Vice Versa

Cover der Ausgabe 1 des Magazins Vice
Foto: viceland.de

Für die Spreeblicker und QWERTZ-Schauer ist es längst ein alter Hut. Wir haben die Zeitschrift „Vice“ aber erst gestern zufällig auf unserer Toilette entdeckt und sind erst durch nachträgliche Recherchen auf die vorhandenen Berichte, zm Beispiel auch bei Berlin Live gestoßen.

Vom hübschen Titelbild angeregt, das eine junge Dame im einem Wald zeigt die nur mit einer schwarzen Katze bekleidet ist, haben wir das Heft unter die Lupe genommen, das auch Online verfügbar ist.

Unter dem Hochglanzumschlag findet sich eine wilde Mixtur von Extremen, was sich bereits in der Werbung zeigt. Einerseits gibt es ganz- und doppelseitige Anzeigen wie man sie aus anderen Hochglanz-Magazinen kennt. Andererseits gibt es auch Seiten die nichts als halb- und viertelseitige Werbung von unterdurchschnittlicher Qualität enthalten. Die Werbebotschaften in diesen Anzeigengräbern sind teilweise so unglücklich gestaltet, daß verborgen bleibt, was da eigentlich beworben werden soll.

Bemerkenswert ist die starke Trennung zwischen Anzeigen und redaktionellen Beiträgen. Wenn tatsächlich, was in der vorliegenden
Ausgabe nur selten der Fall ist, ein Artikel durch Werbung unterbrochen wird, geschieht das seitenweise. Teilen sich Werbung und Inhalt eine Seite, steht die Anzeige am Ende.

Ein großer Teil der Artikel der deutschen Ausgabe erscheint in englischer Sprache. Sowohl diese, wie auch die deutschsprachigen
Beiträge bedienen sich einer rauhen Umgangssprache. So fragt Gavin McInnes in seinem Beitrag beispielsweise, „Hundebesitzer! Was ist eigentlich mit Euch arrogantern [sic] Wichsern los?“

Einige der zahlreich verwendeten Kraftausdrücke wirken, als wären sie etwas ungelenk aus dem Englischen übernommen. Zumindest klingt ein Satz wie, „Katzenliebhaber sind ein Haufen von verdammten Idioten“, wenig authentisch.

Immer wieder benutzt Vice Begriffe mit Bezug zum Nationalsozialismus, ohne diesen jedoch zu thematisieren. So will Patrice Iabarra im Artikel „Bastard Power“ über Hundemischlinge wissen, daß „Hitler gerade in seinem Grab rotiert“. In dem Hundhalter-Beitrag sieht McInnes im Züchten von Katzen gar „verquere Mengele-Experimente“.

Das Bildmaterial umfasst diletantische Schnappschüsse ebenso wie qualitativ einwandfreie Agenturbilder. Unter dem Titel „Mädchen und ihre Tiere“ druckt Vice eine fünfseitige Fotostrecke mit Modeaufnahmen, die Kleidung der Maken Oakley, Mambo, Fly, Miss Sixty, Levi’s, Beyond Retro, Firetrap, Criminal, Puma, Nike, Adidas, Pepe und Putch präsentieren. Als verbindendes Element haben die Modelle jeweils ein Stofftier im Arm und in den Bildunterschriften finden sich Bemerkungen über die Kuscheltiere wie, „Meine Großmutter hat mir den zum 10. Geburtstag gestrickt. Er bringt mir immer Glück.“ Gestrickt ist allerdings nur ein gelber Schal, den das nicht klar erkennbare Stofftier um den Hals trägt, wodurch sich nicht erschließt, ob die zitierte Amy das Modell oder das Spielzeug ist. Die Aufnahmen sind nicht oder nur sparsam retouchiert. So sehen die jungen Damen nicht wie in anderen Zeitschriften nach Plastikpuppen, sondern nach echten Menschen aus, die auch mal einen blauen Fleck am Knie haben können.

Als Gegenpol zielen viele Bilder auf Ekel. Die Fotogeschichte, „10 Things To Do With A Dead Rat“ zeigt Bilder eines Rattenkadavers und kulminiert in der Abbildung dessen, was davon übrig blieb, als er mit einem Gabelstapler überrollt wurde. Wem das herausgeplatzte Nagergedärm auf dem Asphalt nicht genügt, kann den Vorgang auch online betrachten.

Ein Bericht von Sharon Cameron, die drei Affenweibchen hielt, konzentriert sich auf einen Zwischenfall, der sechs Jahre zurückliegt, bei dem eines der Tiere die Autorin angegriffen hat. Über dem Artikel ist eine durch Bißwunden verletzte, blutverklebte Hand abgebildet.

Die zahlenden Kunden von Vice sind nicht die Leser, sondern die Anzeigenkunden, denn das Heft ist gratis erhältlich. Entsprechend muß die Redaktion sich um Aufmerksamkeit bemühen uns das möglichst ohne Kosten zu verursachen. Dafür ist Provokation vermutlich das beste, weil billigste Mittel. Die Redaktion ist nicht zu beneiden.

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