{"id":239,"date":"2006-03-18T04:45:13","date_gmt":"2006-03-18T03:45:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/239"},"modified":"2006-03-18T04:45:13","modified_gmt":"2006-03-18T03:45:13","slug":"vorlesen-in-munchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=239","title":{"rendered":"Vorlesen in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die deutsche Blogosph\u00e4re ein helles Zentrum hat, ist M\u00fcnchen wohl der Ort, der am weitesten davon entfernt ist. W\u00e4rend man sich anderenorts l\u00e4ngst schon beinahe regelm\u00e4\u00dfig versammelt, um sich gegenseitig kleine Geschichten vorzulesen und offensichtlich einen Riesenspa\u00df dabei hat, gibt man sich in M\u00fcnchen beinahe autistisch.<\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt damit zusammen, da\u00df der M\u00fcnchner erfolgreich, wohlhabend, gutaussehend, bestens gewandet und \u00fcberhaupt irgendwie besser als alle anderen ist. Der M\u00fcnchner ist erhaben, selbstbewu\u00dft und unabh\u00e4ngig. Dennoch kennt er nat\u00fcrlich einen Haufen Leute. Nur die richtigen und wichtigen nat\u00fcrlich. Prominente vor allem.<\/p>\n<p>Da war es eine kleine Sensation, da\u00df vorgestern tats\u00e4chlich eine Bloglesung abgehalten wurde. Wohlweislich die erste bayerische Bloglesung, nicht eine m\u00fcnchnerische.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen w\u00e4re nicht M\u00fcnchen, wenn man sich einfach so in ein Lokal setzen und direkt loslegen w\u00fcrde. So wurden am Vortag der Lesung eine Reihe von Verhaltensma\u00dfregeln bekanntgegeben. So sollte man am <a href=\"http:\/\/www.reizbar.com\">Veranstaltungsort<\/a>, einer respektablen Cocktailbar, nicht rauchen. Photographieren war allenfalls ohne Blitz erlaubt. In der tr\u00fcben Beleuchtung der Reizbar dennoch geschossene Aufnahmen zu ver\u00f6ffentlichen bedarf der ausdr\u00fccklichen Genehmigung der Vortragenden.<\/p>\n<p>Das war Anla\u00df f\u00fcr eine au\u00dferordentliche aber kurze Redaktionskonferenz. Die Bildredaktion beschied, sie w\u00fcrde dann, so vorhanden, eben auf offizielles Bildmaterial zur\u00fcckgreifen, statt eigene Aufnahmen zu machen, daf\u00fcr aber sicher pro Person mindestens f\u00fcnf bis sechs Adios Motherfucker auf Spesen trinken (&#8222;Sollen die sich halt selber schie\u00dfen, ist mir doch wurscht. Hauptsache es gibt was anst\u00e4ndiges zu trinken.&#8220;). Ein Live-Mitschnitt wurde erwogen, jedoch schnell wieder verworfen, weil der Tontechniker restlos \u00fcberfordert war (&#8222;Da m\u00fcssen wir aber vorher den Dings, \u00e4h Don oder \u00fcberhaupt alle fragen, ob &#8230; na was wei\u00df ich. Auf jeden Fall ist der Akku vom Rekorder leer. Aber die Getr\u00e4nke gehen schon auf Spesen, oder?&#8220;). Schlie\u00dflich konnte der Chefredakeur per Machtwort einen Beschlu\u00df erwirken (&#8222;Wir gehen da hin, gie\u00dfen uns ordentlich einen auf die Lampe und rauchen alle Kette bis wir rausfliegen. Wer sich hinterher noch an was erinnert, soll das dann aufschreiben.&#8220;)<\/p>\n<p>Gesagt, getan. Nach einer launigen Anmoderation von Frau Lyssa die alle nochmal zu aufrechter Sitzhaltung ermahnte und erkl\u00e4rte da\u00df man schlechte m\u00fcndliche Noten bekommen w\u00fcrde, wenn sie einen beim Schw\u00e4tzen erwischt, ging es auch schon los.<\/p>\n<p>Die vorwiegend autobiographischen Geschichten waren allesamt h\u00f6chst unterhaltsam, die meisten im Lampenfieber etwas zu hastig vorgetragen. Als der heimliche Star der ersten bayerischen Bloglesung stellte sich J\u00fcgen Albertsen heraus, der seine beiden hervorragenden Kurzgeschichten mit angenehm sonorer Stimme \u00fcberaus gekonnt zu intonieren wusste.<\/p>\n<p>Wer nicht dabei sein konnte, findet die Geschichten auch zum selber lesen im Netz:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/rebellmarkt.blogger.de\/stories\/347008\/\">Days of Splenour<\/a> und <a href=\"http:\/\/rebellmarkt.blogger.de\/stories\/289748\/\">Auf der Dachterasse<\/a> (Don Alphonso), <a href=\"http:\/\/www.mindestenshaltbar.net\/0204\/stories\/536\/\">Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Gallop<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.lyssas-lounge.de\/peepshow\/archiv\/000444.html\">Linke Gasse, Kreissparkasse<\/a>  (Lyssa), <a href=\"http:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/01\/oma-beerdigung-3-die-babylonier-hatten-sich-bloss-ein-bisschen-anstrengen-mussen.htm\">Oma-Beerdigung &#8211; 3: Die Babylonier h\u00e4tten sich blo\u00df ein bisschen anstrengen m\u00fcssen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/05\/elternsorgen-und-urlaubsuberraschungen.htm\">Elternsorgen und Urlaubs\u00fcberraschungen<\/a> (Frau Kaltmamsell), <a href=\"http:\/\/myblog.de\/klugscheisser\/art\/2868115\">Don&#8217;t eat the yellow snow<\/a> und <a href=\"http:\/\/myblog.de\/klugscheisser\/art\/3119680\">Geobiographie<\/a> (Frau Klugscheisser), <a href=\"http:\/\/www.juergenalbertsen.de\/erzaehlungen\/gustl\/\">Dass der Gustl kein Hund war<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.juergenalbertsen.de\/erzaehlungen\/die-liesl\/\">Die Liesl<\/a> (J\u00fcrgen Albertsen)<\/p>\n<p>Die junge Dame, die am Ende der Theke zun\u00e4chst eine halbe Stunde stehen und sp\u00e4ter auf einer leeren Bierkiste (Becks) sitzen musste, soll sich bitte einen anderen Freund suchen als den blonden R\u00fcpel im dunklen Anzug der von seinem gem\u00fctlichen Pl\u00e4tzchen auf der Bank tatenlos zusah.<\/p>\n<p>Wer \u00fcbrigens glaubt, ein Podcast k\u00f6nne das Erlebnis eines Live-Auftritts ersetzen, irrt gewaltig. Die Stimmung ist nicht konservierbar, man mu\u00df sie selbst vor Ort erleben. Das Menschen gerne Konzerte von Bands besuchen, deren Studio-Aufnahmen sie l\u00e4ngst auf Platte (oder CD) zuhause stehen haben, hat ja einen guten Grund.<\/p>\n<p>Merken Sie sich also den 24. M\u00e4rz 2006 vor, an dem die <a href=\"http:\/\/rebellmarkt.blogger.de\/stories\/400886\/\">2. Bayerische Bloglesung<\/a> stattfinden wird. Denn das wird bestimmt wieder eine Fetzengaudi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die deutsche Blogosph\u00e4re ein helles Zentrum hat, ist M\u00fcnchen wohl der Ort, der am weitesten davon entfernt ist. W\u00e4rend man sich anderenorts l\u00e4ngst schon beinahe regelm\u00e4\u00dfig versammelt, um sich gegenseitig kleine Geschichten vorzulesen und offensichtlich einen Riesenspa\u00df dabei hat, gibt man sich in M\u00fcnchen beinahe autistisch. 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