{"id":149,"date":"2005-10-12T00:09:35","date_gmt":"2005-10-11T22:09:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/149"},"modified":"2005-10-12T00:09:35","modified_gmt":"2005-10-11T22:09:35","slug":"boutique","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=149","title":{"rendered":"Boutique"},"content":{"rendered":"<p>Das Bl\u00fchen und Fruchten oder auch Verwelken von Einzelhandelsunternehmen in meiner Nachbarschaft zu beobachten gef\u00e4llt mir. Zur Zeit stehen viele Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume leer. Zum Beispiel das eines Buchmachers, der sein Ladengesch\u00e4ft um etwa 200 Quadratmeter verkleinert hat.<\/p>\n<p>Viele Leute verwechseln ja Buchmacher und Buchbinder, wie \u00fcberhaupt oft Begriffe verwechselt werden. Schuhmacher und Schuster, zum Beispiel. Schuhmacher gibt es fast \u00fcberhaupt nicht mehr, denn kaum jemand l\u00e4\u00dft sich Schuhe anfertigen, was dazu f\u00fchrt, da\u00df von einem erworbenen Paar Schuhe immer nur ein Schuh wirklich passt. Das liegt daran, da\u00df praktisch niemand zwei gleich gro\u00dfe F\u00fc\u00dfe hat. Ein Schuhfabrikant kann ja voher nicht wissen, ob er den linken oder den rechten Schuh gr\u00f6\u00dfer machen soll. Wenn Schuhe einzeln verkauft w\u00fcrden, g\u00e4be das sicher ein riesiges Durcheinander, was wiederum die Schuhh\u00e4ndler gar nicht gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schuster dagegen stellen keine Schuhe her, sondern reparieren sie.  Weil viele Leute kaputte Schuhe aber einfach wegwerfen und sich neue kaufen, m\u00fcssen manche Schuster auch Schl\u00fcssel nachmachen, Stempel anfertigen oder stumpf gewordene Messer und Scheren schleifen. Viele Schuster wollen aber gar nicht so genannt werden, weil sie n\u00e4mlich eigentlich eine Schuhmacherlehre genossen haben, bevor sie angefangen haben Schuhe zu reparieren. Wenn ich einen frage, ob er, der er ja kein Schuster, sondern ein Schuhmacher ist, ob er denn auch Schuhe anfertigen w\u00fcrde, sagt er mir, &#8222;das k\u00f6nnten Sie sich gar nicht leisten&#8220;. Da erschrecke ich dann zuerst ein bi\u00dfchen, weil ich mich frage, ob der Handwerksbetrieb wom\u00f6glich online mit der Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht verbunden und daher \u00fcber meine Einkommensverh\u00e4ltnisse informiert ist. Dann beruhige ich mich aber wieder und bleibe einfach dabei, meine Schuhe reparieren zu lassen, und der Schuster bleibt bei seinen Leisten. Das nennt man Deeskalation, glaube ich.<\/p>\n<p>In dem fr\u00fcheren Wettannahmeb\u00fcro war f\u00fcr einige Wochen die Sparkasse. Die hat Ihre Filliale am Kurf\u00fcrstenplatz renovieren lassen und war deswegen vor\u00fcbergehend umgezogen. Jetzt stehen im Wettb\u00fcro nur noch ein \u00fcberz\u00e4hliger Geldschrank, ein paar Schalter und einige Schreibtische herum. Der h\u00fcbsche Briefkasten aus Edelstahl der vor der T\u00fcr steht ist nun mit braunem Paketklebeband verschlossen. Der Sparkasse geht es eben besser als den Schuhmachern.<\/p>\n<p>In einem der zu vermietenden L\u00e4den war f\u00fcr kurze Zeit  ein Friseur, der aber nun pleite ist. Wenn ein neuer Friseurladen er\u00f6ffnet, freue ich mich meistens, weil die oft lustige Namen haben, wie &#8222;Hairjeh&#8220; oder &#8222;Final Cut&#8220;. Die habe ich mir jetzt ausgedacht, weil die echten eigentlich doch nicht so gut sind.<\/p>\n<p>Meistens sind die neuen Gesch\u00e4fte aber Boutiqen.  Es scheint sich in der Maxvorstadt, was \u00fcbrigens oft mit Schwabing verwechselt wird, eine Boutiquen-Monokultur zu entwickeln. Das finde ich dann zuerst immer etwas entt\u00e4uschend und ich denke, &#8222;ach, schon wieder eine Boutique&#8220;. Aber l\u00e4nger als drei bis sechs Monate bleiben die selten. Danach kommt die n\u00e4chste, oder wenn man Gl\u00fcck hat, auch etwas v\u00f6llig anderes. Vielleicht mal eine Reinigung f\u00fcr Putzlappen oder ein Fachgesch\u00e4ft f\u00fcr buntes Butterbrotpapier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bl\u00fchen und Fruchten oder auch Verwelken von Einzelhandelsunternehmen in meiner Nachbarschaft zu beobachten gef\u00e4llt mir. Zur Zeit stehen viele Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume leer. Zum Beispiel das eines Buchmachers, der sein Ladengesch\u00e4ft um etwa 200 Quadratmeter verkleinert hat. Viele Leute verwechseln ja Buchmacher und Buchbinder, wie \u00fcberhaupt oft Begriffe verwechselt werden. Schuhmacher und Schuster, zum Beispiel. 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