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Da Politiker im Regelfall von neuen Dingen nichts verstehen, halten wir es für notwendig, sie davor zu schützen. Dies ist im beidseitigen Interesse, da unnötige Angstzustände bei Ihnen verhindert werden, ebenso wie es uns vor profilierungs- und machtsüchtigen Politikern schützt.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

Die Umgehung dieser Ausdrucksperre ist nach §95a UrhG verboten.

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7. Februar 2010

Spiel auf Zeit

von Fellow Passenger

Warum muß man eigentlich wochenlang Zeitungen damit vollschreiben, ob der Bund eine CD mit Beweismaterial gegen Steuerbetrüger kaufen darf? Statt zweieinhalb Millionen Euro dafür zu zahlen, könnte die Steuerfahndung den Datenträger doch auch kurzerhand beschlagnahmen und den Datendieb anschließend  an die Schweiz ausliefern.

1. Februar 2010

Sherlock Holmes

von Fellow Passenger

Guy Ritchie hat einen Action-Reißer im Stil von Guy Richie in die Kinos gebracht. Während Sherlock Holmes und sein treuer Begleiter, Dr. Watson munter Backpfeifen austeilen und dabei lockere Sprüche absondern, bedient sich der Regisseur einer Verfremdungstechnik, wie sie spätestens seit Brechts Theaterstücken bekannt ist. Ob der Zuschauer die, zumindest bei Brecht gewollte, kritische Distanz einzunehmen vermag, wenn eine Abfolge von Tritten und Hieben zunächst in Zeitlupe per Voice-Over kommentiert wird und anschließend die selbe Einstellung nochmal in normaler Geschwindigkeit abläuft, mag von jeweiligen Zuschauer abhängen.

Die mehr oder weniger britische Aussprache der Akteure würde man sich im London der Jahre 1886 bis 1894 vielleicht antiquierter, zumindest aber etwas weniger amerikanisch vorstellen. Als in einer Szene eine US-Botschafter auftritt, ist dieser kaum am Dialekt zu unterscheiden, wobei sich das damalige Amerikanisch vielleicht tatsächlich noch etwas britischer angehört haben mag.

Was den Film interessant machen hätte können, wäre der sorgsam von Arthur Conan Doyle ausgearbeitete Charkater des bisweilen melancholischen, von professioneller Neugierde besessenen Sherlock Holmes. Mehr als die auffälligsten Merkmale abzuhaken war Darsteller Robert Downey jr. jedoch nicht vergönnt.

So sperrt sich Holmes einige Tage in sein abgedunkeltes Zimmer, ohne sich der Körperpflege zu widmen. Er beschäftigt sich stattdessen Tag und Nacht mit der Erfindung eines offensichtlich nicht wirksamen Schalldämpfers für Handfeuerwaffen. Depressive Phasen: abgehakt.

Sherlock Holmes schließt aus dem hellen ringförmigen Abdruck auf dem Ringfinger von Watsons Verlobter, daß sie zuvor schon einmal verheiratet gewesen sein musste. Aus reichem Schmuck, aber dunklerem Teint als der Ringabdruck, leitet er ab, sie entstamme einer Gesellschaftsschicht, die unterhalb jener ihres Ex-Gatten lag. Meisterhafte Beobachtungsgabe: abgehakt.

Der noble Meister der Kriminalkunst wird von seiner ehemaligen Gattin aufgesucht, was ihm sichtlich mißfällt. Deswegen will er die hochprofessionelle Diebin alsbald an Schottland Yard ausliefern. Oder etwas später. Oder doch auch gar nicht. Homosexualität: abgehakt.

Ein Homosexueller Held in einem Hollwood-Steifen mit Kassenschlagerausrichtung? Selbstverständlich nicht! Auf keinen Fall! Er muß die Ex küssen. Unbedingt! Beim ersten Mal zur Not betäubt.

Als Watson einem Experiment Holmes mit Stubenfliegen in einem Glas beiwohnt, weist er ihn darauf hin, das was er gerade trinke, sei eigentlich zur Anwendung in der Augenchirurgie bestimmt. Drogenproblem: Abgehakt.

Augenchirurgie. Trinken. Aha. Die Figur von Arthur Conan Doyle spritzt sich regelmäßig Kokain und verschwindet auch schon mal einige Tage spurlos, um sich in einer Opiumhöhle, wie sie im London des 19. Jahrhunderts verbreitet waren, häuslich einzurichten. Während des Afghanistaneinsatzes opiumabhängige Helden in einem amerikanischen Film? Freilich nicht! Politoxikomanie: Lieber weggelassen.

War da nicht was mit Boxen? Ja, Holmes war unter anderem auch geschickt im Boxkampf, wenngleich diese Eigenschaft in den Orignalgeschichten so gut wie nie vorkam. Auf keinen Fall dabei, wie Holmes sich in einem verdreckten Ring bei Straßenboxkämpfen ein Zubrot zu verdienen sucht. Apropos Boxen. Von Watson ist bekannt, daß seine Gesundheit bereits unwiederbringlich ruiniert war, als er, nach seiner Rückkehr aus Afghanistan, Holmes zum ersten Mal traf. Mit einem zertrümmerten Schulterblatt und von Typhus gezeichnet, konnte er nur bei mildem Wetter überhaupt das Haus verlassen. Ganz sicher konnte er sich nicht an Prügeleien seines Freundes beteiligen. Boxen: Unwichtig, aber abgehakt

Das blasierte Gerede, mit dem Sherlock Holmes aller Welt auf die Nerven zu fallen pflegte, wollte Herr Ritchie im Kino wohl lieber nicht zeigen. Nicht daß am Ende noch der Zuschauer genervt wird. Könnte er nicht stattdessen lieber ein paar Mal wegen irgendwelcher Bagatellen verhaftet werden? Oh, ja, er kann. Sogar zusammen mit Watson. Blasierter Dozierton: lieber weggelassen.

Für eine Ermittlung hüpft der Held aus dem ersten Stock in eine Aschentonne, setzt im Vorbeigehen den Hut eines Gauklers und eine zufällig herrenlos herumliegende Augenklappe auf, um unauffällig seine Ex-Gemahlin zu beschatten. Meister der Verkleidung: abgehakt.

Ebenfalls ein von Arthur Conan Doyle sorgfältig ausgefeilter Charakter ist Professor Moriarty, das kriminelle Genie , das Holmes intellektuell ebenbürtig ist. Wohl deswegen darf er im Film erst gar nicht mitspielen. Es wäre auch fraglich welche sinisteren Pläne er sich noch würde aushecken können, wenn schon der vorhandene Bösewicht nicht geringeres plant, als den fünf schon begangenen Ritualmorden noch drei weitere folgen zu lassen, anschließend das Britische Parlament zu vergiften und dann endlich die Weltherrschaft an sich zu reißen. Das, so behauptet er, würde ihm schon deswegen leichtfallen, weil die “verlorene Kolonie” jenseits des Atlanik, gerade durch einen Bürgerkrieg vollkommen abgelenkt wäre. Der übrigens gestapolederbemäntelte Ölfrisurenträger hatte wohl einfach übersehen, daß der amerikanische Sezessionskrieg zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung der Towerbridge im Juni 1886 bereits seit 31 Jahren vorbei war. Die Konföderierten kapitulierten bekanntlich bereits am 23. Juni 1865 in Texas. Aber auch ohne seine Ahnungslosigkeit um die jüngeren Geschicke der Welt, wirkt dieser Filmbösewicht insgesamt ähnlich furchterregend wie ein Goldhamster, der auf die Gelegenheit wartet,  aus seinem Käfig auszubüchsen.

Nach zwei Stunden beginnt man der Explosionen, ganz zersägte Schweinen und fast zersägten Hauptfiguren, Prügeleien und Sprüngen aus den Fenster allmählich überdrüssig zu werden und freut sich über den Showdown in Form eines Fechtkampfs auf der noch im Bau befindlichen Tower Bridge. Daran knüpft noch eine hastige Erklärung Holmes an Watson und seine Zukünftige, mit welchen faulen Tricks der Goldhamster alle außer Holmes zum Narren gehalten hatte.

Ein immerhin kurzweiliger Action-Klamauk, in der Gladstone als Bulldogge der beiden Hauptfiguren, durchaus überzeugen kann (wenn man darüber hinwegsieht, daß ein solches Tier bei Arthur Conan Doyle nur anfangs einmal von Watson, vermutlich im Scherz, erwähnt wird. Im weiteren Werk kommt es nicht mehr vor).

28. Januar 2010

Bimbes

von Fellow Passenger

Nach 16 Jahren Helmut “Blühende Landschaften” Kohl, 7 Jahren Gerhard “Soziale Hängematte” Schröder, dachte das Volk, mit Angela “Wir müssen gemeinsam abwarten” Merkel, kann es nur besser werden. Warum auch immer. Es wurde freilich nichts besser. Es kam Frank-Walter “Guantanamo” Steinmeier und verschwand wieder. Die Verzweiflung war schließlich groß genug, auch noch Guido “18 Prozent” Westerwelle in die Regierung zu berufen.

Nun wird die FDP als Mövenpick-Partei gescholten, als wäre allein sie daran schuld, daß anschafft, wer zahlt. Als wären sie die ersten, die gegen eine kleine Belohnung gehorsam durch den Reifen springen. Als hätten CDU und SPD es in den letzten 30 Jahren je anders gehalten.

Durch welche subalterne Dienstleister Sie regiert werden, dürfen Sie dann und wann per Wahl aussuchen. Wie Sie regiert werden, ist hingegen eine Frage, die man Ihnen aus gutem Grund nicht stellt.

27. Januar 2010

Verlagstod Google

von Fellow Passenger

Wie Wolfgang Michal einmal erklärte, wie Google “den Verlegern enorme Einnahmen entzieht”:

WM: Es geht bei den oben genannten Gesetzesvorhaben allein um die Zerschlagung von GOOGLE. Denn Google entzieht den Verlegern enorme Einnahmen.

FP: Ist die Behauptung, Google entzöge den Verlegern enorme Einnahmen, nicht selbst eine Nebelkerze? Außer der Koinzidenz zwischen steigenden Umsätzen bei Google und fallenden bei den Verlagen, kann ich dafür keine Anhaltspunkte erkennen.

WM: Da muss man dann aber schon zwei Augen zudrücken, um den Zusammenhang nicht zu sehen.

FP: Vielen Dank für diese ausführliche und anschauliche Erklärung!

Der angeklagte ist schuldig, weil er, wie jeder sehen kann, schuldig ist.  q.e.d.

24. Januar 2010

Sehr geehrter Herr Deutscher,

von Fellow Passenger

nachdem Sie mich seit meiner Kindheit immer wieder mit Ihrem höchst erstaunlichen, nun ja, Musikstück, “Marmor, Stein und Eisen bricht” behelligen, erlaube ich mir folgenden Hinweis:

Marmor ist ein Stein. Da Sie Stein bereits als brüchig klassifizieren, ist es unnötig, Marmor eigens zu erwähnen. Eisen widerum, ist vergleichsweise zäh. Es neigt eher dazu, zu zerreissen als zu brechen. Auch dieses Material hätten Sie also in Ihrer Alliteration Aufzählung weglassen können.

Bliebe also der Stein, von dem Sie irrigerweise behaupten er ginge wie “Alles, alles [sic] … vorbei”. Nun mag sich die von Ihnen kolportierte Liebe, zu welcher Ihrer drei Gattinnen auch immer, großer Dauer erfreut haben. Länger als das Leben der von ihr Erfüllten kann Liebe aber kaum währen. Sie ist also erheblich vergänglicher als der von Ihnen besungene Stein. Spätestens seit Ihrem Ableben am 9. Juni 2006 müssten Sie das ja wissen.

Hätten Sie also naheliegenderweise auf den Text verzichtet und sich vielleicht auch noch die ungemein penetrante Melodie verkniffen, müssste ich nicht jedes mal brechen, sobald ich sie höre.

Hoffentlich wissen Ihre beiden Buben zu schätzen, daß vor allem die Wiedergabe Ihres Werks partout nicht vorbeigeht.