Altglas

Vor einiger Zeit habe ich aus dem Fenster etwas erstaunliches beobachtet. Ein Altglas-Container wurde ausgeleert. Das ist für sich noch nicht wirklich überraschend, obwohl diese Kunststoffrollen so abstoßend gestaltet sind, daß es so einen Altglas-Container-Ausleer-Angestellten sicher einiges an Überwindung kostet, sich so einem Behälter zu widmen.

Dieses Triptychon aus beigen Plastikrollen zum Thema braun, grün und weiß soll den altglasentsorgungswilligen Menschen dazu ermuntern, seine Glasabfälle nach Farben zu sortieren. Das Interessante daran, sofern man die Entsorgung leerer Flaschen überhaupt als interessant bezeichnen will, ist daß der Lastwagen in den die Container geleert werden nur zwei Fächer hat. Das was viele fleißige Hände umweltfreundlicher Marmeladenesser und Weintrinker säuberlich in drei Kategorien sortiert hat, wird in einem Rutsch vor seinen Augen wieder durcheinandergemischt.

Nett ist das nicht. Nochmal sortieren werde ich auch nicht.

16 Antworten auf „Altglas“

  1. Scheint kein Einzelfall zu sein. Eine Webloginsassin, in Krefeld beheimatet, beobachtete berichtete im Frühjahr ähnliches. Dort besass der Lastwagen verwirrenderweise zwei Fächer für die drei Glasfarben. Was allerdings letzten Endes auch irgendwie suboptimal anmutet.

    Seit ich bei Sandra Maischberger einmal ihr Gespräch mit einem ehemaligen Geschäftsführer des Dualen Systems verfolgte, den ich so verstand, dass es sich bei der Mülltrennung im Grossen und Ganzen um ein Täuschungsmanöver zur Beruhigung des ökologischen Gewissens der Bevölkerung handelt, beschloss ich endgültig das Ganze nicht mehr allzu ernst zu nehmen.

    Andererseits weiss ich, dass schon mal jemand Bussgeld ein Bussgeld auferlegt werden sollte, weil er angeblich beobachtet worden sei, wie er Müll irgendwie falsch ablegte. Nicht im Wald oder so, sondern an einer dieser Containerstellen in der Stadt. Wie es ausging weiss ich leider nicht, hatte es nicht weiter verfolgt.

  2. @ Herr Fellow Passenger:
    Bei der Entleerung von drei Sorten Glas in nur zwei Fächer stellt sich eine Frage: Na wie denn nun?!

    Geplant planslos alle Sorten gemischt in die Fächer nach freiem Raumvolumen oder geplant planvoll buntes Glas in das eine und Weißglas in das andere Fach?

    @ Herr Thot:
    Seitdem ich ein Eigenheimbewohner bin, weiß ich das den Grünen Punkt zu schätzen. Während die Abholung von Müll (Restmüll, Altpapier, egal was) immer (unmittelbar) Geld kostet, wird der Gelbe Sack kostenfrei abgeholt. Da der Verpackungsmüll den größten Anteil ausmacht, spart das Geld. (Ja, ja, ich weiß, dass ich das mit höheren Produktkosten mittelbar zahle; aber das zahle ich auch, wenn ich nicht trenne…)

    Altpapier und Altglas fahren wir alle halbe Jahre zur Sammelstelle. Das spart auch.

    Auch als Mietbewohner zahlt man mittelbar über die Betriebskosten die Entsorgungskosten (anteilig) mit. Und da bringt dann Mülltrennung ökonomisch etwas.

    Hier in Berlin sieht es mit den Entsorgungskosten so aus:
    Hausmüll: Kosten für Abholung und EntsorgungAltpapier: Kosten für AbholungAltglas: ???Grüner Punkt: Kostenfrei

  3. Es wurden, mein Lieber Herr Thomas,

    tatsächlich buntes und farbloses Glas getrennt gehalten. Zumindest beim Befüllen des Transportfahrzeugs. Was danach geschah, kann ich nur vermuten.

    München beteiligt sich übrigens nicht am Dualen System. Das heißt konkret: Wir bezahlen zuerst den Aufschlag auf den Produktpreis und dann nochmal für die Entsorgung als Restmüll.

    Dabei gibt es vollautomatische Sortieranlagen, die Mülltrennung wesentlich besser beherrschen, als Menschen. In Großstädten beträgt die sogenannte „Fehlwurf-Quote“ etwa 50 Prozent.

    In eine Sortieranlage kippt man am einen Ende Müll rein. Danach kommt am anderen Ende Glas, Papier, sortenreine Kunststoffe und sogenannte „Trockenstabilatpellets“ raus.

    Warum kann man die Leute mit dem ganzen Quatsch nicht einfach in Frieden lassen?

  4. Wenn es wenigstens dem einen oder anderen etwas bringt, Herr Thomas ist das ja schon etwas. Im übrigen ist Müll ein riesiges Geschäft, aber das dürfte eine Binsenweisheit sein. Meiner Schwester, ebenfalls Eigenheimbesitzerin bringt das übrigens nix. Irgendwie haben die das bei ihr so geregelt, dass sie zahlen muss, egal ob sie eine Tonne wöchentlich rausstellt oder nicht. Das genaue Verfahren ist mir entfallen, nur noch die Erregung meiner Schwester im Gedächtnis, als sie erstmals in der Art und Weise abgezockt wurde.

    Ein ehemaliger Kollege der bei einem Entsorger einstieg, berichtete gelegentlich weniger Schönes, vor allem im Zusammenhang mit Krankenhausabfällen die wg. Krankheitserregern usw. eigentlich speziell hätten entsorgt werden sollten und dafür mussten die Krankenhäuser auch entsprechend zahlen. Aber das ist schon fast ein anderes Thema.

    Thema ist die wundersame Frage, warum man die Leute braune und grüne Flaschen trennen lässt, wenn man sie hinterher doch wieder zusammenschüttet. Ich mutmasse künstlerische Aspekte, eine Art Happening für Grün- und Braunglas.

  5. Bevor mich jemand missversteht. Natürlich steht bei uns auch eine Restmülltonne vor dem Haus. Geht in Deutschland nicht anders.

    Wir hatten die Wahl, ob wir eine 60l- oder 120l-Tonne mit zweiwöchentlicher Leerung (bestimmt geht auch 120l mit wöchentlicher Leerung) haben wollten. Damals war das noch ein Unterschied von 100% im Preis.

    Nun hat unser Entsorger erkannt (bzw. die Konsequenzen daraus gezogen), dass die Kosten für die Leerung (sprich Abholung) einer 60er- Tonne nicht wirklich niedriger sind, als die für eine 120er-Tonne. Der Kostenunterschied dürfte ja tatsächlich nur bei der eigentlichen Entsorgung (Vernichtung) des Mülls liegen. Also macht nun der Preisunterschied nicht mehr 100% aus. Nun sagen die Nachbarn, dass wir ja blöde wären nur eine 60er zu nehmen, wo sie doch nicht halb so teuer wäre. Na klasse Logik: Mehr Müll machen, weil Müllreduzieren sich nicht 1005ig auszahlt.

    Die Gelben Säcke bzw. die Gelben Tonnen werden vom DSD zweiwöchentlich kostenlos abgeholt bzw. geleert.

    @ The Fellow Passenger:
    Verstehe ich es richtig, dass in München keine gelben Laster vom DSD durch die Straßen brausen und den Grünen Punkt-Müll abholen?

    Böse Sache: Erst höhere Preise und dann nix davon.

    Das mit der Fehlwurfquote hat ja viele Gründe:

    Ingnoranz
    Gedankenlosigkeit
    Blödheit („Da kommt doch Plastik rein…“
    Wirtschaftliche Interessen. Je mehr ich über den gelben Sack entsorge, desto weniger Restmüll muss ich abholen lassen. Wenn man z.B. die vollgesch***enen Windeln vom Nachwuchs via gelben Sack entsorgt („Auf der Packung war doch ein Grüner Punkt…“), dann komme ich auch bei fünf Säuglingen mit einer 60er-Tonne in 14-tägiger Leerung aus.
    Verweigerung

    Was mich bei der Einführung des Grünen Punktes so sauer gemacht hat, war der Umstand, dass Leute, die vorher braf die Pappe zum Altpapier und die Flaschen zum Altglas gebracht hatte sich plötzlich „gezwungen“ sahen, aus den bewährten und funktionierenden Recyclingsystem auszuscheren und die Wertstoffe dem DSD anvertraut haben.

    Weshalb die das Buntglas nachher wieder mischen hat mir mein Vater (er hat sich, wie ich erst jetzt rausbekommen habe, in den frühen 1990ern stark mit dem Thema Müllbeseitigung beschäftigt) vor gut 10 Jahren mal ziemlich schlüssig erklärt. Leider habe ich es vergessen und beim ihm hat sich das Gedächnis vollständig verabschiedet. 🙁

  6. Nicht unerwähnt lassen möchte ich meine Aufenthalte vor dem Container, bei denen ich mich fragte, wo zum Teufel ich wohl meine blauen Flaschen einwerfen soll. Meist entschied ich mich für das grüne Fach, weil ich dem Gedanken an ein schönes blaugrünes Recycling-Glas einiges abgewinnen konnte. Phasenweise favorisierte ich auch das weiße, ein zarte lichtblaue Tönung stellte ich mir dabei vor. Dass alles umsonst gewesen sein soll, enttäuscht mich schon etwas.

  7. Achja, jetzt weiss ich wieder, wie das bei Schwesterchen lief. In einem Jahr haben sie die kleinen Tonnen abgeschafft, wobei es da Müllmarken im Zehnerblock oder so gab, d.h. man konnte die grosse Tonne auch alle 14 Tage oder wann es eben passte, rausstellen. Im Jahr darauf gab es die Müllmarken nur noch im Block für ein halbes Jahr oder so und selbstverständlich für die wöchentliche Leerung gerechnet.

    Lesen bei Ihnen kommunale Entsorgungsbetriebe mit, Herr fellow passenger? Falls ja, kann man eventuell mit der Ausweitung dieser Gebräuche rechnen. Mich als Nichthausbesitzer, als einen der unter der Brücke wohnt, tangiert das bestenfalls peripher.

  8. Das verstehen Sie völlig richtig, werter Herr Thomas.

    In München zahlt man nur für das hübsche Signet auf der Verpackung. Ob man die dann einschührt, verspeist oder in die Restmülltonne wirft, darf man selbst entscheiden. Die Entsorgung ist im Preis jedenfalls nicht inbegriffen.

    Mit „Ignoranz“ meinen Sie vermutlich Gleichgültigkeit, wie ich sie inzwischen pflege. Ich erwähne das, weil Ignoranz eigentlich Dummheit heißt, was aber kaum jemand weiß.

  9. Ihre Extravaganz in Sachen Flaschenfarbe, Herr Poodle wird eines Tages noch die Entsorgungs- und Glasrecylingindustrie in ihren Grundfesten erschüttern. Nach einer ersten Analyse mein philsophisch vorgebildeter ägyptischer Königskater und ich einer Meinung. Sie rütteln an den Grundpfeilern auf denen die Ordnung der BRD fusst. Halten Sie inne in Ihrem Tun.

  10. Ihre völlig verständlichen Ambitionen, mein bester Herr Poodle,

    die Farbe von wiederverwertetem Glas gestalten zu wollen möchte ich unbedingt ausdrücklich loben. Leider ist es in der Tat so, daß die geistlosen Verwaltungsstellen der Kommunen völlig frei von Geschmack und jedem Verständnis für Ästhetik sind. Besser knüpfen Sie Kontakte zu kunstfertigen Glasbläsern.

    Allerdings muß ich mich wundern, wie ausgerechnet Sie zu blauen Flaschen gekommen sein mögen. Üblicherweise werden darin nur minderwertige Getränke abgefüllt, um diese in den Augen des glücklosen Konsumenten aufzuwerten, um sie dadurch über Wert zu verkaufen zu können.

  11. Wenn ich Worte wie „Müllmarken“ lesen oder hören muß, mein lieber Herr Thot,

    gelange ich zu der Einsicht, daß nichts dringender erforderlich ist, als die Grundordnung der Bundesrepublick aufs Heftigste zu erschüttern.

  12. Sehen Sie, Herr Passenger? Im festen Glauben ließ man mich bis jetzt, dass blaue Flaschen ein sicheres Indiz für höchstwertige Inhalte sind. So bröckelt mein illusionäres Weltbild nach und nach in sich zusammen, eine Schande ist das.

  13. „Warum kann man die Leute mit dem ganzen Quatsch nicht einfach in Frieden lassen?“

    Weil es so herum nicht funktioniert. Ich kann mich noch gut an das Container-Paläolitikum erinnern, ich habe damals mitten in München gelebt. Die Stadt hat sich geweigert, Glascontainer aufzustellen, mit der Begründung, daß das Zeug sowieso auf der Deponie landen würde und die Containerei unwirtschaftlich und umweltschwachsinnig sei.

    Die Bürgerinitiativen haben aber die Container durchgesetzt. Deswegen gibt (oder gab es damals) diese 3-Fach-Container, die beim Ausladen am einen Ende angehoben und durch das andere Ende in 1 (in Worten: einen) Transportbehälter geschüttet werden.

    Es war purer Blödsinn, wurde publiziert als purer Blödsinn, aber die Leute wollten es so. Vermutlich, weil es einfacher ist, mega-umweltbewußt bei Nebensächlichkeiten zu sein, als wirklich umweltbewußt zu leben.

  14. Wenn nun aber, sehr geehrter Herr Gurudirk,

    Mülltrennung nichts ist, als ein kollektiver Seelentrost, für alle die beim Zähneputzen mal das Wasser haben laufen lassen, dann kann ich ja, so wie es mir auch am bequemsten wäre, das Glaszeugs einfach in den Müll werfen.

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