Angeregt durch den illusteren Herrn Ole aus Absurdistan, zitiere ich hier nun den 5. Satz aus der 23. Ausgabe des Fachmagazins für Halbwissen „The Fellow Passenger“, dessen 166. Ausgabe sie soeben lesen:
Etwas, woran er sich beim Schreiben festhalten kann.
Ein Satz, der alleine gar nicht leben kann. Vielleicht hätte ich an das Ende des Satzes davor, lieber ein Komma setzen sollen. Aber so gefiel es mir besser. Und daß ich diesen Satz einst zitieren würde, konnte ich damals freilich nicht ahnen.
Gut daß ich nicht so etwas an Hemmingway angelehntes schrieb, wie etwa, „Er setzte sich hin. Um zu Sterben. Im Regen. Allein.“
Andererseits könnte ich aufgrund dieser Stöckchenaktion natürlich versuchen, meine Artikel künftig in einem einzigen Satz abzuhandeln, wie ja auch Kleist, der für seine undendlich tiefen Verschachtelungen von Sätzen einigen Ruhm erlangte, schon mehrere Buchseiten ohne einen Punkt zu setzen zu füllen vermochte, auch wenn das der Lesbarkeit seiner, oder auch meiner Ausführungen nicht gerade zuträglich ist, was nicht bedeuten soll, daß ich mich mit Kleist zu messen beabsichtige, was aber auch auf der anderen Seite einigermaßen mühevoll zu schreiben ist, weil man sehr leicht den Überblick verliert worüber man schon berichtet hat und welcher Satzteil noch seiner ausgefeilten Vervollständigung harrt, obwohl er bereits recht komplett klingt, aber eben nicht ist, weil sozusagen das Ende fehlt, was dem gepeinigten Leser schließlich erst die Bedeutung des Geschriebenen offenbart, die er zuvor ja nur vermuten, aber nicht wissen kann, was man ihm selbstverständlich nicht verübeln mag, weil sich in der deutschen Sprache der Sinn eines Satzes häufig erst mit dem letzten Wort erschließt oder, anders gesagt, durch das Fehlen des letzten Wortes die Aussage eines Satzes vollständig verloren geht, warum die „Bild“ sogar damit rechnet, daß der Leser den Anfang eines Satzes bis zu dessen Ende bereits wieder vergessen hat und daher keine Sätze schreibt, die länger als zwölf Wörter sind, was allerdings weit weniger ist, als ich für durchaus zumutbar erachte und deshalb gerne überschreite, wenn ich Texte verfasse, von denen ich hoffe, daß sie mit einigem Genuß gelesen werden, wobei ich aber das Rezeptionsvermögen des Lesers nicht über Gebühr in Anspruch nehmen möchte und daher in Zukunft darauf verzichten werde.
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