Kino in München

Gemeinsam mit dem SPIEGEL und Spiegel Online untersucht Anke Gröner, warum es um den finanziellen Erfolg der Kinos so schlecht bestellt ist.

Dabei geht es nebenbei auch um Multiplex-Kinos. Die haben durchaus Vorteile, wie eine Bestuhlung, die angemessene Beinfreiheit bietet große Leinwände und gute Tonanlagen. Nachteilig ist dagegen der hohe Eintrittspreis und die unmäßig lange Werbung, die

Was mich an Multiplexen am meisten schreckt, ist die oft haarsträubend schlechte Qualität der Vorführung. Im MaxX in München war bei drei von vier Besuchen nicht richtig scharf gestellt, zweimal war der Ton zu leise und wurde erst auf Nachfrage lauter gestellt. An der unscharfen Projektion wurde trotz Reklamation nichts geändert.

Offensichtlich reicht es eben nicht aus, wenn ein einziger Vorführer sieben Säle bedienen soll. Scharf stellen geht am Besten, wenn Schrift im Bild zu sehen ist. Verpaßt der Vorführer diesen Zeitraum, weil er sich gerade einem anderen Saal widmet hat der Besucher Pech gehabt. Um festzustellen, ob die Lautstärke stimmt, muß der Vorführer den Saal persönlich betreten, denn im Projektionsraum kann man das nicht beurteilen. Unter Umständen sogar mehrmals. Dafür hat er aber in einem Multiplex oft keine Zeit. Seltsamerweise hat im Mathäser das sogar 14 Säle hat bislang immer alles gestimmt.

Weil mir allerdings weder 30 Minuten Werbung, noch diese Massenabfertigung behagen, gehe ich lieber ins Cinema oder ins Arri die beide mit riesigen Leinwänden und gewaltigen THX-Systemen gesegnet, dabei aber trotzdem preisgünstiger sind. Wahrscheinlich haben Multiplexe eben höhere Kosten, weil sie viele Leute bezahlen müssen, die herumstehen und aufpassen, daß sich niemand verläuft. Vielleicht ist auch das Popcornverkaufspersonal zu teuer. Aber eigentlich habe ich keine Ahnung, warum schlechte Vorführungen und die doppelte Zeit an Werbung höhere Eintrittspreise mit sich bringen.

Fairerweise muß man sagen, daß das Arri-Kino kein gewinnorientiertes Wirtschaftunternehmen ist, sondern ein Prestigeobjekt des Kameraherstellers und Kopierwerks. Das Cinema ist das aber und kann offensichtlich davon existieren, obwohl es zwischen 50 Cent und 4,50 € weniger Eintritt verlangt, als das Mathäser.

Ich kann aber durchaus auch einen Besuch im Werkstattkino genießen, obwohl das wirklich eine schmuddelige Flohkiste ist. Dafür werden dort Filme gezeigt, die sonst nirgendwo zu sehen sind. „Wasted„, zum Beispiel.

Für leise Filme gehe ich auch gerne mal ins Studio Isabella, weil es für mich zu Fuß in fünf Minuten zu erreichen ist. Filme wie „Maria voll der Gnade“ kann man sich gut mit Stereoton auf einer fünfeinhalb mal zweieinhalb Meter großen Leinwand ansehen.

Was das Kinoangebot betrifft, hat man es in München wirklich ziemlich gut.

20 Antworten auf „Kino in München“

  1. Bei meiner Stippvisite letztes Wochenende in Minga hätte ich auch gerne mal wieder den Ton im Matthäser getestet. Leider lief nur Harry Potter und der war multipel ausverkauft. Nebenan im Gabriel gab’s den debilen Zorro und für alles andere im gesamten Stadtgebiet war ich entweder zu früh oder zu spät. Sonntags 15:00 Uhr in München.

    Sie haben übrigens was verpasst auf dem Konzert der The Sealevel. Hübsche Frauen und gute Musik, auch nach dem Konzert. Aber wer weiß, ob sie auf so etwas Wert legen, Herr The Fellow Passenger.

  2. Ja, die Münchner Kinolandschaft ist ganz okay. Die Vielfalt hat aber in den letzten Jahren wegen einiger Schließungen durchaus gelitten, was ziemlich sicher mit dem Mathäser zu tun hat.
    Das ist auch ein Grund, warum ich da nur sehr ungerne hingehe.

  3. Gar nichts habe ich verpasst, Herr Burnster.

    Weder ist mir entgangen daß Ihr Kollege der frenetisch jubelnden Menge, die nach einer weiteren Zugabe verlangt, dies abschlägig beschied mit den Worten, „es gibt nichts was wir noch spielen könnten“, noch blieb mir verborgen, daß Sie ihr Bier aus eigener Tasche zu zahlen hatten, wärend Ihr Kollege seines mit einem grünen Getränkebon erlöste.

    Während ich noch versuchte die beiden Buttons an Ihrer Kopfbedeckung zu betrachten, waren Sie aber bereits wieder verschwunden um sich hübschen Frauen zu widmen, wärend ich den nervtötenden Groupies des Drummers der vorherigen Band ausgesetzt blieb.

    Welche Kinos haben denn nach der Wiedereröffnung des Mathäser dichtgemacht, verehrter Herr Thomas?

    Der Türkendolch ja schon lange davor. Atlantis, City, Isabella, Marmorhaus, Kinos Münchner Freiheit, Leopold, Eldorado, Filmcasino, Royal, Maxim, Gloria, Museum Lichtspiele, Filmmuseum, Rio, ABC, Atelier, Arena, Rex, Rottmann, Filmtheater am Sendlinger Tor, Theatiner, Tivoli und Werkstattkino gibt es nach wie vor, zusätzlich hat noch das Monopol aufgemacht. Das IMAX ist Pleite, was aber sicher nicht am Mathäser liegt und hat das Forum mitgerissen, daß als Inselkinos neu eröffnet hat. Welches Kino wurde durch das Mathäser ruiniert? Die Lupe? Die war doch seit der Eröffnung immer fast pleite. Helfen Sie mir, ich komme nicht darauf.

  4. das ist allerdings war:
    die lupe schwebt seit ihrer eröffnung in einem kritischen zustand. wie ein verwandter, der jahrzehntelang comanahe ist und die erben sabbern sich voll. aber er stirbt nicht. ich vermute, aus trotz.
    was diese etablisement nicht daran hindert, die fabulostesten cineastischen auswahl zu bieten. nirgends in münchen kann man ran sehen an einem herrlichen juni tag. alleine. nur du und die japaner.
    was jedoch stets für furore sorgt ist die werstattkino, geführt von engen verwanden der lupe führung. (ist ja klar!)

    wenn man über dem werkstattkino wohnt (was ich tat) braucht man auch keine mitglietschaft bei herrn eckhart in der filmpassage. die indizierten filme wie the thing, gibt es da auch. der zug und durchgescheurte sessel inklusive und gratis. das wunderbare bier kriegt man zu ost-europäischen preisen. danach geht man obligatorisch ins fraunhofer und geniesst die schnellste küche der stadt. der haxn ist biologisch abbaubar.
    isabella ist fantastisch. neben an, in dem kleinen französischen laden kann man die vordervorstellungnicht fertig gegessenene käseplatte kaltstellen lassen, svp, und nach der vorstellung die abgeknabberten brie sich aufs baguette wieder schmieren.
    das maxim ist wunderbarmuffig. der lärm des rings erreicht die cineasten nicht. abgekapselt und weggeholt aus dem aromatischen münchnerischen alltag nach karstadt kostemitiktheke duftend. ich schätze, diese menschen, welche diese kinos mit ideologischen stützen aufrechterahlten, träumten und träumen von paris oder berlin. und es ist so: das geleckte münchen verschwindet, sobald man sich dahin begibt und man beginnt an udes slogan der weltstadt mit herz zu glauben. nach dem film ist man davon überzeugt, münchen hat eine underground szene und das bedürfnis, eine mülltone anzuzünden oder ins offen geparkte 911er cabrio zu kotzen übermannt einen.
    kvk

  5. Auch wenn der Slogan Weltstadt mit Herz schon lange vor der ersten Amtszeit Udes existierte, mein lieber Herr Kubelick,

    freut es mich sehr, daß Sie Münchens Lichtspielhäuser hier ganz in meinem Sinne kritisieren. Daß sich eingedenk der gegenwärtigen Temperaturen keine offen geparkten 911er Cabriolets werden finden lassen, ist beinahme bedauernswert. Aber es bleiben ja die Mülltonnen.

  6. maestro,

    sie sind zu gütig. sie sind bestimmt übersättigt von perfekter rechtschreibung und fehlerfreien heinrich-mann’schen satzbau. pfui unddoppelpfui.
    wortabstände und der duden können mich an meinem knöchrigen anarchistischen popo lecken.

    es ist in der tat so, dass die 911 cabrio führer feine herren sind, um bei solch, ja fast tropischen temperaturen, offen zu fahren.
    ich nicht! ja, die alfisti haben sich in der kindheit von steinen ernähren müssen, und zwiebeln. das gibt uns auch ohne actimel genug aktivierten abwehrkräfte, um auch noch jetzt offen zu fahren. wir merken den unterschied nicht: von kettenrauchen sind unsere gliedmassen ja stets am abfrieren. das bisschen unterhalb der nullgrenze kann uns nicht erschrecken.

    maestro, lassen sie sich unbedingt zu glühweinzeit in unseren anarchistenhautpstadt blicken: mister jolly good kann sie an die feinste wurstbude münchens hinführen. mir ist es gleich: hauptsache der glühwein ist vom rum lauwarm. dabei werden auch meine protestierimpulse völlig lahm gelegt und ich schnurre wie die katze von dr. no!

  7. herr olé,
    ich bin überaus geehrt. meine überaus freie assoziationen beruhen auf wahre erfahrungen und begenbenheiten. sie, herr olé, sind von mir nicht minder verehrt. allerdins, zu meine schande muss ich gestehen, dass ich mit ihren gedankenspagaten nicht immer mithalten kann. aber da schenke wir uns nichts, glaube ich.

    an diesem freitag muss ich an ihre kamele denken. oh ja. weil es so kalt ist.

    maestro, was sagen sie: hektaliter glühwein, als abführmittel für uns alte herrschaften und die wurst als entschuldigung?
    sagen sie zu. seien sie kein ….

  8. Tut mir leid, erst jetzt wieder hier zu sein. Bin ja noch eine Antwort schuldig – also: welche Kinos haben geschlossen?

    Zugegeben, der Einfluss des Mathäser ist nicht eindeutig nachzuweisen, die meisten haben schon im Vorfeld geschlossen, begründeten das aber z.T. auch mit der Angst vor der künftigen Konkurrenz.

    – Nov. 1999: Odyssee
    – Okt. 2000: Cinerama im Kunstpark Ost
    – April 2001: Türkendolch
    – Mai 2001: Elisenhofkinos
    – Juni 2001: Stachus Kinocenter
    (damals war für Ende 2001 die Mathäser-Eröffnung angekündigt, die sich dann aber bis Mai 2003 hinzog)
    – Dezember 2003: Aeroport (2005 wiedereröffnet als Monopol)
    – Feb. 2004: Karlstor-Kinos
    – Mai 2005: Lupe 2

    Die Inselkinos haben nach einem knappen halben Jahr Betrieb leider schon wieder dichtgemacht.

  9. Vielen Dank, Her Thomas!

    Die von Ihnen genannten Geschäftsaufgaben, waren mir bis auf Türkendolch und Lupe gar nicht bewußt.

    Angst vor künftiger Konkurrenz ist aber jetzt schon ein rechter Quark. Wäre das ein zwingender Grund sein Geschäft zu schließen, dann dürfte es nach SFCC keine Cafféhäuser mehr geben. Coca Cola hätte sofort aufgeben müssen, als Pepsi auf den Markt kam. Augustiner hätte sich gehackt legen können, als Paulaner begann Bier zu brauen.

    Mir sind diese gigantomanischen Unterhaltungsfabriken wahrlich keine Freude, aber die Behauptung, die Münchner Kinolandschaft habe durch das Mathäser Schaden genommen ist haltlos.

    Zeitlich gesehen kämen nur Aeroport, Karlstor und Lupe 2 in Betracht. Zwei davon waren Programmkinos, die sich also nicht mit dem Mathäser ins Gehege kommen konnten. Vielleicht waren die Karlstor-Kinos betroffen. Ist das übrigens identisch mit dem Theater am Karlstor?

    Wenn das riesige Mathäser mit Bergen von Geld und 14 Kinosälen nur ein einziges Kino abserviert hat, finde ich das keineswegs schön, aber insgesamt unbedenklich.

  10. mister olé

    sie sind selbstverständlich ebenfalls gern erwartet an der glühweintheke. leider hatte ich just gestern vernommen, dass es doch recht kühl ist, so untätig, nur mit schlürfen beschäftigt, herumzustehen. oder trank ich zu langsam. ja. das war wohl der grund.

    kommen sie, kommen sie. am witteslbacher platz ist wohl ein autonomes weihnachstmarkt (??) vorhanden. vielleicht kann man dort direkt vor die füsse kotzen, statt in die ubahn.

  11. Gern komme ich, nur wann und wie? Der Weg ist weit, das Geld ist knapp. Fürs Erste können wir uns ja sonst gleichzeitig auf verschiedenen Weihnachtsmärkten der Republik verabreden und räumlich getrennt auf und mit einander anstoßen und ferngedanklich einander verbunden bleiben, bis die Situation sich gebessert hat und wir gemeinsam frierenm schlürfen, Kotze begucken.

  12. wann sie wollen. das mit dem geld: nun ja. es ist wie ideen: in der luf: mann muss sie nur als erster schnappen und aufs papier bringen. bevor die anderen es tut. aber eigentlich ist es egal, wer zu erst kommt. hautpsache, die idee, die gute, ist auf dem papier.

    sodbebrannt vom glühwein
    k’lick

  13. Nur einmal noch, dann geb ich Ruhe. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind Kinobetreiber. Das Geschäft läuft nicht mehr so prima wie früher, Verleih- und Immobilienmieten steigen, die Zuschauerzahlen sinken. Renovieren müsste man auch mal wieder. Vielleicht haben Sie sogar Schulden angehäuft. Wenn Sie dann mit Ihrem Banker/Anwalt/Notar dasitzen und über die Zukunft nachdenken, über einen neuen Kredit o.ä., dann schauen Sie sich selbstverständlich auch den Markt an und die Konkurrenz auf demselben. Sowohl die gegenwärtige als auch die zukünftige. Und da erkennen Sie am Horizont etwas großes. Sie können es nicht genau erkennen, aber von weitem schaut es aus wie ein gefräßiger Krake. Und dann treffen Sie ihre Entscheidung.

    Anders gesagt: den Kinos, die da geschlossen haben, denen gings schon nicht gerade blendend, auch ohne Mathäser. Aber die Angst vor künftiger Konkurrenz dürfte schon eine Rolle gespielt haben bei der Frage, ob man den Patienten nochmal teuer auf Kur schickt oder abnippeln lässt.

  14. dto.
    es hat natürlich mit der fangemeinde wenig zu tun, wenn die vermieter und sponsoren, und die assgeier heraubsausen und fangen an, das leber zu zerreisen.

    was das maxims noch am leben hällt, weiss ich nicht: vielleicht will die immobilie keiner.

    erhlicherweise muss ich zugeben, soviel wie ich von der lupe geschwärmt habe, war ich äusserst selten dort. kann sein, dass ich falsche freunde habe, aber wenn, dann war meine interesse das programm betreffend, selten erwiedert. ein kino für die misverstandenen? im mathäser, in der o2 lounge, findet man stets einen wahren freund.

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