Music was my first love

Freiheit der Kultur auf der einen Seite, die der Schutz geistigen Eigentums auf der anderen. Es wird dieser Tage viel über diesen Konflikt diskutiert und leidenschaftlich gestritten, ob und unter welchen Bedingungen der Mensch Musik hören darf.

Schon seit Jahrzehnten gibt es dafür Regeln, die eigentlich etwas eigenartig erscheinen. Würde ich meine Mitbewohner im Badezimmer versammeln um meiner Interpretation von Smoke on the Water aus der Badewanne zu lauschen, hätte ich sogleich Gebühren an die GEMA zu entrichten.

Man merkt diesem Modell schon an, daß es nicht besonders realistisch ist. Ich sehe ein, daß es unfair wäre, Geld damit zu verdienen, die Musik eines anderen vorzutragen, ohne das dieser etwas davon hat. Aber im kleinen, privaten Umfeld muß es doch möglich sein, seine Empfindungen über Musik auszudrücken, selbst wenn man sie nicht selbst komponiert oder verlegt hat.

Schon heute gilt die Regelung, ein kopiergeschütztes Musikstück zu kopieren ist eine Straftat. Bitte was? Etwas was technisch gar nicht möglich ist, wird unter Strafe gestellt? Wozu denn das?

Seit Generationen drücken Menschen ihre Gefühle füreinander durch Musik aus. Nicht umsonst handeln die meisten Lieder von Liebe. Wer hat in seiner Schulzeit nicht versucht, seiner Angebeteten die eigenen Empfindungen durch eine Zusammenstellung passender Musik Ausdruck zu verleihen? Vielleicht hat Brigitte Zypries nie so einen selbstgebackenen Sampler bekommen und will es heute allen heimzahlen, die sie einst verschmähten.

Anders ist kaum zu erklären, weshalb sie diese Tradition ab nächstem Jahr als Straftat definiert wissen will. Es sei denn, die Entertainment-Lobby hätte da vielleicht etwas, nun ja, bei der Entscheidungsfindung nachgeholfen. Das werden wir so genau aber wohl nicht erfahren, weil Transparency International in Deutschland gerade mit einer eigenen Angelegenheit befasst ist.

Wenn musikalische Liebesbekundungen künftig strafbar werden, muß man sich aber nicht wundern, wenn die Deutschen nicht genügend Kinder bekommen. Ohne Musik kommt man halt nicht zusammen.

3 Antworten auf „Music was my first love“

  1. Ich wünsche mir, dass ein mächtiges Eigentor für die Industrie daraus wird. Da will ich nicht dem massenweisen Raubkopieren das Wort reden, sondern Aktionen wie Fairsharing, oder auch der Idee letztlich mehr Geld mit CD’s zu verdienen, indem man dieselbigen einfach erheblich billiger macht und auf den Kopierschutz ganz verzichtet.

  2. Hochverehrter Herr Fellow Passenger,

    Sie kennen mich ja als strikten Befürworter der Ablehnung jeglicher Verschwörungstheoriegegener.

    Gestatten Sie mir daher, darauf hinzuweisen, daß der Autor des obigen (im Übrigen ausgezeichneten) Artikels im Eifer des Gefechts leider einen Aspekt völlig außer acht gelassen hat:

    Die seit Jahrzehnten dahinsiechende Bauindustrie wir einen ungeheueren Boom erleben. Alleine die Errichtung von zusätzlich benötigten geschlossenen Heimen für jugendliche Musikliebhaber und der Bau von Jugendstrafanstalten für Wiederholungstäter wird dieser Schlüsselindustrie einen ungeahnten dynamischen Auftrieb bescheren, falls diese segensreichen Einrichtungen in Tatortnähe entstehen sollten und nicht in Osteuropa.

    Natürlich wäre in der warmen Jahreszeit auch eine Unterbringung der Musikterroristen auf einer Insel denkbar, ein Guantanamo auf Rügen z.B. (Helgoland wäre wohl zu klein) oder die Einquartierung in brachliegende Arbeitslager früherer Zeiten. Polen wäre da gegen entsprechende Mietzahlungen sicher bereit, zu kooperieren. Vielleicht hat man im Justizministerium ja etwas weiter gedacht als üblich.

  3. Damit sprechen Sie einen bemerkenswerten Nebeneffekt an, mein lieber Herr Sampler. Auch die Systemgastronomie könnte davon profitieren. Dieser Branche geht es zwar bereits ausgezeichnet, aber vielleicht wird sie ihr Personal aufstocken müssen, um so viele Musikverbrecher zu verköstigen.

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