Virtueller Umzug für Fortgeschrittene

Wer bereits ein Weblog bei twoday.net hat und mit diesem auf eine eigene Homepage mit WordPress umziehen möchte, hat es nicht ganz einfach. Theoretisch gibt es dafür das weit verbreitete Format Movable Type, das urspünglich von Six Apart entwickelt wurde. Praktisch schreibt twoday.net aber ein Format, daß zwar stark an Movable Type angelehnt, aber eben doch anders ist.

So übermittelt twoday.net zum Beispiel die URL der Kommentatoren als „EMAIL“, die E-Mail- und IP-Adresse dagegen gar nicht. Dafür schreibt es das Feld „REPLY“, das in Movable Type nicht definiert ist und daher von WordPress falsch interpretiert wird.

Auf der anderen Seite hat auch das Import-Modul für Movable Type von WordPress 2.0 eine Reihe von Fehlern.

Deshalb beschreibt der Fellow Passenger, das Fachmagazin für virtuelle Umzüge im Folgenden wie Sie den Umzug dennoch bewerkstelligen.

Vorab, was grundsätzlich nicht funktioniert:

  • Die E-Mail-Adressen der Kommentatoren lassen sich nicht übernehmen, weil twoday.net sie nicht exportiert.
  • Die IP-Adressen der Kommentatoren lassen sich nicht übernehmen, weil twoday.net sie nicht exportiert.
  • Die Struktur der Kommentare geht verloren, weil man in WordPress nicht gezielt auf einzelne Kommentare antworten kann, sondern nur auf den Blog-Eintrag selbst.
  • In WordPress haben Kommentare keine Überschriften. Sie erscheinen nach dem Umzug im Kommentartext mit vorangestelltem „TITLE: „.
  • Die Links die überall im Internet auf das alte Blog verweisen lassen sich natürlich nicht ändern. Das gilt sogar für die Verweise innerhalb des Blogs, weil die Link-Adressen sich auf Datenbankobjekte beziehen.

Als Beispiel nehmen wir an, das Blog bei twoday.net heißt example.twoday.net und sie damit auf eine Domain namens example.com umziehen möchten, auf der bereits WordPress 2.0 installiert ist, mit dessen Bedienung Sie sich auch schon vertraut gemacht haben. Außerdem setzt diese Anleitung voraus, daß Sie auf dem Server ein Werkzeug zur Manipulation der mySQL-Datenbank wie phpmyadmin installiert haben.

Die Schritte im einzelnen:

  1. Besorgen Sie sich den Patch für das fehlerhafte Movable Type-Import-Modul. Kopieren Sie die Datei mt.php in das Verzeichnis wp-admin/import Ihrer WordPress-Installation auf dem Server.
  2. Bei twoday.net exportieren Sie alle Beiträge einschließlich der Kommentare des alten Blogs in eine Datei.
  3. In dieser Datei löschen Sie alle Zeilen, die
    • „REPLY: “ enthalten,
    • und alle nichts anderes als „TITLE: “ enthalten.

    Außerdem ersetzen Sie überall

    • „EMAIL: „, durch „URL: „,
    • „http://static.twoday.net/example/images/“ durch „http://example.com/media/“ und
    • „http://example.twoday.net/files/“ durch „http://example.com/media/“.

    Schließlich korrigieren Sie noch die Namen aller Autoren und Kommentatoren, die Umlaute enthalten sollten.

  4. Wenn die Datei deutlich mehr als 10.000 Zeilen enthält teilen Sie sie in mehrere Dateien auf. Achtung: Die Trennung muß zwischen dem letzten Kommentar des vorigen Beitrags und dem Anfang des neuen Beitrags erfolgen.
  5. Diese Datei oder Dateien lesen Sie nun als „Movable Type“ über die Importfunktion von WordPress ein.
  6. Nun editieren Sie die Profile der neu angelegten User. Tragen Sie deren E-Mail-Adressen ein und setzen deren Status mindestens auf Contributor.
  7. Starten Sie nun phpmyadmin und wählen Ihre WordPress-Datenbank aus. Drücken Sie den Reiter SQL und geben den Befehl
    UPDATE wp_posts SET post_status = ‚published‘ WHERE post_status = ‚draft‘;
    in das Textfeld ein und drücken auf OK.
  8. Laden Sie alle Bilder und übrigen Dateien in das Verzeichnis media auf dem Server.
  9. Suchen Sie sich von jeder Kategorie einen Artikel heraus, rufen ihn zum Bearbeiten auf und speichern ihn gleich wieder, damit WordPress die Kategorien anzeigt.

Damit ist Ihr virtueller Umzug abgschlossen und Sie können sich sogleich daran machen, in Ihrem neuen Heim einen ersten Beitrag zu verfassen, in dem Sie überschwenglich diese kleine Anleitung loben und weiterempfehlen.

9 Antworten auf „Virtueller Umzug für Fortgeschrittene“

  1. Mmm vielleicht sollte ich das auch mal probieren das mit dem Bloggen und so?

    Haben Sie da unlängst jemandem beim Umzug geholfen, Herr Fellow Passenger, oder warum dieser Beitrag?
    Ich habe es eh nie verstanden, warum man sich nicht gleich eine eigene Domain zulegt. Da ist man dann wenigstens Herr über seine eigenen Inhalte. Und wenn man dann mal eine Klammer in der htaccess-Datei vergisst und nichts geht mehr, dann weiß man wenigstens, wem man die Hammelbeine langziehen soll.

  2. Ich denke, wenn man nicht ohnehin bereits eine eigene Domain hat, ist die Verlockung groß, sich einer dieser inzestuösen Blog-Kommunen anzuschließen, lieber Herr Zaf. Es ist ja angeblich auch so, daß man dort schneller Leser findet.

    Der Umzug steht allerdings noch bevor. Dieser Artikel beruht auf den Erfahrungen, die ich mit einer 38.000 Zeilen umfassenden twoday Datei gesammelt habe.

    Weil das alles ziemlich kompliziert ist und ich ein wenig missionarischen Eifer verspüre, bin ich aber gerade dabei aus diesen Erkenntnissen ein Importer-Modul zu schreiben. Damit geht das dann hoffentlich bald alles auch automatisch.

  3. Nun kostet eine eigene Domain mit php und mySQL-Datenbank nicht mehr allzuviel. Und diese inzestuösen Blog-Kommunen haben z.T. auch kostenpflichtige Angebote, die weit mehr kosten als ein vernünftiges Hostingangebot. Aber was rede ich eigentlich, Sie haben ja auch eine eigene Domain und sogar mit einem Unternehmen als Domaininhaber, Sie Kapitalist, Sie!

  4. Ich beabsichtige auch für einen Umzug von blogspot.com zu WordPress eine Methode, oder sogar ein Import-Modul zu entwickeln. Wenn es soweit ist, werden Sie überrascht sein, wie schnell das geht.

    Ceterum censeo blogspotinem esse delendam.

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