Völliges Versagen der sowjetischen Öffentlichkeitsarbeit

Die USA sind ein Land begabter Vertriebsleute die sich trefflich darauf verstehen, beinahe jedem auch stinkende Exkremente als begehrenswertes, lieblich schimmerndes Edelmetall zu verkaufen.

Natürlich wissen sie auch, wie man einen Krieg richtig in Szene setzt. Das Prinzip AIDA (Attention, Interest, Desire, Action) gilt auch dort. Rechtzeitig vor dem Angriff auf den Irak war die Öffentlichkeit bestens informiert. Wo das zu überfallende Land liegt, wer die Guten (USA) und wer die Bösen (Saddam Hussein) sind, welche Edelwaffen mit chirurgischer Präzision die Zivilbevölkerung verwöhnen verschonen sollten. Auch wann die Angelegenheit zur Zufriedenheit der Welt erledigt war, wurde dem interessierten Kriegszuschauer zum geeigneten Zeitpunkt mitgeteilt. „We have prevailed — Mission accomplished“, Klappe zu — Affe tot.

In der ehemaligen UDSSR klappt hingegen gar nichts. Georgien kann man wenigstens geographisch einigermaßen einordnen. Aber Südossetien? Das kann man ja kaum aussprechen. Abchasien ist da auch nicht besser. Ein Bruch eines einseitig erklärten Waffenstillstands durch die Gegenseite als Kriegsgrund? So kann man doch selbst eingefleischte Kriegsfans nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Wo sind die Grausamkeiten, die die Weltöffentlichkeit erschaudern lassen? Massenvernichtungswaffen, selbstherrliche Despoten, die schon zum Frühstück Knabenschenkel in Aspik verspeisen? Fehlanzeige.

Außer Wladimir Putin, dem blonden KGB-Kobold, gibt es keine werbewirksame Starbesetzung, wie die Koalition der Willigen. Kein Videostream im Internet zeigt grünliche verrauschte Aufnahmen von den ersten Einschlägen lasergelenkter Raketen in das Hauptquartier des rivalisierenden Erzbösewichts. Man weiß ja nicht einmal wer das überhaupt ist.

Embedded Journalists gibt es auch keine. Ja sollen die denn vielleicht auf gut Glück einfach selber ins Kriegsgebiet reisen, wo sie am Ende womöglich nur Bilder des Grauens vorfinden?

Auf wessen Seite die Welt stehen soll, wurde ihr auch nicht gesagt. Sind es die Gaslieferanten, bei denen Exbundeskanzler Schröder sein Heil gefunden hat oder ist es das werdende NATO-Mitglied auf dessen Staatsgebiet die umkämpften Territorien, wenn auch eher zufällig, liegen?

Anstelle wohlfeiler Expertisen von Peter Scholl Latour über die im Krisengebiet herrschenden Machtstrukturen, lassen sich Hintergrundinformationen über den Kaukasuskonflikt eher bei „Spiegelfechter“ als bei den etablierten Medien finden.

Zudem ist ja völlig unklar, ob sich der Krieg eigentlich lohnt, vulgo ob es in Südossetien und Abchasien nennenswerte Öl- Gas- oder wenigstens Uranvorkommen gibt.

Mit derart lausiger Öffentlichkeitsarbeit kann man im dritten Jahrtausend keinen Krieg mehr verkaufen.

4 Antworten auf „Völliges Versagen der sowjetischen Öffentlichkeitsarbeit“

  1. Die Öffentlichkeitsarbeit, also die Manipulation der Medien, ist immer Aufgabe des Veranstalters. Sicher steht in den Russischen Medien etwas anderes als in den Deutschen. In Georgien dürfte die Informationslage nochmal anders aussehen.

    Aber meinen Sie nicht, Herr Bärmann, daß zu Beginn des Irakkrieges auch der letzte Abchasier wusste, was er nach Auffassung der USA wissen sollte?

  2. „selbstherrliche Despoten, die schon zum Frühstück Knabenschenkel in Aspik verspeisen“

    Und das soll schmecken? Vielleicht haben die Despoten heutzutage auch einfach etwas Biologie gelernt und wissen, daß der Mensch als Spitze der Nahrungskette eher eine Art Endlager für Schwermetalle, Pestizide u.a. ist. Das potenziert sich natürlich im Laufe eines Lebens, weswegen Knabenschenkel sicherlich weniger verseucht sind als Schenkel reiferer Herren. Aber dennoch ist’s vielleicht der Gesundheit zuträglicher Schenkel blutjunger Osterlämmer zu essen, diese haben wenigstens nur pflanzliche Kost zu sich genommen. Auch wenn ich als Ovo-Lakto-Vegetarier eher davon abrate.

  3. Vermutlich ist das vor allem eine Frage der Zubereitung, bester Herr ZAF. Allerdings wäre es auch möglich, daß die Mehrzahl der selbstherrlichen Despoten eher unscheinbare Essgewohnheiten pflegen. Zumal Ihr Einwand berechtigt ist. Immerhin dürften selbst Säuglingsschenkel durch Schadstoffe aus der Muttermilch bereits stark belastet sein.

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