:58:26","date_gmt":"2005-07-15T00:58:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/111"},"modified":"2005-07-15T02:58:26","modified_gmt":"2005-07-15T00:58:26","slug":"reis-und-fisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=111","title":{"rendered":"Reis und Fisch"},"content":{"rendered":"<p>Als ich gestern nichts zu tun hatte, fasste ich den Entschlu\u00df, vom Angebot eines japanischen Lokals gebrauch zu machen, das darin bestand, da\u00df man mittags f\u00fcr 9,90 Euro so viel speisen darf, bis man nicht mehr kann.<\/p>\n<p>Auf einem langen Flie\u00dfband zogen eine Vielzahl an H\u00e4ppchen an mir vorbei, denen nicht immer anzusehen war,  welcher Natur sie waren. Rohen Fisch gab es nur als Sushi, das hei\u00dft in oder auf ges\u00e4uertem Reis.  Sashimi, also roher Fisch ohne weiteres Beiwerk fuhr an den Tischen nicht entlang. Zur Vorbereitung go\u00df ich ein wenig Soja-Sauce in ein auf dem Tisch vorhandenes Sch\u00e4lchen, entzweite die St\u00e4bchen aus Bambus und ergriff eine vorbeigleitende Schale mit eingelegtem Ingwer.<\/p>\n<p>Als ein winziger Teller mit gr\u00fcnen Streifen offenbar pflanzlicher Herkunft auf mich zu kam, konnte ich nicht widerstehen und griff zu. Es war mit einigen Sesamk\u00f6rnern garniert und von fester Konsistenz. Eine Art Salat, der meine Zunge mit einem leichten Geschmack von Meerwasser umspielte. Ich lie\u00df einige Portionen Gem\u00fcse mit Krebsfleischimitat vor\u00fcberziehen und hielt nach Wasabi Ausschau. Es kam mir ein St\u00fcck Tintenfisch zuvor, da\u00df sich mit Brokoli in einer br\u00e4unlichen Marinade befand, die zugleich s\u00fc\u00df und w\u00fcrzig schmeckte. Das Gem\u00fcse war f\u00fcr mein Empfinden etwas zu weichgekocht, aber durchaus schmackhaft.<\/p>\n<p>Der Wasabi kam, entpuppte sich jedoch als gr\u00fcn gef\u00e4rbter Meerrettich, der aber sehr \u00e4hnlich schmeckt. Weiterhin kein Sashimi, aber daf\u00fcr Maki-Sushi (die Rollen) mit Lachs, Thunfisch und Rettich (auch Surimi).<\/p>\n<p>Zwischendurch fand ein Streifen gebratenes H\u00fcnerfleisch in Sesamk\u00f6rnern den Weg zu meinem Gaumen, dem kurz darauf einige Scheiben s\u00fc\u00df-sauer angemachter Gurke Freude bereiteten. Die Tempura-Spezialit\u00e4ten lie\u00df ich mit einigem Argwohn passieren. Sie sahen zu sehr nach Sushi-Rollen aus, die aus irgendeinem Grund unter einem Teigmantel verborgen werden mussten.<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich stand mir der Sinn nach einer Miso-Suppe, der allerdings vier Miesmuscheln die unter einer nicht n\u00e4her definierbaren Marinade gl\u00e4nzten zuvor. Weil die an ihre Schale angewachsen sind, konnte ich sie mit St\u00e4bchen allein nicht extrahieren, weshalb ich in einem Moment in dem ich mich unbeobachtet glaubte, die Finger zuhilfe nahm, um die Schale festzuhalten. Gelohnt hat es sich kaum, hatte ich doch schon bessere Muscheln gegessen. Eingedenk der Jahreszeit vermute ich, sie waren aus der Konserve.<\/p>\n<p>Nach der Suppe verleibte ich mir ein Yakitori-Spie\u00dfchen (Huhn) ein, das inzwischen viermal an mir vorbeigefahren war und entsprechend schon ein wenig trocken war. Da brauchte es einige Schnitze sauer eingelegten Rettich mit Karotte und Huhn mit Pilzen in Marinade hinterher.<\/p>\n<p>Nach einer Verschnaufpause schnappte ich mir einen s\u00fc\u00dfen Teigball mit vereinzelten Sesamk\u00f6rnern und einer rotbraunen F\u00fcllung, von der ich nicht im Geringsten ahne, aus was sie bestand. Danach vertilgte ich eine gebackene Scheibe Anananas war satt und dachte mir,  es wird Zeit, sich die japanische K\u00fcche aus der Sicht des Kochs zu erschlie\u00dfen. Der Restaurantbesuch war mittelm\u00e4\u00dfig genug, da\u00df ich mit ersten Gehversuchen keine allzuherben R\u00fcckschl\u00e4ge w\u00fcrde erfahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Tag umfasste ein Studium des einzigen in meiner Bibliothek vorhandenen japanischen Kochbuches. Gl\u00fccklicherweise ist es in deutscher Sprache abgefasst und offenbarte schnell, was ich bereits ahnte. Diese ges\u00e4uerte Reispampe namens Sushi wird hierzulande hoffnungslos \u00fcberbewertet.<\/p>\n<p>Also ging ich einkaufen. Wasabi aus Wasabi, gab es schonmal nicht. Nur das mit Chlorophyl gef\u00e4rbte Meerettichpulver. Das hat aber Senf\u00f6le nicht zu knapp und steigt bereits beim Anr\u00fchren in die Nase.  Weil es Sommer ist, soll es die rote Sojabohnenpaste Aka Miso f\u00fcr die Suppe sein. Grundstoff f\u00fcr Br\u00fchen und Suppen ist dem Japaner Katsuobushi, Flocken aus getrocknetem Blaufisch, ein fantastisches Zeug. Als Gem\u00fcse kommen Lotoswurzel (tiefgek\u00fchlt), Daikon-Rettich (eingelegt), Wakame-Algen (getrocknet) und ganz kleine blasse Auberginen in den Einkaufskorb. Nat\u00fcrlich sollen Klebereis, Kombu (Seetang) und Sake nicht fehlen. Ein dickes Thunfisch-Steak mu\u00df auch mit und gesellt sich zu Reisessig, Tofu, Sojasauce und Nori, der Verpackung f\u00fcr Sushi-Rollen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war nicht optimal aber passabel, lehrreich und auch mit wenig Sake zu ertragen. Die Einzelheiten werde ich in K\u00fcrze beschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich gestern nichts zu tun hatte, fasste ich den Entschlu\u00df, vom Angebot eines japanischen Lokals gebrauch zu machen, das darin bestand, da\u00df man mittags f\u00fcr 9,90 Euro so viel speisen darf, bis man nicht mehr kann. 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