17. Januar 2012

Giftiger Dampf zur Rettung von Rauchern

von Fellow Passenger

Wenn man an einer brennenden Zigarette zieht, atmet man zwangsläufig neben Nikotin, auch Kolenmonoxid, Teer, Nitrosamine, Blei, Polonium, Arsen, Chrom, Blausäure, Benzol und Dioxin ein, um nur wenige Beispiele der bis zu 4000 zum Teil schwer gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe von Tabakrauch zu nennen.

In Ihrem Blut haben Sie Hämoglobin. Dieser Eisenkomplex hat die Aufgabe sich in der Lunge ein Sauerstoffmolekül schnappen, um es an die Zellen, die es danach so trifft wieder auszuhändigen. Kohlenmonoxid (CO) setzt sich ebenfalls auf das Hämoglobin, aber geht dort nie wieder weg. Es bleibt einfach darauf sitzen, zeigt stolz herum, daß es seinem Gefährt auch eine schöne rote Farbe verleihen kann und dämmert dem gemeinsamen Untergang entgegen. Sauerstoff bekommen Zellen dann nur noch von neuen roten Blutkörperchen, die noch nicht von CO ursupiert wurden. Die gute Nachricht ist, nach rund vier Wochen sind alle roten Blutkörperchen wieder nachgewachsen. Wenn sie keinem weiteren CO begegnen, Sie also nicht etwa rauchen, transportieren sie alle wieder Sauerstoff.

In Ihren Bronchen haben Sie sogenannte Flimmerhärchen. Sie sind so angeordnet, daß Unrat, der beim Atmen immer mal in Ihre Bronchen gerät, alsbald wieder nach oben wandert und durch den Rachenraum abgeschluckt wird. Weniger zivilisierte Gemüter spucken die Melange aus Staub und Schleim auch einfach auf den Boden. Wer raucht, inhaliert aber Teer und der ist bekanntlich sehr klebrig. Sogar so klebrig, daß er die Flimmerhärchen aneinander und gegen die Bronchen pappt. Dann flimmert freilich nichts mehr. Deswegen machen sich dann Staub, Teer und Schleim gleich in den Bronchen heimisch. Das führt zu einem chronischen Hustenreiz, aber nicht dazu, daß der zähbraune Batz beim Husten die Atemwege verlässt. Raucherhusten eben.

Nitrosamine entstehen durch Verbrennung und verursachen gerne Krebs. Vor allem in großzügigen Mengen, wie sie aus Zigaretten herausrauchen. Für Dioxine gilt das gleiche. Die unschönen Auswirkungen von Dioxinen auf Menschen, Tiere und Pflanzen hat das US Militär in Kooperation mit Monsanto als führendem Hersteller von „Agent Orange“ in einem Großversuch in Vietnam anschaulich unter Beweis gestellt.

Die Tabakpflanze hat die Eigenschaft besonders gerne verschiedene radioaktive Stoffe aus der Umgebung in sich zu binden. Das ist praktisch, wenn man etwa nach Nuklearunfällen verseuchte Böden dekontaminieren möchte. Man baut kurzerhand Tabak an, der den Boden flugs von Pollonium befreit, indem er es über die Wurzeln aufnimmt und im gesamten Blattwerk verteilt. Das ist zunächst gut für die Umwelt, aber nur solange bis die Menschen, die denn Tabak dann rauchen wieder in der Erde vergraben werden. Dann ist nämlich wieder alles beim alten. Nicht einmal die Raucher sind dann weniger, denn es wachsen immer wieder frische Raucher nach. Dieses Nachwachsen ist übrigens ein essentieller Bestandteil des Geschäftsmodells der Tabakindustrie. Tote Altraucher müssen immer weiter durch Neuraucher ersetzt werden, sonst drohen Umsatzeinbrüche.

Die unerfreuliche Wirkung von Chrom, Blei, Benzol und Blausäure auf den menschlichen Organismus soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Nehmen Sie einfach mal an, daß nichts dafür spricht, sie willentlich einzuatmen, falls am Leben zu bleiben Ihnen gelegen ist.

Wenn Sie Raucher sind, haben Sie natürlich einen guten Grund, über all diese längst bekannten Risiken hinwegzusehen. Selbstverständlich hoffen Sie, das ist Ihr gutes Recht, von amputierten Raucherbeinen, entfernten Kehlköpfen und chronisch obstruktiven lungenerkrankungen (COPD) ebenso verschont zu bleiben, wie Sie sich nach dem ersten Bypass versichern werden, daß die Gefäßerkrankung allein genetischer Prädisposition geschuldet war.

Dieser gute Grund heißt Nikotin. Das ist ein Nervengift und es macht sehr schnell sehr abhängig. So abhängig, daß Sie bereitwillig all die anderen tausende Stoffe inhalieren, die weit schädlicher sind, nur um das Nikotin zu bekommen, daß für sich genommen nicht annähernd so gefährlich ist wie der Rest vom Rauch.

Hier hält die Pharmaindustrie freundlicherweise Pflaster und Kaugummis für sie Bereit, die ebenfalls Nikotin enthalten. Wenn Sie sowas schon mal ausprobiert haben, wissen Sie vermutlich, wie lange Sie damit auskamen, bis Sie verzweifelt wie erfolglos versucht haben, sie anzuzünden, zu rauchen und schließlich wieder auf Zigaretten umgestellt haben. Es sei denn, Sie gehören zu den glücklichen 5 Prozent der ehemaligen Raucher, die sich durch diese Mittel dauerhaft ihrer Sucht entwöhnt haben.

Den verbleibenden 95 Prozent und wohl auch all jenen, die Nikotinaufkleber und -Kaugummi nie als Lösung versucht haben, mag ein ganz anderer Ansatz hilfreich erscheinen, der griffig als „Dampfen statt Rauchen“ zu bezeichnen ist.

In der Praxis geht es um einen kleinen Apparat, der alle wesentlichen Aspekte des Rauchens mit Dampf simuliert, den Sie nach Belieben inhalieren und damit auch Kringel blasen können. Kurzum können Sie damit ganz normal weiter rauchen, obwohl Sie dann in Wirklichkeit natürlich dampfen.

Das ist entscheidend, denn statt der brandgefährlichen Rauchbestandteile, inhalieren Sie harmlosen Dampf aus Propylenglygol, Glycerin und Aromen, die in der Lebensmittelherstellung Verwendung finden. Und natürlich Nikotin, das auch in dieser Form ein Nervengift bleibt und an seinem Suchtpotential nichts ändert. Damit ist klar, daß die elektonische Zigarette, so heißt der kleine Apparat nämlich, keineswegs harmlos ist. Wer mit dem Dampfen anfängt, wird ziemlich sicher nikotinabhängig. Wer aber schon so stark nikotinabhängig ist, daß er dafür ohnehin bereit ist, sogar Tabakrauch in seine Lunge zu saugen, kann von den überwiegend lifestyletauglichen Dampfgeräten deutlich profitieren.

Die gesundheitlichen Vorzüge machen sich auch olfaktorisch deutlich bemerkbar, beziehungsweise unbemerklich, denn Dampfen ist auch ein Segen für das nichtrauchende Umfeld. Weder der Dampfer, noch seine Kleidung oder sein Büro, seine Wohnung stinken mehr.

Natürlich ruft eine vielversprechende technische Neuerung wie die Elektrozigarette alsbald erbitterte Gegner auf den Plan. Offensichtlich sind dabei die notorischen Gängler und Paternalisten, denen in Ihrer subalternen Position ein Hausrecht zugefallen ist. So mutet die Deutsche Bahn AG ihren Mitarbeitern nicht zu, Dampf von Rauch unterscheiden zu müssen und verbietet den Nikotingebrauch ohne Rauch pauschal.

Der gefährlichste Gegner ist aber freilich der Staat. Der ist gewohnt 81 Prozent des Kaufpreises jeder Zigarette einzunehmen und gerät in Erklärungsnot, weil er damit angeblich ja nur seine Bürger vom Rauchen abhalten will. Wenn die jetzt nicht mehr Rauchen sondern Dampfen, leben sie gesünder und länger, zahlen aber keine Tabaksteuer mehr. Das wird er nicht lange dulden.

Auch die Tabakindustrie dürfte von Existenzängsten geplagt werden, die sie trotz aller staatlichen Prohibitionsanstrengungen so noch nie erfahren musste. Sie wird tief in die Tasche greifen, um ihre Pfründe zu retten.

19. Dezember 2011

Bundespräsidiales Karma

von Fellow Passenger

“Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann”1

  1. Christian Wulff, Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU im Jahr 2000 über Bundespräsident Johannes Rau []
2. November 2011

Sehr geehrtes “Design Management Institute”,

von Peppy der Papyrus

es freut uns sehr, daß Ihnen die visuelle Gestaltung unseres Fachmagazins so gut gefallen hat, daß sie diese gleich für eines Ihrer eigenen Projekte übernommen haben.

Wie Sie sicher wissen, stammt sie von Herrn Kubelick, dem besten Gestalter westlich der Isar. Um nicht seinen gerechten Zorn heraufzubeschwören, empfehlen wir Ihnen dringend, ihn als Quelle zu nennen. Zudem wartet er auf Ihre großzügige Spende, damit er endlich sein Lear Jet bestellen kann.

[Update:] Wie sich herausgestellt hat, haben Sie Pentagram, die beste Designagentur jenseits des Atlantik, damit beauftragt. Wenn die Besten sich bei uns bedienen fühlen wir uns gleich noch viel gebauchpinselter. Herr Kubelick braucht übrigens dringend eine Boing 747 mit Swimming Pool!
26. Oktober 2011

Gurtpflicht für Fußgänger

von Fellow Passenger

Endlich soll die kommen, die Helmpflicht für Radfahrer. Die erwiesene Tatsache, daß Autofahrer auf behelmte Radfahrer weniger Rücksicht nehmen, wird entkräftet mit dem Argument, es sei doch gar nicht belegt, daß behelmte Radfahrer risikobereiter wären.

Die meisten Unfälle geschehen im Haushalt. Es ist demnach nicht einzusehen, warum Trittleitern bis heute noch ohne Airbag in den Handel gelangen können. Viele schwere Verletzungen lassen sich auch darauf zurückführen, daß die meisten Fenster sich aufklappen lassen. Montierte man ganz einfach nur die Griffe ab, wäre es ausgeschlossen beim Fensterputzen auf die Straße zu stürzen.

Wenn es um Menschenleben geht, muß Geld natürlich die übergeordnete Rolle spielen. Eine Stadt so zu gestalten, daß Radfahrer nicht direkt vor die Kühlerhauben mobiler Wirtschaftsschwerpunkte geleitet werden ist mühsam und teuer. Jede neue geschaffene Ordnungswidrigkeit spült dagegen Geld in die klammen Kassen der Kommunen. Wenn dabei noch die fahradhelmherstellende Wirtschaft einen Aufschwung erfahren kann, ist die Helmpflicht ganz klar ohne Alternative!

Wer sich keinen albernen Plastikbecher auf den Kopf stülpen will oder kann, um nach dem Kneipenbesuch mit einen Call-A-Bike-Vehikel heimwärts zu radeln, kann sich ja einen SUV kaufen. Fast alle Automobilhersteller haben so ein Modell im Programm und amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, daß man sie auch im Vollrausch ohne Helm fahren kann. Das Restrisiko wird dabei sehr elegant auf die anderen Verkehrsteilnehmer umgelegt, so daß man selbst Radfahrern mit Pflichthelm überlegen bleibt. Als Präzedenzfall mag man die Erfahrungen des ehemaligen Generalsekretärs der CSU, Otto Wiesheu, heranziehen, in denen der nüchterne Unfallgegner dem bayerischen Politiker nichts entgegenzusetzen hatte. Hätte der Rentner ein besseres Fahrzeug verwendet, läge er womöglich heute noch der Rentenversicherung auf der Tasche.

Weil es keine Untersuchungen darüber gibt, ob ausgeschlafene Inline-Skater bei Unfällen häufiger Knochenfrakturen davontragen als hungrige Rollstuhlfahrer, fordert unsere Redaktion geschlossen eine Gurtpflicht für Fußgänger, die sowohl für Rollstuhlfahrer als auch Inline-Skater gelten muß. Unsere Versuche haben deutlich gezeigt: Wer den ganzen Tag über ans Bett gegurtet bleibt, ist zwar einem Restrisiko für “Verkehrsunfälle” mit bleibenden Folgen ausgesetzt, tödliche Verletzungen sind aber durchwegs seltener.

Wenn Sie sich nun (hoffentlich) ermuntert fühlen, Ihrem Abgeordneten zu erklären, warum er sich für eine Gurtpflicht für Fußgänger einsetzten soll, vergessen Sie nicht, jede Rückfrage mit einer Antwort zu würdigen, die zu einer Frage passt, die Sie lieber gestellt bekommen hätten. Das ist anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber was jeder Lobbyist in den Genen hat, und von jedem mental herausgeforderten Politiker mühelos kopiert werden kann, schaffen Sie auch.

21. Oktober 2011

Staatstrojaner werden in unsere Körper wachsen

von Fellow Passenger

Wenn Regierungsbehörden wider die Verfassung PC verwanzen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, werden sie bald auch andere Computer infiltrieren.

Nicht nur Automaten für die Rücknahme von Pfandflaschen haben eingebaute Computer, sondern auch Kraftfahrzeuge und sogar Herzschrittmacher1.

Noch ist nicht jede Spülmaschine online, um Auskunft über die aktuelle Trübung der Waschlauge zu erteilen. Aber schon bald wird Ihr Energieversorger messen können, wann und wie lange der Toaster Ihr Frühstücksbrot röstet. Dazu braucht er dank Smartmeter2 nicht mehr als einen Anschluss an die Steckdose. Das genügt auch, um herauszufinden, wann Ihr Fernseher welchen Sender empfangen hat3.

Menschen und Computer werden in der nächsten Zeit immer stärker miteinander zusammenwachsen. Der Abstand von Mensch und Maschine schrumpft zusehens, während die Vernetzung der Maschinen weiter rasant zunimmt. Womöglich werden die Menschen sich in fünf Jahren auf Onlineforen Tips über die Optimierung von computergestützten Beinprothesen austauschen.

Die große Frage ist, ob der Staat, also Sie, Ihre Familie, Ihre Freunde, Nachbarn und überhaupt jeder, wollen können, daß diese Systeme kompromittiert werden. Sei es von Behörden, die das Grundgesetz bestenfalls für eine unverbindliche Handlungsempfehlung halten, oder gar durch private Unternehmen, die ihr ohnehin undurchsichtiges Vorgehen durch Verschwiegenheitsabkommen verschleiern.

Im Grunde hat das Bundesverfassungsgericht diese Frage längst beantwortet: Computer zu verwanzen ist theoretisch  nur dann erlaubt, wenn das Zielsystem dabei nicht manipuliert wird. Praktisch also gar nicht, denn es würde das Grundrecht auf Gewährleistung von Vertraulichkeit und Integrität von informationstechnischen Systemen immer verletzen.

Genau das müsste Frau Justizministerin Bindestrich nur mal in die Strafprozessordnung hineinschreiben lassen. Dann bekämen die Schnüffelmogule endlich die lange von ihnen geforderte Rechtsgrundlage. Die wäre freilich nur ein weiteres Gesetz, das zu brechen sie als ihre Aufgabe sehen würden. Aber es wäre immerhin ein Anfang.

  1. Hannes Heine, Marc Neller, “Computer in der Brust“, Der Tagesspiegel (online), 20.06.2007 []
  2. Intelligenter Zähler“, de.wikipedia.org, 20.10.2011 []
  3. Prof. Dr.-Ing U. Greveler, Dr. B. Justus, D. Löhr MSc., “Hintergrund und experimentelle Ergebnisse zum Thema Smart Meter und Datenschutz“, Fachhochschule Münster, 20.11.2011 []