{"id":741,"date":"2008-08-20T23:50:02","date_gmt":"2008-08-20T21:50:02","guid":{"rendered":"http:\/\/fellowpassenger.de\/?p=741"},"modified":"2008-08-20T23:50:02","modified_gmt":"2008-08-20T21:50:02","slug":"product-placement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellowpassenger.de\/?p=741","title":{"rendered":"Product Placement"},"content":{"rendered":"<p>Johannes Kreidler hat ein 33 Sekunden kurzes Musikst\u00fcck komponiert, das er bei der <em>Gesellschaft f\u00fcr musikalische Auff\u00fchrungs- und mechanische Vervielf\u00e4ltigungsrechte<\/em> (GEMA) anmelden m\u00f6chte. Weil er seine Kreation aus Titeln anderer K\u00fcnstler zusammengemischt hat, mu\u00df er, so schreibt die GEMA es vor, f\u00fcr jedes zitierte Werk ein Formular ausf\u00fcllen. Der Haken: Es sind insgesamt 70.200 St\u00fcck.<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler m\u00f6chte mit seiner Aktion <em>Product Placement<\/em> [1] so auf die Absurdit\u00e4t hinweisen, die unserem gegenw\u00e4rtigen System zur Verwertung von Musikrechten innewohnt. Ein System das in erster Linie eine m\u00e4chtige Industrie beg\u00fcnstigt, deren Leistung darin besteht, Kulturgut zu verwalten, zu vervielf\u00e4ltigen und zu vertreiben. Die Kulturschaffenden selbst aber geraten dabei schnell ins Hintertreffen. Besonders dann, wenn sie nicht massentaugliche Primitivberieselung nach klangindustriellem Standard fabrizieren, sondern sich die kreative M\u00fche geben, g\u00e4nzlich Neues herzustellen.<\/p>\n<p>Es ist zum Beispiel so, da\u00df ein Musiker sich zwar aussuchen darf, ob er Mitglied bei der GEMA wird, als solches aber nicht mehr die Wahl hat, einzelne Werke von der GEMA-Verwertung auszunehmen [2]. Will er eines seiner eigenen St\u00fccke auf seiner Internet-Seite frei zug\u00e4nglich machen, mu\u00df er daf\u00fcr selbst Geb\u00fchren an die GEMA abf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Annahme, da\u00df erst ab einer bestimmten L\u00e4nge, wie etwa zwei Sekunden oder vier Takten Geb\u00fchren anfallen ist \u00fcbrigens ebenso weit verbreitet wie falsch. Selbst kleinste Klangschnipsel k\u00f6nnen bereits zu rechtlichen Komplikationen f\u00fchren, wenn man daf\u00fcr keine Lizenz nachweisen kann [3].<\/p>\n<p>Der Umstand, da\u00df die GEMA kaum in der Lage sein wird, die vielen Antr\u00e4ge von Johannes Kreidler tats\u00e4chlich zu bearbeiten [4] zeigt mehr als deutlich, wie wenig das bestehende Rechtsmodell in unsere heutige Kulturrealit\u00e4t passt.<\/p>\n<p>Kreidler plant, am 12. September um 11 Uhr die Formulare bei der GEMA in Berlin abzugeben. Bis dahin steht im selbst noch eine Menge Arbeit ins Haus. Schlie\u00dflich mu\u00df er die Formbl\u00e4tter ja noch ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/www.kreidler-net.de\/productplacements.html\">Johannes Kreidler \u00fcber Product Placement<\/a><br \/>\n[2] Die <a href=\"http:\/\/www.gema.de\/urheber\/aktuelles\/faqs\/\">GEMA<\/a> zur Frage: &#8222;Ist man als GEMA-Mitglied verpflichtet, alle Werke anzumelden?&#8220;<br \/>\n[3] Medienrechtsjuristin Dr. Kristin Meissner im <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HUhnQVbtQR8\">Video zu <em>Product Placement<\/em><\/a><br \/>\n[4] 70.200 Seiten handels\u00fcbliches Kopierpapier (80 g\/m\u00b2) wiegen rund 350 kg und f\u00fcllen eine Europalette mit 28 Kartons, die jeweils f\u00fcnf Packungen zu 500 Blatt enthalten (eigene Berechnung).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Kreidler hat ein 33 Sekunden kurzes Musikst\u00fcck komponiert, das er bei der Gesellschaft f\u00fcr musikalische Auff\u00fchrungs- und mechanische Vervielf\u00e4ltigungsrechte (GEMA) anmelden m\u00f6chte. 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