Sauce Béchamel

Schmilzt man Butter in einem Topf, rührt etwas Mehl dazu und gießt das ganze mit Milch auf, hat man schon eine Sauce Béchamel hergestellt. Gut, eigentlich gehört noch eine Zwiebel darin gekocht, an die man mit Nelken ein Lorbeerblatt geheftet hat und ein wenig Sahne dazu 1)Richard Hering, Lexikon der Küche, 18. Aufl., 1984, S. 40. Die größte Herausforderung besteht darin, daß Lorbeerblätter frisch sein müssten, um sich mit getrockneten Nelken irgendwo festheften zu lassen. Also wirft man das Lorbeerblatt eben einzeln in die Sauce.

Wem das alles zu mühevoll erscheint, der wird von Nestlé angehalten, etwas fertig zu kaufen, daß sie „Sauce Béchamel“ zu nennen wagen. Warum sie das da drauf drucken dürfen, mag man sich allerdings fragen, sobald man der Zutatenliste ansichtig wird. Zum Beispiel, wenn man die hier abgebildete Verpackung im Kühlschrank vorfindet 2)Der Autor hat dieses Produkt weder erworben, noch verkostet und hat keine Kenntnis wer dessen Eigentümer ist..

Weiße Pampe, aus billigen Industrieabfällen, hübsch in Pappe, Alufolie und Plastik gefüllt und in Verbrauchermägen entsorgt.
Weiße Pampe aus Industrieabfällen, hübsch in Pappe, Alufolie und Plastik gefüllt und in arglosen Verbrauchermägen entsorgt.

Auch der Hinweis „Ohne die Zusatzstoffe Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker“ stimmt eher nachdenklich, passt aber ins Gesamtkonzept. Der übelriechende Mansch hat mit Béchamelsauce ähnlich viel gemein, wie der Hinweis mit deutscher Sprache. Erfreulich immerhin, daß bei der Herstellung Trinkwasser zum Einsatz kam. Man würde sich über Brauch- oder Abwasser wohl auch nicht mehr wundern.

Warum sich Spuren von Senf und Sellerie finden, aber keine von Zwiebeln oder Butter und was Eigelb darin verloren hat, an dem es in der Mayonaise derselben Marke entschieden mangelt 3)Das Produkt enthält laut Herstellerangaben, allerdings „viel“ Eigelb., werden wir wohl nie erfahren.

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1. Richard Hering, Lexikon der Küche, 18. Aufl., 1984, S. 40
2. Der Autor hat dieses Produkt weder erworben, noch verkostet und hat keine Kenntnis wer dessen Eigentümer ist.
3. Das Produkt enthält laut Herstellerangaben, allerdings „viel“ Eigelb.

11 Antworten auf „Sauce Béchamel“

  1. Von Nestle kaufe ich schon lange nichts mehr, Herr Fellow Passenger. Zusammen mit Procter & Gamble und Unilever befindet sich das Unternehmen ganz oben auf meiner persönlichen Haßliste zu boykottierender Unternehmen.

    Den Geschmacksverstärker versteckt man heutzutage auch geschickt in der Zutat Hefeextrakt, da fällt das nicht so auf und man darf das Produkt trotzdem als „ohne Geschmacksverstärker“ ausloben.

    Geschickt ist auch die Formulierung „Ohne die Zusatzstoffe Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker“. Der flüchtige Leser denkt da doch glatt, es seien keinerlei Zusatzstoffe im Produkt. Dabei sind nur Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker gemeint.

    Nestle hätte dem Trinkwasser auch noch zwei, drei Salze zufügen können, dann hätten die’s als Tafelwasser verkaufen können. Dafür könnte man doch glatt zehn Cent mehr verlangen.

    Vor fast einem Jahrzehnt gab’s übrigens mal einen lesenswerten Test verschiedener Fertigsaucen: http://web.archive.org/web/20041026210059/www.jungewelt.de/1999/06-19/022.shtml

  2. „Bewirkt mülliges Aufstoßen“ …
    Phantastisch und ‚the internet at it’s best‘, wie Ihre Sauce Bechamel via ZAF punktgenau auf die Goldader des von diesem verlinkten Artikels geschlagen hat. Große Küche!

  3. Dabei wäre gegen Geschmacksverstärker ja nicht mal unbedingt etwas einzuwenden, bester Herr Zaf. Immerhin enthalten alle möglichen Pflanzen ja von Natur aus Glutamat oder Glutaminsäure. Das Problem ist ja eher, daß die Umami-Note aus Öl mit Kleister keine Béchamelsauce macht. Aber an den Spargelschändungsartikel mußte ich auch denken, als ich über den grausigen Kühlschrankfund berichtete.

  4. Was schnüffeln Sie auch in anderer Leute Kühlschränken rum, Herr Fellow Passenger. Ich vermute mal, dieses Produkt lebensmittelchemischer und -technologischer Raffinesse haben Sie nicht in Ihrem eigenen Kühlschrank gefunden.

    Aber da fällt mir ein, Sie sind eh auf dem Zensurtrip, wenn ich Ihre Kommentare bei mir richtig deute (es ist schon spät, da bitte ich um Nachsicht, sollte ich völlig danebenliegen). Warum also nicht die Kühlschrankinhalte von Freunden, Bekannten und Nachbarn zensieren? Das könnte zumindest ganz spaßig werden, dürfte man doch in den meisten Kühlschränken ein paar vergessene und verschüttgegangene Leichen in den hintersten Ecken finden.

  5. Erschütternderweise entdeckte ich dieses Raffinierieprodukt in meinem eigenen Kühlschrank, werter Herr Zaf, dessen Nutzung ich aber auch anderen gewähre, mit dem bekannten Ergebnis.

    Sie meinen einen Aufkleber auf der Kühlschranktür mit dem Text: „STOPP! Sie sind im Begriff auf chemische Industrieprodukte und potentiel gesundheitsschädliche Organismen zuzugreifen.

    Der Zugriff auf solche Kühlschankinhalte ist illegal und Ihr Zugriffsversucht wurde soeben an ihre Krankenkasse weitergeleitet.“?

    Natürlich bin ich überhaupt nicht auf dem Zenzurtrip. Die angeregte Inhaltskonrolle im Netz dient ja schließlich einer guten Sache: Leute bevormunden und großes Geld verdienen. Da kann man doch nicht von Zensur sprechen!!!1

  6. Ach, Herr Fellow Passenger, bei Ihnen klingeln hin und wieder die Nachbarn oder gar Wildfremde und fragen, ob sie was im Kühlschrank lagern können? Da passen Sie bloß auf, daß Ihnen da keiner Plastiksprengstoff, Pornohefte, Drogen o.ä. unterjubelt.

  7. OT – Mag auch so ein Stopp-Schild von Patrick Stößer – die >Stoppt die Vorratsdatenspeicherung<- site gibt’s aber nicht her … Wer hat Rat?, oder: Hat wer Rat? Oder gar den code?
    sänx
    ::-)
    -p-

  8. Vielen Dank, Monsieur Passenger! Ist installiert.
    Ein Tröpfchen auf den heissen Stein, aber ein weiterer kalter Guss für die richterlosen Möchtegern-Kommunikationsherrscher.

  9. Ich finde ja, dass Menschen, die zum käuflichen Erwerb solcher Ratz-Fatz-Fertigpanschereien neigen, selbst mit einer von Ihnen so wunderbar inkriminierten Sauce Béchamel noch prima bedient sind. Dieser Bande von Nichtskönnern gehört noch viel Schlimmeres eingeflößt. Mit Gewalt.

  10. De rien, Monsieur Pecas.

    Was wollen Sie jenen trostlosen Konsumenten noch gewaltsam einflößen, mein lieber Herr Rationalstürmer, wenn sie doch für jeden Dreck freiwillig ihren Lohn geben, um ihre siechenden Leiber damit zu füllen?

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