{"id":20,"date":"2005-03-06T21:27:55","date_gmt":"2005-03-06T19:27:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/20"},"modified":"2005-03-06T21:27:55","modified_gmt":"2005-03-06T19:27:55","slug":"20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=20","title":{"rendered":"Vegetarian Eating Disorder Syndrome"},"content":{"rendered":"<p>Einer Kuh mag ich den Genu\u00df einer sch\u00f6nen Portion G\u00e4nsestopfleber freilich nicht nahelegen. Trotz ihrer vier M\u00e4gen bleibt ihr diese Speise unbek\u00f6mmlich. Lieber mag sie Grashalme essen, andauen und sp\u00e4ter herausw\u00fcrgen, um sie noch ein zweites mal zu kauen. Zellulose ist eben schwer zu knacken daf\u00fcr die Kuh geduldig. <\/p>\n<p>Ganz anders der Wolf, dessen kurzer Verdauungstrakt mit rohem Gem\u00fcse nichts anzufangen wei\u00df. So sch\u00e4tzt er eher ein Tartar. Trotzdem braucht er auch pflanzliche Vitamine. Gar nicht dumm, holt er sich diese in Form des vorverdauten Mageninhalts eines Tieres das im schmeckt.<\/p>\n<p>Ganz anders geht es dem Schwein, das ein Allesfresser ist. Es mag Gem\u00fcse ebenso wie ein St\u00fcck Fleisch. Es ist kein Raubtier und kein Weidevieh. So verspeist es eben das was gerade da ist.<\/p>\n<p>So essen alle Tiere das, was ihnen am Besten bekommt. Alle Tiere au\u00dfer dem Menschen, zumindest jenen, die Vegetarier sind. Die haben zwar kein anderes Verdauungssystem als ihre Artgenossen, aber eine andere Wahrnehmung. Sie konzentrieren sich bei iherer Nahrungssuche zun\u00e4chst freiwillig vor allem auf wehrlose Pflanzen. Zuerst werden sie von Eisenmangel geplagt, wodurch ihr Selbsterhaltungstrieb weiter schwindet. Bald schon ist ihr Jagdinstinkt soweit erlahmt, da\u00df sie sich nicht einmal mehr in der Lage finden, ein nahegelegene Metzgerei zu betreten. Das n\u00e4chste Stadium ist soziale Isolation. Sie empfinden sich von Ihren Artgenossen ausgegrenzt, was nicht wenige Vegetarier durch missionarischen Eifer zu kompensieren versuchen. Nat\u00fcrlich werden die Fronten dadurch nur verh\u00e4rtet. Sp\u00e4ter entwickelt sich h\u00e4ufig ein Neidkomplex. Sieht der Vegetarier ein Rudelmitglied ein Fleischgericht essen, f\u00fchlt er sich \u00fcbervorteilt. Er fragt sich, warum ein Verwandter vor seinen Augen r\u00fccksichtslos das zu sich nimmt, wonach er sich seit Jahren sehnt, das was ihm selbst aber verg\u00f6nnt ist. Aufgrund der fortgeschrittenen Dissoziation nimmt der Betroffene gar nicht mehr wahr, da\u00df dieses vermeintliche Verbot ursp\u00fcnglich selbstauferlegt war.<\/p>\n<p>Eine Resozialisierung ist au\u00dferordentlich schwierig. Wie bei allen schwerwiegenden St\u00f6rungen ist die Bereitschaft des Betroffenen unbedingt Voraussetzung. Sonst ist jeder Versuch vergeblich. Wichtig ist, dem Vegetarier zu zeigen, da\u00df man ihn trotz seiner Besonderheit mag. Auf keinen Fall darf man Druck aus\u00fcben oder versuchen seinen Sch\u00fctzling zu \u00fcberlisten. Das zerst\u00f6rt das Vertrauen in die Bezugsperson und treibt den Betroffenen unter Umst\u00e4nden noch tiefer in seine Wahnvorstellungen. Das kann soweit gehen, da\u00df er vegan und damit therapieresistent wird. Sachliche Argumentation hilft ebenfalls nicht weiter. Der Vegetarismus geht fast immer mit spezifischem Realit\u00e4tsverlust einher. So entwickeln die Vegetarier oft ein fein gesponnenes Netz an Wahnvorstellungen, um die Ausweglosigkeit ihrer Situation zu rechtfertigen. Nicht wenige geben  vor, der Verzehr von Fleisch w\u00fcrde nach langj\u00e4hriger Abstinenz schwerste, ja sogar lebensbedrohliche Verdauungsst\u00f6rungen hervorrufen. Auch treten h\u00e4ufig \u00c4ngste vor BSE und Schweinepest auf.<\/p>\n<p>Nur durch behutsame Reizkonfrontation und langfristiges Habituitionstraining kann einem therapiewilligen Vegetarier geholfen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer Kuh mag ich den Genu\u00df einer sch\u00f6nen Portion G\u00e4nsestopfleber freilich nicht nahelegen. Trotz ihrer vier M\u00e4gen bleibt ihr diese Speise unbek\u00f6mmlich. Lieber mag sie Grashalme essen, andauen und sp\u00e4ter herausw\u00fcrgen, um sie noch ein zweites mal zu kauen. Zellulose ist eben schwer zu knacken daf\u00fcr die Kuh geduldig. 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