{"id":516,"date":"2008-05-09T21:05:17","date_gmt":"2008-05-09T19:05:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/2008\/05\/09\/der-frosch-ist-gar-aber-die-kroete-schluckt-sich-besser\/"},"modified":"2008-05-09T21:05:17","modified_gmt":"2008-05-09T19:05:17","slug":"der-frosch-ist-gar-aber-die-kroete-schluckt-sich-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=516","title":{"rendered":"Der Frosch ist gar, aber die Kr\u00f6te schluckt sich besser"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich ist die weit verbreitete Legende vom Frosch, der im nur langsam bis zum Siedepunkt erhitzten Wasser seinem nahenden Tod nicht  zu entrinnen versucht, blanker Unsinn. Verweilen wir aber ruhig noch einen Moment in diesem Bild, denn die Gesellschaft ist in diesem Vergleich weit realistischer dargestellt als die metaphorisch etwas \u00fcbersprapazierte Amphibie.<\/p>\n<p>Wie der imagin\u00e4re Frosch im Kochtopf <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,552301,00.html\">bemerken nach Jahren der Indifferenz nun auch etablierte Medien<\/a> offenbar, da\u00df die vielgepriesene &#8222;vierte Macht&#8220; in Deutschland, die Presse n\u00e4mlich, im Begriff ist, ihre Freiheit und damit ihre Grundlage zu verlieren.<\/p>\n<p>Warum die Pressefreiheit wichtig ist, d\u00fcrfte den meisten Menschen durchaus klar sein. Wie sie funktioniert und welche Voraussetzungen daf\u00fcr n\u00f6tig sind, erschlie\u00dft sich dagegen nicht ohne weiteres auf den ersten Blick.<\/p>\n<p>Geht es um die Frage, ob der Staat Journalisten bespitzeln darf, wird gerne gefragt, ob &#8222;die&#8220; denn was besseres w\u00e4ren, warum &#8222;deren &#8220; Privatleben sch\u00fctzenswerter sein sollte als das anderer. Die Antwort ist \u00fcberraschend einfach: Das spielt \u00fcberhaupt keine Rolle.<\/p>\n<p>Es geht n\u00e4mlich nicht um Journalisten, sondern um ihre Informanten. Genaugenommen sollen in erster Linie auch sie nicht gesch\u00fctzt werden, sondern eigentlich die Weitergabe der Information.<\/p>\n<p>Mal angenommen, ein V-Mann des BKA wurde von seinem Dienstherren gen\u00f6tigt, drei junge M\u00e4nner dazu zu \u00fcberreden einen Sprengstoff-Anschlag vorzubereiten. Zudem w\u00e4re ihm die Aufgabe zuteil geworden, in gro\u00dfer Menge nur schwer erh\u00e4ltliche Chemikalien zu besorgen und den Dreien\u00a0 zur Verf\u00fcgung zu stellen. Wenn der V-Mann das eigentlich nicht in Ordnung findet und gerne aufdecken m\u00f6chte, mit welchen Methoden das BKA da gearbeitet hat, kann er das nicht so einfach, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Vielleicht ermittelt er noch wo anders verdeckt. Vielleicht in einer kriminellen Organisation, die ihn t\u00f6ten w\u00fcrde, falls sie herausfindet, da\u00df er ein V-Mann ist. Eventuell m\u00fcsste er auch nur die Rache seiner Vorgesetzten f\u00fcrchten. Deswegen mu\u00df er die M\u00f6glichkeit haben, sich unerkannt an die Presse zu wenden. Das wird er nur dann wagen, wenn er sich v\u00f6llig sicher sein kann, da\u00df seine Identit\u00e4t dabei geheim bleibt.<\/p>\n<p>D\u00fcrfen Journalisten abgeh\u00f6rt werden, wird ihnen kaum jemand mehr solche brisanten Informationen zukommen lassen. Sie k\u00f6nnen dann schlimmstenfalls nur noch verbreiten, was die Beh\u00f6rden ihnen mitteilen. Im angenommenen Fall k\u00f6nnte das sein, da\u00df drei wild entschlossene religi\u00f6se Fanatiker gerade dabei waren, Sprengstoff-Attentate beispiellosen Ausma\u00dfes zu ver\u00fcben und dies nur dank der Geistesgegenwart eines zuf\u00e4llig anwesenden Bundeskriminalbeamten in letzter Sekunde verhindert werden konnte.<\/p>\n<p>Warum das nicht jedes reichweitenstarke Presseerzeugnis wenigstens einmal auf seiner Titelseite erkl\u00e4rt, ist eigentlich nicht zu begreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich ist die weit verbreitete Legende vom Frosch, der im nur langsam bis zum Siedepunkt erhitzten Wasser seinem nahenden Tod nicht zu entrinnen versucht, blanker Unsinn. 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