{"id":65,"date":"2005-05-01T13:59:04","date_gmt":"2005-05-01T11:59:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fellowpassenger.de\/archives\/65"},"modified":"2005-05-01T13:59:04","modified_gmt":"2005-05-01T11:59:04","slug":"fernsehgluck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=65","title":{"rendered":"Fernsehgl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag war ich in einem Lokal in dem anl\u00e4\u00dflich eines Fu\u00dfballspiels ein Fernseher betrieben wurde. Nach dem Spiel gab es auf DSF eines dieser Gewinnspiele, die man eigentlich nur als Erregung \u00f6ffentlichen \u00c4rgernisses bezeichnen kann.<\/p>\n<p>Der private Fernsehsender 9Live hat damit angefangen. Er stellte seinen Zuschauern Fragen und f\u00fcr deren richtiger Beantwortung einige tausend Euro als Gewinn in Aussicht. Der findige R\u00e4tsell\u00f6ser durfte unter einer Mehrwert-Nummer (49 Cent\/Anruf) seine L\u00f6sung mitteilen. Die Fragen selbst waren nicht zu schwierig. Etwa so: &#8222;Der Maler Rembrandt malte 1629 ein Selbstportrait. Wer ist auf dem Gem\u00e4lde zu sehen? A: Rembrandt, B: Marilyn Manson&#8220;. Unter den Anrufern wurde durch die Telefonanlage des Fernsehsenders einer ausgew\u00e4hlt, der die Frage beantworten durfte. Der Rest musste mit dem Anrufbeantworter vorlieb nehmen. W\u00e4renddessen fuchtelte der Moderator wild mit dicken Geldb\u00fcndeln vor der Kamera und kreischte &#8222;Das gibt&#8217;s doch gar nicht, da\u00df niemand anruft! Brauchen Sie denn kein Geld?&#8220;<\/p>\n<p>Das ist doch Gl\u00fcckspiel, dachte sich mancher. Das ist in Deutschland nicht erlaubt, zumindest darf das nur der Staat. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Die kam zu einem h\u00f6chst erstaunlichen <a href=\"http:\/\/www.time4tv.de\/tv\/news\/read_more.php?news_id=00233\">Ergebnis<\/a>. Sie fand nicht nur keine Beweise, die den Vorwurf h\u00e4tten erh\u00e4rten k\u00f6nnen. Sie hat vielmehr herausgefunden, da\u00df 9Live in keiner Weise vorgeworfen werden k\u00f6nne, unerlaubtes Gl\u00fccksspiel zu betreiben.<\/p>\n<p>49 Cent pro Anruf w\u00e4re ja auch nicht teurer als eine Postkarte zu verschicken, argumentierte der Sender. Ja schon, aber wenn ich eine Postkarte verschicke, verdient der Empf\u00e4nger daran keine 30 Cent.<\/p>\n<p>Noch erstaunlicher ist der seit dem erfolgte Sinneswandel des Senders. Der stellt inzwischen n\u00e4mlich Fragen von ganz anderem Kaliber. Zum Beispiel: Wie viele Vierecke sind hier zu sehen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/pix.visualartlab.de\/vierecke.png\" alt=\"Es sind insgesamt siebenundzwanzig Vierecke in diesem Bild zu sehen.\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Wissen Sie es? Es sind 27 St\u00fcck. Das ist kniffeliger zu beantworten als die Frage, wie die Staatsanwaltschaft zum Ergebnis Ihrer Untersuchung kam und warum 9Live pl\u00f6tzlich Fragen stellt, die kaum jemand beantworten kann. Es k\u00f6nnte ja sein, da\u00df Staatsanwalt und Sender ganz viel Gl\u00fcck gehabt haben. Darum haben sie sich dann vielleicht in etwa so geeinigt: Wenn in Zukunft alles anders wird, war in Vergangenheit alles rechtens.<\/p>\n<p>Ist vielleicht auch besser so, weil inzwischen jeder Privatsender das Nachtprogramm mit solcherlei spannenden Quizshows f\u00fcllt. Es kann ja nicht sein, da\u00df eine ganze Branche illegales Gl\u00fcckspiel betreibt. Wo k\u00e4men wir da hin?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag war ich in einem Lokal in dem anl\u00e4\u00dflich eines Fu\u00dfballspiels ein Fernseher betrieben wurde. Nach dem Spiel gab es auf DSF eines dieser Gewinnspiele, die man eigentlich nur als Erregung \u00f6ffentlichen \u00c4rgernisses bezeichnen kann. Der private Fernsehsender 9Live hat damit angefangen. 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