Literaturschneeball

Herrn Poodle würde ich mich ja noch widersetzen, aber wie soll ich, mit nichts als der Feder in der Hand, gegen seine beiden Zwergteufel ankommen?

„In meinem Blog stelle ich die Fragen“, war ich bereits versucht zu sagen. Das Schlimmste ist dabei gar nicht, diese Fragen zu beantworten, sondern drei weitere Opfer zu finden. Ein Randgruppenblogger wie ich, tut sich da schwer. Ich habe ja kaum Leser. Von Leserinnen will ich gar nicht erst anfangen. Ein Großteil meiner Leserschaft kann sich ja doch nicht mal ein eigenes Blog leisten. Aber so ist das eben mit dem Schneeballsystem: Den letzten beißen die Zwergteufel.

1. You’re stuck inside fahrenheit 451, which book do you want to be?

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Das passt gut zum Thema und es auswendig zu wissen, kann ja auf keinen Fall schaden. Das wichtigste kann ich sogar schon: „Näheres regelt ein Gesetz.“

2. Have you ever had a crush on a fictional character?

Ja, ich schwärmte einst für Sherlock Holmes, das aber gar nicht auf Anhieb. Zunächst ging mir dieser blasierte Angeber mächtig auf den Senkel. Als ich Jahre später weitere Geschichten in wesentlich besserer Übersetzung las, wuchs mir dieser wahre Gentleman der alten Schule und sein nobler Charakter schnell ans Herz. Wer gerne Sir Arthur Connan Doyle auf deutsch lesen möchte, dem empfehle ich unbedingt die Werksausgabe des Haffmanns Verlages in neun Bänden.

3. The last book you bought is:

Das letzte Buch, daß ich gekauft habe war „Der Magier“ von William Somerset Maugham. Ich kam darauf, weil ich etwas über Aleister Crowley gelesen hatte, an den die Figur Oliver Haddo ja angelehnt ist. Leider erinnere ich mich nicht mehr daran, was das war. Herr Maugham war mir schon vorher bekannt, allerdings nur als Autor ziemlich bissiger Komödien.

4. The last book you read:

Das letzte Buch, daß ich gelesen habe ist mal wieder von Herbert Rosendorfer und trägt den Titel „Ungeplante Abgänge“. Das Buch enthält zwei köstliche Geschichten über den Irrsinn, der in Behörden ausbricht, wenn sie mit völlig harmlosen Ereignissen konfrontiert werden, die nicht ins Konzept passen.

5. What are you currently reading?

Im dritten Anlauf versuche ich es gerade wieder mit der „Chronik eines angekündigten Todes“ von Gabriel García Márquez. Wie es aussieht, wird es auch diesmal nichts werden. Das hat gar nichts mit dem Buch selbst zu tun. Manchmal passiert das einfach so. Dann werde ich tun, was ich in solchen Fällen immer mache: Ich lege das Buch mal für ein paar Jahre beiseite.

6. Five books you would take to a desert island:

„Krieg und Frieden“ von Leo N. Tolstoi würde ich mitnehmen. Das hat den Vorteil, daß man den Anfang schon wieder vergessen hat, wenn man zum Ende gelangt ist und es deswegen vermutlich mehrmals lesen kann. Außerdem „Survival, die Kunst zu überleben“ von Rüdiger Nehberg, damit ich bei der Lektüre von „Krieg und Frieden“ nicht vorzeitig verende. Nicht fehlen sollte „Abscheu vor der Weltgeschichte“ von Erwin Chargaff, denn ich fürchte nur auf einer einsamen Insel werde ich die Muße entwickeln es endlich zu lesen. Außerdem ist die einsame Insel ja der ideale um Ort die Weltgeschichte mal mit objekivem Abstand zu verabscheuen. Gerne hätte ich dort auch „Studium Latinum“ von Gebhard Kurz und Günter Wojaczek. Da mir die Begegnung mit lebenden Sprachen ja nicht drohen würde, bereitet mir das Studium einer toten Sprache sicher einiges Vergnügen. Zuguterletzt möchte ich „William Shakespeare — Sämtliche Werke in einem Band“ in meinem Gepäck wissen, für den Fall, daß ich mich am Ende von „Krieg und Frieden“ eines Tages doch noch an den Anfang erinnere.

Jetzt soll ich, quasi als Entschädigung, also drei weitere Blogger mit diesem Fragebogen quälen. Ich reiche den Kelch, von dem ich hoffte, er möge an mir vorübergehen, also weiter an

  1. die reizende Frau Schnatterliese, die mich ja doch liest, sogar ganz offiziell
  2. Herrn Dr. job. Los, der den Fragebogen dann an seine nächste Bewerbung anhängen kann
  3. Herrn Niemeyer, der Vermutlich die einzige Blogroll hat, auf der ich erwähnt werde, ohne das Herr Poodle auch drinsteht

30 Antworten auf „Literaturschneeball“

  1. Lieber Poodle, Sie sind mir herzlich zur Vorsprache willkommen. Sie können sich den beschwerlichen Weg zu mir nach Berlin und in den vierten Stock (ohne Fahrstuhl) aber ersparen: Dass Sie nicht in meiner Blogroll auftauchen, ist ein nur ein Versehen und wird im Laufe des Jahres nachgeholt. Versprochen!

    Ich hoffe, das disqualifiziert mich nicht von der Teilnahme an dieser Umfrage. Mit Herrn Fellow Passenger will ich es mir ja auch nicht verscherzen. Rechnen Sie, Poodle, mit einer Aufnahme in meine Blogroll also erst nach der Stellungnahme zu meinen Lesegewohnheiten. So dürfte den Formalitäten genügt sein.

  2. Lieber Herr Niemeyer,

    der 4. Stock beeindruckt mich nicht, da bin ich Schlimmeres gewohnt. Dass Sie mir die beschwerliche Reise nach Berlin ersparen ist jedoch ein feiner Zug, wiewohl ich selbst diese auf mich genommen hätte, was tut man nicht alles, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie haben aber eine bewundernswert salomonische Lösung gefunden, alle Achtung.

    Ich habe mir im Gegenzug erlaubt, Ihr mir bis dato vollkommen ungeläufiges Wirken zur Kenntnis zu nehmen, mit größtem Wohlwollen übrigens, Sie werden hocherfreut feststellen, dass Sie auch auf meiner Blogroll ein warmes Plätzchen gefunden haben, was nicht jeder von sich behaupten kann. Ich hoffe, die Platzierung in der gemeinen Basisliste genügt Ihren Erwartungen, für die Aufnahme in die elitärere Groupieliste müssten Sie sich zunächst einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, die aber mit keinerlei Garantie verbunden wäre. Hartnäckig schöntun müssten Sie mir nämlich auch noch.

    Und, Herr Passenger?

    Wieder mal gekonnt durchgezogen, das Ganze, was? Wo Sie sind, da will auch ich sein, das ist doch gleich viel gemütlicher, finden Sie nicht?

  3. Wirklich, Herr Poodle?

    Dann könnten Sie sich ja gleich mal bei Frau Fragmente, Frau Kathleen, Frau Modeste, Frau Wortschnittchen, Herrn Komma.Vorbei, und Herrn MC Winkel dafür einsetzen, daß Sie dort nicht mehr ohne meine Gesellschaft bleiben.

  4. Herr Passenger,

    es erstaunt mich nicht unwesentlich, dass Sie über meine Platzierungen offenbar besser informiert sind als ich. Die bezaubernden Frauen Fragmente und Modeste sind klar, das sind schließlich meine Groupies, wäre ja noch schöner! Frau Wortschnittchen habe ich auch schon mal zur Kenntnis genommen, sie steht auch fest auf meiner Vertiefungsliste, ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht verzettle.

    Herr Komma.Vorbei war eigentlich ziemlich einfach, ich habe ihm mehrfach erklärt, dass sowohl seine alten als auch neuen Turnschuhe einfach nur scheiße wären, schwups war ich drin, das schaffen Sie auch selbst! Und zu Frau Kathleen haben Sie ja wohl eindeutig einen besseren Draht, das will ich doch meinen!

    Zur Not machen Sie es wie ich, folgen Sie Hajotts Empfehlungen: bisschen Liebe, bisschen Schubidu, einsamer Wolf, solches Zeug eben.

    Wirklich neu ist mir aber, dass Herr MC Winkel mich ebenfalls führt, das war mir unbekannt, da muss ich gleich mal nachschauen. Aber ich werde tun, was ich kann, wird schon.

    Wenn Sie übrigens gesteigerten Wert auf eine Standalone-Platzierung legen, schlage ich vor, Sie bewerben sich bei Herrn Dahlmann. Dort würde ich, sollte ich jemals – was Gott verhüten mag – auf der Blogroll erscheinen, sofortigen und entschiedensten Protest einlegen.

  5. Sie wissen ja, mein lieber Herr Poodle,

    Informationen sind mein Geschäft. Ich zähle sogar zu den Lesern Ihrer Zugriffsstatistik. Sie machen das mit Webalizer, nicht war?

    Ihre Aktivitäten bei Nullkommanichts habe ich mit einiger Wonne gelesen. Wenn das alles war, gehe ich den bei Gelegenheit auch mal beleidigen.

    Was Ihre Groupies betrifft ist da wohl nichts zu machen, zumal ich Frau Fragmente mal auf die Füße getreten bin. Das wird sie mir nie verzeihen, fürchte ich. Zumal ich bei dem von Frau Wortschnittchen ausgerufenen „Schwanzvergleich“ gar nicht so gut abgeschnitten habe. Bei der Elitebloggerin Frau Modeste werde ich wohl auch nicht (auf der Blogroll) landen können. Ich kenne Sie ja praktisch nur aus einem Radiomittschnitt.

    Herr MC Winkel wird sich mir langfristig nicht entziehen können. Immerhin hat er sich in meinem Kommentarwesen schon gewisse Vertraulichkeiten erlaubt. Aber wenn Sie ebenfalls darauf hinarbeiten, kann das sicher nicht schaden.

    Exklusive Nennungen in Blogrolls strebe ich gar nicht an. Ich bin eher dafür, daß wir stets im Doppelpack verlinkt werden sollten. Wer den Quark bei mir liest, kommt doch an Ihnen sowieso nicht vorbei. Umgekehrt kann es kaum anders sein.

  6. Lieber Herr Passenger,

    dass dieser Providertölpel den Webalizer ungeschützt ablaufen lässt, habe ich zu meinem Leidwesen auch schon bemerkt, mal sehen, ob ich das irgendwie abgestellt bekomme. Aber wenn sie ihn schon lesen, können Sie mir sagen, womit ich Schmuddelseiten wie etwa arschficken.at verdient habe, und was sie auf die Idee bringt, mir Leser ins Haus zu spülen, ich hingegen dortselbst beim besten Willen keine Blogroll finden kann, die mich empfehlen täte, obschon ich ganz genau geschaut habe, bis hinein in die Zwölffingerdärme? Und wie finden Sie die Suchbegriffe? »Zahnprothesen Vorliebe« und »Brennende Füße« sind doch wirklich putzig, nicht? Auch »Völker Inder« (Platz 1 bei Google) bereitet mir viel Vergnügen. Auf meine Ausführungen zu Afroamerikanern (»träge herumlungernde Afroamerikaner in Latzhosen« etc.) verweist sogar irgendein Wikisonstwas, Sie müssen sie halt nicht Neger nennen, dann schaffen Sie das auch!

    Von Schwanzvergleichen halte ich mich traditionell fern, die Demütigung anderer Herren ist nicht mein Fall. Womöglich liegt in der bescheidenen Zurückhaltung ja mein Erfolgsgeheimnis.

  7. Nein, Herr Poodle, dafür habe ich keine Erklärung.

    Auch ich habe mich bereits darüber erstaunt, daß etwa dating.blogs.com mein Blog aufsucht, obschon es nichts als Abbildungen von nackten Menschen aufweist, die sich fortzupflanzen im Begriff sind.

    Der Schwanzvergleich bei Frau Wortschnittchen war selbstverständlich rein symbolischer Natur und befasste sich mit Klickzahlen. Mir liegt es selbstverständlich fern, andere Herren zu beschämen, nur weil unser Herrgott sie mit seiner Großzügigkeit an anderen Stellen bevorzugt hat.

    Google ist ja interessanterweise bis heute der Meinung, es gäbe keine Internetseiten, die auf mein Blog verweisen. Dennoch bin ich Nummer eins, wenn man dort nach „Befindlichkeitsblogs“ sucht. Dabei berichte ich über Befindlichkeiten doch nur sehr selten und eher marginal.

  8. Ein zweifaches Ha!, Herr Passenger,

    1. habe ich Ihre Angaben zu den »Befindlichkeitsblogs« sofort überprüft, und siehe da, Sie haben nicht zu viel versprochen. Wer ist es aber, der auf der Trefferseite zitiert wird? Na? Eben.

    2. ist der Webalizer jetzt dicht. Es lies mir doch keine Ruhe, nicht dass Sie mich gestört hätten, aber mit jedem anderen möchte ich meine Ferkeleien nun auch nicht teilen.

  9. Natürlich, Eure Penetranz,

    und wer hat eurer Herrlichkeit diese exponierte Plattform geboten, die zu besteigen Sie gerade mal Ihren Sekretär geschickt haben? Wer hat’s erfunden? (An dieser Stelle dürfen Sie sich heftig am Ohr gezogen fühlen) Na bitte!

  10. … ich frage mich gerade allen ernstes, wer zuerst da war – fellow passenger oder poodle? … bei mir war es in der tat so, dass ich auf die poodle-ige seite erst über diese seite hier gekommen bin … mittlerweile bin ich aber mit mir einer meinung, dass sie beide nur im doppelpack zu ertragen sind ;–) … ein muss !

  11. „poodle-ige“!

    mein bester poodle,

    auf solche wortschöpfungen muss ich mir einen single malt genehmigen, und zwar noch vor fünf uhr. wenn mein smoking bereit steht, gehe ich sofort in den club. da werden solche wortschöpfungen gottseidank, nicht hineingelassen.

    ich habe gestern, bei anbruch der blauen stunde, mir einen gin tonic gönnen lassen, der gute bombay sapphire .
    ich glaube, um die welt wieder in ordnung zu bringen, muss ich zu dem single malt (ach die schotten) noch die overtüre zu tristan und isolde anhören. damit die welt nicht mehr so poodelig ist und nicht mehr „verhübschert“ werden muss.
    hier bricht die rosarote stunde ein. da lerne ich lieber heckeln.

  12. Das ist ganz einfach, Blanca, Herr Poodle war als erster da, aber mein Blog vor seinem.

    Die Overtüre hören Sie aber bitte nicht im Club, Herr Kubelick. Da werden nächmlich nicht nur Damen nicht hereingelassen, sondern auch krawallmachende Herren hinausgeworfen.

  13. Geschätzter Poodle,

    auf Ihre vorgestrige Mitteilung zurückkommend, drücke ich hiermit meine große Freude aus, dass gerade Sie mein bescheidenes Bloggerdasein würdigen. Ich werde den 20. Mai von nun an als Festtag begehen, um sowohl mein Jubiläum in Ihrer Blogroll als auch Ihren vorzüglichen Geschmack zu feiern. Vielen Dank auch für die Hinweise bezüglich der formalen Voraussetzungen des Groupielistenaufnahmeverfahrens. Wenn ich Ihre Äußerung richtig deute, werden Sie es mir nachsehen, wenn ich von entsprechenden Bestrebungen vorerst Abstand nehme.

  14. Herr oder Frau Blanca,

    Herr Passenger, der sich noch vor kurzem als durchaus zurechnungsfähig dargestellt hat – zu Unrecht, wie inzwischen jeder weiß – ist es nicht wert, dass Sie ihn lesen. Nicht einmal die Altersfrage ist er sich inzwischen zu schade ins Spiel zu bringen. Lesen Sie also bitte in Zukunft nur noch mich. Ihre eigenen Ausführungen machen mich neugierig, insbesondere weil die Lektüre an den Besitz eines Passwortes gekoppelt ist, das verheißt Spannendes, wenn nicht Anrüchiges! Was muss ein unbescholtener Mann wie ich tun, um in den Besitz eines solchen Passwortes zu gelangen?

    Für Ihre Zurückhaltung, Herr Niemeyer,

    habe ich vollstes Verständnis. Ohnehin ist die Groupieliste inzwischen voll belegt, mehr als vier sind selbst von mir nicht zu bewältigen, weniger aus Performancegründen sondern weil der Platz zu meinen Füßen an seine geographischen Grenzen stößt. Vortreffliche Fotos machen Sie übrigens, dass selbst Politikerportraits zu Meisterwerken gerinnen können, hätte ich nie für möglich gehalten.

    Aber Sie, mein bester Kubelick,

    einen Single Malt vor 5 Uhr! Gewagt, gewagt, das muss ich schon sagen! Ich selbst trinke Single Malts grundsätzlich erst nach 5 Uhr, vor 5 Uhr bin ich mit einem Fläschchen gutem Gin voll ausgelastet.

  15. sie, teuerster passenger,

    wenn sie von musik was verstünden, wüssten sie, dass die overtüre zu tristan und isolde eine sehr lyrische angelegenheit ist. nicht etwa tollwütige thor-fanfaren und germanen-getümmel-creszendo-getöse und schlacht-kakophonien. nein, mein lieber. da hat wagner die letzten tropfen herzschmerz, wehmut und liebestrauer aus sich herausgequetsch und ein von den „top-five“ schönsten musikstücke komponiert. für wahr, mit diesem stück hat er das geschaft, was prof. faustus als krankhaftes lebensziel hatte: sich dem göttlichen zu nähern. denn diese musik ist in ihrer schönheit gottnahe und es versetzt den hörer in einen zustand des perfekten entzückens.
    mit randallieren hat das wenig zu tun. ich lehne jeder form des rabiattentums entschieden ab. der wohl-formulierter und durchdachter wiederspruch ist meine einzige waffe.

  16. Ja, Frau Blanca, der Herr Poodle hat völlig recht. Nur Ihn sollten Sie lesen. Meinetwegen, ganz unter uns gesagt, Frau Blanca, dürfen Sie mich natürlich gerne weiterlesen, aber lassen Sie es Herrn Poodle nicht wissen, sonst verliert er noch völlig den Verstand. Sie merken ja schon, wie gierig er nach dem Passwort für Ihr geheimes Blog heischt. Besser sie widersprechen Ihm nicht.

    Aber Herr Kubelick, mein Lieber,

    der göttliche Wagner sei ihnen vergönnt. Ich sehe mit Bedauern, daß ich mich mißverständlich geäußert habe, wollte ich nur darauf hinweisen, daß im Club auf musikalische Darbietungen dieser Größenordnung verzichtet wird.

  17. Die Ouvertüre zu „Tristan und Isolde“ ist wahrhaft grandios, vor allem der Tristan-Akkord gleich zu Anfang. Gigantisch. Thomas Mann soll ihn sich jeden Morgen zum Aufstehen auf dem Klavier vorgespielt haben. Auch Isoldes Liebestod ist famos. Ansonsten ist bei aller kompositorischen Grandezza auch mir zu viel Krawall im neudeutschen, unendlich melodischen Trara im Tristan des großen Maestros… Top 5 fände ich etwas zu eng, aber Olymp sicherlich.

  18. herr ole,

    ein diabolischer hinweis. war t. mann von diesem akkord erquickt? oder eher in den abgrung der leidenden boheme hineingezerrt?
    um frau wortschnittchens fragen eine musikalität zu verleihen, würde ich mich auf dem einsamen insel auf das wohltempererierte klavier freuen. die klassiker unter dem klassischen sind klasse. am klassesten. aber unter den tobenden romantiker, ist wagner einer der beganbtesten. einige russen – dieses wehleidige pack, elendiges – würde ich auch einpacken lassen, die die mit -nov und -bin enden. soundtrack zu leon der profi, wenn ich noch genug luft und mum hätte um die cd dem rabiaten gebiss eines heis zu entlocken.
    aber, lieber herr ole, ihr musikalischer feinsinn freut mich. was empfehlen sie als alternative zum rauschen des weckers um die sinne in wohlklang zu bringen? was wäre eine inspirierende ouvertüre zum aufwachen?

  19. Darf ich einstreuen, dass das Wohltemperierte Klavier kein Klassiker unter den Klassischen, wohl aber der Rocker unter den Barocken ist?

    Eine inspirierende Quelle zum Aufwachen wäre unter anderem der 3. Satz der 2. Sinfonie von Rachmanninoff, das „Et incarnatus est“ aus der Es-Dur-Messe von Franz Schubert oder „Music for a while“ von Henry Purcell, wenn es aus den vergangenen Jahrhunderten sein soll. 🙂

  20. mein lieber herr ole,

    rachmaninoff, diese alte zuzeln, ist ein weib unter den russen, ähnlich wie tchaikowsky, alte schwuchtel. ich werde meine archiven gründlich durchsuchen nach der 2. sinfonie.
    franz schubert, auch ein cry baby, (franz schubert ist zu klassik wie nitzsche zu philosophie, oida esoteriker!). aber ich glaube, es findtet sich die eine oder andere geschenkte cd vor. kaufen würde ich mir schubert niemals.
    wenn schon aus diesem jahrhundert dann doch schostakowitsch, mein teuerster.
    pergolesi, palestrina,
    laute, geige und klavier.
    wir sind papst und wir sind bluna
    mit verlaub und mit plaisir.

  21. Verlaub und Plaisir genehmigt, wobei ich an nirgendeiner Stelle etwas gegen die großen Meister Palestrina und Pergolesi gesagt haben will. So sie denn etwas enorm Maskulines zum morgendlichen Erwachen suchen, Herr Kubelick, sollten Sie eher auf Beethivens 2. Klavierkonzert B-Dur, op. 83 (bei dem John Williams für den Star Wars-Sounftrack enorm geklaut hat) zurückgreifen oder Gustav Holsts „Die Planeten“. Shostakovich hat bei mir nicht zuletzt des Jahrhunderts des Schaffens wegen keine Rolle gespielt. Die „Leningrader Sinfonie“ ist bei allem auch ein feines Stück Musik. Ihre Ablehnung gegen Schubert und Rachmanninoff kann mir indes vorerst und unter Vorbehalt überzeugender innermusikalischer Grpnde, abseits von geschlechterspezifischem Standesdünkel, nur ein Stirnrunzeln entlocken. Mit hochehrvollen Grüßen, O.C.

  22. oh musikalischer freund,

    verstehen sie mich nicht mis: sergei und peter illiych sind hervorragende komponisten. aber es zerstört meine ideale, wissen zu müssen, dass solche männer die abgründe der meloncholie so eloquent und verständlich zum ausdruck bringen konnten. sehen sie, es wird seit millenia postuliert, frauen seien gefühlswesen, männer hingegend denkende, machende, bastelnde. doch beim komponieren von nahrung, musik, lyrik und jedweder kunst, überragen die männer das sanfte geschlecht. wie paradox.
    und ich frage: wie viele männer sind an ihren gefühlen zerdeppert, wie auf schottischen klippen?
    chopin, hingegen, mag ich sehr gerne.
    ja, die soundtrack von starwars ist bitter. nur ein schlechter künstler klaut bei anderen. ein guter klaut bei sich selbst. (s. vivaldi)
    sollte mein stammstisch niveau sie beleidtigt haben, so entschuldige ich mich für meine hanebüchende kommentare. ich versichere ihnen, nichts ist unwahr.
    der erste von tchaikowsky ist das grösste.

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