{"id":177,"date":"2005-12-04T13:54:42","date_gmt":"2005-12-04T12:54:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/?p=177"},"modified":"2005-12-04T13:54:42","modified_gmt":"2005-12-04T12:54:42","slug":"propaganda-fur-fortgeschrittene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=177","title":{"rendered":"Propaganda f\u00fcr Fortgeschrittene"},"content":{"rendered":"<p>Herr Paulsen hat <a href=\"http:\/\/antsinp.antville.org\/stories\/1274816\/\">bei sich eine Leseempfehlung zum Thema <em>Bild<\/em><\/a> ausgesprochen. Im Gro\u00dfen und Ganzen gibt es \u00fcber <em>Bild<\/em> nichts neues mehr zu erfahren. Andererseits ist die Gefahr gro\u00df, da\u00df diese Jauchegrube durch Gewohnheit dem Bewu\u00dftsein entschwindet, wenn man sich nicht dann und wann dar\u00fcber aufregt.<\/p>\n<p>Manchmal m\u00f6chte man denken, <em>Bild<\/em> sei ein unverstandenes Satireblatt, dessen Erfolg darin begr\u00fcndet liegt, da\u00df seine Leser es mit einer Zeitung verwechseln. Tats\u00e4chlich ist dieses Gossenblatt ein perfekt gestimmtes Machtinstrument, das heute die Inquisition des Mittelalters ersetzt. Schon damals war das Spektakel einer \u00f6ffentlichen Hexenverbrennung von unwiderstehlicher Anziehungskraft f\u00fcr die Zuschauer und zugleich den Oberen ein wirksames demagogisches Werkzeug. Heute geht der sensationsl\u00fcsterne Voyeur nicht mehr zum Markplatz, sondern kauft sich eine <em>Bild<\/em>, um sich an Schadenfreude und Grusel zu laben.<\/p>\n<p>Wenn es stimmt, da\u00df die t\u00e4glich gedruckten 3,7 Millionen Exemplare tats\u00e4chlich von 12 Millionen Menschen gelesen werden, was vermutlich glatt gelogen ist, erreicht <em>Bild<\/em> ein Viertel aller Wahlberechtigten. Da wird ersichtlich, was der Slogan, &#8222;Bild Dir Deine Meinung&#8220;, eigentlich bedeutet. Mitnichten ist hier der <em>Bild<\/em>-Leser aufgefordert sich ein klares Urteil zu verschaffen. Vielmehr richtet sich diese Aufforderung an jene, die eine zweckdienliche Meinung zu etablieren w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Auch die aktuelle Kampagne &#8222;Schlu\u00df mit Bild &#8212; Bund der Sozialschmarotzer&#8220;, et cetera, wird kaum die Leser im Visier haben &#8212; zu kompliziert ist der Gedankengang f\u00fcr Menschen, denen man sonst nicht einmal zutraut, S\u00e4tze zu begreifen, die mehr als ein Dutzend W\u00f6rter umfassen. Allein geballte Medienmacht wird hier feilgeboten. Sinngem\u00e4\u00df lautet die Botschaft: Wer ein Feindbild braucht, um seine Interessen durchzusetzen, stellt sich besser gut mit <em>Bild<\/em>. So bl\u00f6ken denn auch Politiker ihre Wahlappelle mitten aus dem Sumpf siechender Schauspieler, Penisrissen, Photos von Kinderleichen und sonstigen <em>Bild<\/em>-Spezialit\u00e4ten entgegen. Eine Praxis, die <a href=\"http:\/\/www.online-merkur.de\/seiten\/lp200512b.php\">Gerhard Henschel im Online-Merkur ausf\u00fchrlich kritisiert<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Ende dieser Schlammschleuderei <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2005\/48\/bild_naumann\"> fordert auch Michael Naumann in der Zeit<\/a>. Anla\u00df war ihm eine <em>Bild<\/em>-Schlagzeile die unverhohlen hoffnungsfroh die Frage stellt, ob die im Irak entf\u00fchrte Susanne Osthoff enthauptet wird.<\/p>\n<p>Ein Ende ist freilich nicht in Sicht. Denn <em>Bild<\/em> steht nicht f\u00fcr sich allein. Die Schmuddelpostille existiert, weil t\u00e4glich ein Millionenpublikum begierig darauf wartet, diesen Dreck in sich aufzusaugen. Solange es Dummheit gibt, wird <em>Bild<\/em> sie begleiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Paulsen hat bei sich eine Leseempfehlung zum Thema Bild ausgesprochen. Im Gro\u00dfen und Ganzen gibt es \u00fcber Bild nichts neues mehr zu erfahren. 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