Sichtschutz

Sehen Sie, verehrte Constantin Film AG,

neulich kaufte ich eine Video-DVD aus Ihrem Hause. Ich hatte den Film Wer früher stirbt ist länger tot bereits im schönen Filmtheater Casino am Odeonsplatz zu München genossen und war uneingeschränkt begeistert. Flugs habe ich einige gute Freunde eingeladen und einen Videoprojektor nebst Leinwand besorgt, um diesen gelungenen Film nochmals zu betrachten, den ich für den vorläufigen Höhepunkt deutscher Filmkunst halte.

Niemals werde ich die Blamage vergessen die mir zuteil wurde als ich die soeben aus ihrer Folienverpackung befreite DVD in das Abspielgerät einlegte. Denn es gab nichts als ein paar grüner Klötze auf der Leinwand zu sehen. Ich erspare mir an dieser Stelle zu schildern, welche zahlreichen Versuche die technischen Gegebenheiten zu ändern ebenfalls erfolglos blieben.

Tags darauf ließ ich die DVD umtauschen und mußte feststellen, daß auch der Ersatz nicht funktionierte. Freundlicherweise nahm der Händler das Objekt ohne Umschweife zurück und erstattete den vollen Kaufpreis in bar.

Dieses ausgesprochen unerfreuliche Erlebnis hatte ich bereits verdrängt, als ich gestern aus einer gut sortierten Videothek Das Parfum auszuleihen beliebte. Sie ahnen es bereits: Der Film ließ sich nicht abspielen. Ich gab ihn mit einem entsprechenden Vermerk zurück und selbstverständlich berrechnete mein Videothekar keine Gebühren dafür.

Weil es mir schwer fiel mir vorzustellen, daß die Constantin Film Aktiengesellschaft schlicht zu blöde ist, funktionierende Video-DVDs herzustellen habe ich die Sache näher untersucht.

Das Ergebnis: Die genannten DVDs sind mit einem „Kopierschutz“ versehrt versehen der sich DVD-Movie-Protect nennt und von der X-Protect GmbH aus München stammt. Der Defekt ist offensichtlich ihrerseits gewollt und in voller Absicht herbeigeführt.

Sie werden sicher verstehen, daß es mir schlicht zu mühsam ist, jede DVD zu kaufen, auszuprobieren und gegebenenfalls wieder zurückzugeben, ehe ich sie ansehen kann.

Mithin wollen Sie freundlicherweise zur Kenntnis nehmen, daß ich an Ihren Home-Entertainment-Produkten nicht länger interessiert bin.

10 Antworten auf „Sichtschutz“

  1. Ihre Schlussfolgerung ist die Schlussfolgerung, die jedes halbwegs intelligente Wesen ziehen würde, mein lieber Herr Passenger. Teile der Entertainment-Branche sind allerdings nicht nur zu dumm, diese einfache Kausalkette zu durchdringen, sondern auch noch unfähig, einen Zusammenhang mit den pekuniären Ergebnissen ihrer Geschäftstätigkeit zu erkennen. Helfen wird diesen Schlaubergern nichts, ich fürchte, da ist Hopfen und Malz verloren.

  2. Ich gebe Ihnen Recht, Herr Poodle: Es hat alles keinen Sinn. Vor allem nicht der Konsumverzicht einiger weniger. Dass passiert, was passieren sollte, nämlich das eine oder andere Unterhaltungsunternehmen an seiner schändlichen Produktpolitik zugrunde geht, glaube ich jedoch nicht. Aufgeweckte – und konsequente – Genossen wie den geschätzten Herrn Passenger oder auch Sie gibt es ja offenbar nicht in allzu großer Zahl.

    Trotzdem wird dieser Kopierschutzmist wieder verschwinden. Es muss sich nur eine Beratungsfirma finden, die das teuer genug als Trend an die Schlüsselfiguren in der Branche verkauft. Entscheidungsträger glauben solchen Leuten ja fast alles.

  3. Wollen wir eine Beratungsgesellschaft aufmachen? Ja? Bei allem Enthusiasmus müssen Sie mir jedoch noch ein Weilchen Zeit geben, um die Spiegel in meiner Wohnung abzunehmen und die hässlichen, helleren Stellen an der Wand mit passendem Bildschmuck zu kaschieren.

    Ich habe mir übrigens jüngst einen Film aus der SZ Cinemathek gekauft und noch gar nicht angesehen. Wird mich dort ähnliches Unheil erwarten? Ich habe nur eine sehr schnörkelloses Abspielgerät älteren Datums…

  4. Vergessen Sie bei der Agenturgründung nicht, auch ein paar Flachbildschirme und eine Kaffeemaschine im Wert von mindestens 1.000 € aufzustellen. Ich schlage den Namen „Bullshit Un Ltd.“ vor.

  5. Mancher unbedarfte Zeigenosse könnte nach ihren Erlebnissen, Herr Fellow Passenger, eventuell auf die Idee kommen, sich die auf den Original-DVDs nicht ansehbaren Filme als Kopie aus dem Internet zu besorgen. Klingt wegen des „Kopierschutzes“ merkwürdig, könnte aber dennoch von Erfolg gekrönt sein.

    Glücklicherweise gibt es heutzutage keine unbedarften Zeitgenossen mehr. Davon scheint jedenfalls die Constantin Film AG auszugehen, gehe ich mal von aus.

  6. Ich fürchte, Sie haben völlig Recht mein bester Herr Poodle. Allerdings war mir Realitätsfremde solchen Ausmaßes bislang nur aus der Politik bekannt. In der Wirtschaft scheint mir dieses Modell beliebiger Idiotie nicht tragfähig.

    Verschwinden wird diese kundenfeindliche Praxis des Mißtrauens wohl schon, mein geschätzter Herr Niemeyer. Allerdings wage ich nicht damit zu rechnen, ehe deren Anhänger Konkurs anmelden.

    Was Filme aus dem Verlag der Süddeutschen Zeitung betrifft, mein lieber Herr Michael, bin ich zuversichtlich, daß Ihnen kein Ungemach widerfahren wird. Meiner eigenen Erfahrung nach gilt dort das Prinzip guter Preis ohne Schnickschnack.

    Überhaupt mag sich ja die Frage stellen, verehrtester Herr Solon, wie lange es dauern kann, bis einschlägige Kopierprogramme vorsehen, verstümmelte Dateistrukturen automatisch zu korrigieren. Ob dieser Zeitvorsprung genügt, um die Zahl der vergraulten Kunden aufzuwiegen bezweifle ich stark.

  7. Nichts gegen hochwertige Kaffeeemaschinen, Herr Niemeyer, ja? Solange Sie die doofen Vollautomaten meiden und das Geld lieber in einen ordentlichen Druckaufbau investieren, ist gegen hochwertige Kaffeemaschinen rein gar nichts einzuwenden.

    Auch was Ihre pessimistische Sicht auf den Fortbestand der Entertainment-Branche angeht, stimme ich Ihnen nur bedingt zu: So richtig gut geht es ihr ja längst nicht mehr, und ich glaube fast, das hat auch damit zu tun, dass sie in weiten Teilen zur Realitätsverdrängung neigt.

  8. Ich habe einen Flachbildschirm, neuerdings eine sauteure Kaffeemaschine und Nachforderungen wegen häßlicher weißer Flecken an gelben elfenbeinfarbenen Wänden am Hals. Auf den Erwerb von kopiergeschützten DVDs werde ich deshalb eine Weile verzichten müssen.

  9. als ahnungsloser macianer, hatte ich solche probleme noch nie. einzig und alleine offenbaren sich die rechnerinterne dvd-abspielgeräte als weitaus sensibler als die jenige, die an einem fersehgerät angeschlossen sind. als ich noch mitglied eines dvdtheks war, brachte ich mehrere dvd’s ungesehen zurück und klagte. doch in dem abspielgerät der niederen qualität liefen die produkte. hm?

    was ich allerdings über den film »das parfum« zu ohren bekamm, sollten sie froh sein, dass das ansehen dieses filmes ihnen ersparrt geblieben ist, bester mister jolly.

  10. Ja, bester Herr Kubelick, das mit dem Parfum hatte ich mir schon gedacht als ich seinerzeit das Buch las. Manchmal entsteht aber auch aus einer käsigen Romanvorlage ein hübscher Film, den man sich zumindest beim Bügeln ansehen kann.

    Leider kann ich eine an den Fernseher anzuschließende Vorrichtung zur Wiedergabe von auf DVD gespeicherten Filmen überhaupt nicht gebrauchen. Ich habe nämlich kein Fernsehgerät.

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