{"id":142,"date":"2005-10-07T03:59:48","date_gmt":"2005-10-07T01:59:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/142"},"modified":"2005-10-07T03:59:48","modified_gmt":"2005-10-07T01:59:48","slug":"juristen-sind-witzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=142","title":{"rendered":"Juristen sind witzig"},"content":{"rendered":"<p>Juristen haben eine lustige Sprache. Es f\u00fchrte zu weit, wollte man behaupten, die Lekt\u00fcre eines Vertragstextes verm\u00f6ge einem zu Verz\u00fcckung gereichen. \u00dcberhaupt ist die Mehrzahl ihrer Werke zumindest unter lyrischen Gesichtspunkten eher entsetzlich. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Ausw\u00fcchse juristischen Literaturschaffens dem Leser aufgezwungen werden. Die Nutzungsbedingungen eines Computerprogramms sind \u00fcblicherweise bar jedes Unterhaltungswertes. Dennoch versucht beinahe jeder Hersteller eines solchen Produktes seine Kunden dazu zu bringen, zumindest zu behaupten das Kauderwelsch seines Hausjuristen gelesen zu haben. Wer dem Software-Hersteller sein Ja-Wort zu dessen Gesch\u00e4ftsbedingungen verweigert, kann das Programm gar nicht erst installieren. So kreuzt man eben an &#8222;Yes, I accept the Terms of &#8230;&#8220; und denkt dabei, &#8222;See if I care&#8220;.<\/p>\n<p>Bei anderen Gelegenheiten freue ich mich aber \u00fcber h\u00fcbsche Formulierungen wie etwa, &#8222;In der vorbezeichneten Angelegenheit&#8220;. Da f\u00fchle ich mich gleich ins vorletzte Jahrhundert versetzt und denke an zweisp\u00e4nnige Landauer und Sherlock Holmes. &#8222;Angelegenheit&#8220; ist ja auch ein sehr sch\u00f6ner Euphemismus f\u00fcr eine Auseinandersetzung. Wenn ich in einer Firma anrufe und jemand bestimmten sprechen m\u00f6chte, fragt die Sekret\u00e4rin gerne, &#8222;worum geht es denn?&#8220; Daran ist freilich nichts auszusetzen. Das ist nichts gegen die geradezu feierliche Frage, &#8222;In welcher Angelegenheit?&#8220;, die ich gestellt bekomme, wenn ich einen Rechtsanwalt in seiner Kanzlei sprechen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Bestimmt nehmen Richter ihre Entscheidungen ernst. Aber gerade die staubtrockenen formulierten Erkenntnisse mit denen sie ein Urteil begr\u00fcnden haben oft einen vermutlich ungewollten aber hohen Unterhaltungswert. Wenn ein Gericht feststellt, da\u00df &#8222;drei nicht vier&#8220; ist, kann man sich \u00fcber die selbst eher einfallslose Nassrasurindustrie erheitern.<\/p>\n<p>Vers\u00f6hnlich ist auch ein Urteil zum Gebrauch von Hupen. Aus Gr\u00fcnden die sich mir bisher nicht erschlie\u00dfen, pflegen Mann und Weib sich vorzugsweise an Samstagen zu verm\u00e4hlen. Es ist \u00fcblich, da\u00df das Paar vom Ort der Trauung in einem blumenbekr\u00e4nzten Fahrzeug mit dem nicht minder motorisierten Aufgebot im Gefolge zum anschlie\u00dfenden Gelage reist, wobei m\u00f6glichst der gesamte Rest der Menschheit mit Hilfe der Autohupe auf den frohen Anlass hingewiesen wird.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Hochzeitsgesellschaft ein im Leben einmaliges Ereignis w\u00e4hnt, stellt mancher Anwohner fest, da\u00df eigentlich dauernd jemand heiratet. Vor allem Samstags. Ein besonders unduldsamer, vermutlich unverheirater Mensch f\u00fchlte sich bel\u00e4stigt, klagte vor Gericht und bekam Recht. Der Kl\u00e4ger war allgemeinem Fohsinn wohl eher abgeneigt. Die Urteilsbegr\u00fcndung war daf\u00fcr erheiternd:<\/p>\n<p>&#8222;Eine Ehe stellt keine unmittelbare Gefahr dar, vor der durch Hupen gewarnt werden mu\u00df.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juristen haben eine lustige Sprache. Es f\u00fchrte zu weit, wollte man behaupten, die Lekt\u00fcre eines Vertragstextes verm\u00f6ge einem zu Verz\u00fcckung gereichen. \u00dcberhaupt ist die Mehrzahl ihrer Werke zumindest unter lyrischen Gesichtspunkten eher entsetzlich. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Ausw\u00fcchse juristischen Literaturschaffens dem Leser aufgezwungen werden. Die Nutzungsbedingungen eines Computerprogramms sind \u00fcblicherweise bar jedes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-142","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=142"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fellowpassenger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}