{"id":261,"date":"2006-04-06T23:55:07","date_gmt":"2006-04-06T22:55:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/261"},"modified":"2006-04-06T23:55:07","modified_gmt":"2006-04-06T22:55:07","slug":"arbeitslosigkeit-macht-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=261","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit macht frei"},"content":{"rendered":"<p>Aufgaben kann man entweder mit Flei\u00df oder mit Intelligenz l\u00f6sen. Mehl l\u00e4\u00dft sich entweder gewinnen, indem man lange genug selbst Getreide zwischen zwei Steinen zerreibt, oder aber eine M\u00fchle baut. Das erspart einem viel Arbeit. So eine M\u00fchle ist sogar in der Lage sehr viel mehr Mehl zu fabrizieren, als man selbst \u00fcberhaupt brauchen kann.<\/p>\n<p>Heute haben wir Menschen inzwischen so viele Sachen erfunden, die uns Arbeit abnehmen, da\u00df wir nur noch sehr wenig tun m\u00fcssen, um satt zu werden.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise empfinden wir diese Freiheit mehr als Fluch denn als Segen. Jene, die wir durch technische Erfindungen von ihrer M\u00fchsal befreit haben, stigmatisieren wir als Verlierer. Wir bezeichnen Sie als Arbeitslose, sehen sie bestenfalls als Opfer, schlimmstenfalls als Faulpelze oder gar Schmarotzer.<\/p>\n<p>Unsere Politiker versprechen uns, alles zu tun diese Freiheit wieder zu beenden. Dabei ist v\u00f6llig klar, da\u00df dies gar nicht m\u00f6glich ist. Vollbesch\u00e4ftigung, wie sie in den 50er Jahren in Deutschland existierte bezeichnen wir nicht umsonst als &#8222;Wirtschaftswunder&#8220;. Wenn wir ein solches Wunder wiederholen wollten, m\u00fcssten wir einen neuen Krieg verlieren. Wenn das Land in Schutt und Asche l\u00e4ge, g\u00e4be es freilich f\u00fcr jeden viel Arbeit.<\/p>\n<p>So ist es aber heute nicht. Es geht uns im Durchschnitt zwar au\u00dferordentlich gut, auch ohne, da\u00df wir daf\u00fcr schuften m\u00fcssen. Trotzdem gef\u00e4llt es uns nicht, wenn manche Menschen nicht arbeiten. Deswegen geht es vielen Menschen eben nicht gut, und anderen wenigen daf\u00fcr um so besser. Wir verwechseln Arbeit mit Existenz. Wir glauben, jeder m\u00fcsste arbeiten, damit er existieren darf.<br \/>\nVerzweifelt erwarten wir inzwischen sogar von Unternehmern, da\u00df sie Arbeitspl\u00e4tze schaffen, obwohl v\u00f6llig klar ist, da\u00df jedem Unternehmen vor allem daran gelegen sein mu\u00df, mit m\u00f6glichst wenig Personal auszukommen.<\/p>\n<p>Dabei bestrafen wir Arbeit sogar, indem wir daf\u00fcr Lohn- und Einkommenssteuer erheben. Wer etwas zum wirtschaftlichen Erfolg der Republik beitr\u00e4gt, soll daf\u00fcr zahlen. Dabei sollte das doch eher belohnt werden. Arbeit soll sich lohnen, h\u00f6rt man t\u00e4glich aufs Neue. Die einzige Konsequenz die wir daraus ziehen ist, jenen f\u00fcr die es keine Arbeit mehr gibt, das Leben so schwer wie m\u00f6glich zu machen. Arbeit soll sich lohnen, indem Arbeitslosigkeit zur Verheerung ger\u00e4t. Wir erfinden Begriffe wie &#8222;soziale H\u00e4ngematte&#8220; und &#8222;Arbeitsagentur&#8220;, weil wir insgeheim l\u00e4ngst wissen, da\u00df wir Arbeit nicht aus dem Nichts herbeif\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir haben alles was n\u00f6tig ist, um jedem ein zufriedenes Leben zu erm\u00f6glichen und noch viel viel mehr. Wir m\u00fcssen nur endlich lernen damit umzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgaben kann man entweder mit Flei\u00df oder mit Intelligenz l\u00f6sen. 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