Charme-Offensive der Jako AG

Die Jako AG, ein Sportbekleidungshersteller aus Mulfingen sieht durch die Kritik des Kleinblogs „Trainer Baade“ aus Duisburg ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet. „Trainer Baade“ ist offenbar vom neuen Firmensignet der Jako AG nicht so recht überzeugt und hält das Unternehmen für eines, das große Stückzahlen qualitativ einwandfreier Produkte zu einem günstigen Preis anbietet. Diese Meinung schrieb er in sein Blog. Die durch das Unternehmen eilends eingeschaltete Mediatorin Iris Sanguinette der Kanzlei „Horn & Kollegen“ aus Neckarsulm kam zügig zu der Auffassung, daß freundliche Worte ihre Mandantin nicht vor dem wirtschaftlichen Ruin würden retten können und mahnte ab.

„Trainer Baade“, gar nicht auf Ärger aus, löschte den als „Schmähkritik“ gerügten Blogeintrag unverzüglich und unterschrieb eine Unterlassungserklärung. Immerhin bietet das Blog unsinnigerweise fußballfeldgroße Angriffsflächen, weil es Werbebanner zu Anbietern von Fußballdevotionalien verlinkt.

Die Werbeeinnahmen dürften allerdings kaum genügen, um auch nur die paar Eurofünfzig Kosten für Webhosting einzuspielen. Das Blog hätte für die Jako AG allenfalls eine Gelegenheit sein können, ganz gefahrlos vor kleinem Publikum ihr neues Corporate Design zu erklären.

Offenbar gehört zu einer gelungenen anwaltlichen Mediation aber die vollständige Vernichtung der Gegenpartei als Ziel. Die geht heute so:

Entweder die Jako AG oder die Kanzlei hat eine Website gefunden, die automatisch von Hinz und Kunz und eben auch „Trainer Baade“ die Inhalte klaut und selbst wieder veröffentlicht. Damit, so findet die Jako AG, verstößt „Trainer Baade“ gegen die zuvor abgepresste Unterlassungserklärung. Folglich soll der Blogbetreiber auch noch dafür einstehen, daß irgendwer, vermutlich ungefragt, seinen Text kopiert hat.

Am Ende wird die Jako AG vielleicht feststellen, daß kleine Kritiker zu massakrieren der Marke mehr schadet, als der Werbeetat je bringen kann. Wenn die Jako AG schlau ist, wartet sie nicht darauf, daß Frau Sanguinette aus dem Urlaub zurückkommt, sondern glättet die Wogen selbst, ehe es zu einem PR-GAU kommt.

Suchmaschinen assoziieren die Jako AG schon jetzt mit ALDI und LIDL (was wohl nicht gewünscht war) und führen zu Anmerkungen, die es ohne die „Mediation“ durch Horn & Kollegen kaum hätte geben können:

pepilog.de
allesaussersport.de
niveau-ist-keine-creme.de
www.phase-5.net
www.ruhrbarone.de
www.eintracht.de

Das ist nur ein Auszug der ersten zehn Treffer bei Google zum Suchbegriff „aldi lidl jako„. Die anderen 107.000 Artikel zum Thema haben wir uns nicht angesehen. Wir sind das Fachmagazin für Halbwissen und nicht das Statistische Bundesamt.

[Update] Gegenüber ruhrbarone.de räumte die Pressestelle von Jako ein, daß sie ihrem Unternehmen eigentlich gar nicht schaden wollten und auch nicht so recht verstünden, was eigentlich los ist. Deswegen würden Sie vielleicht demnächst notfalls selber mit „Trainer Baader“ in Verbindung treten.

4 Gedanken zu „Charme-Offensive der Jako AG“

  1. Der wacko-JAKO gönnte ich den PR-GAU von ganzem Herzen, aber Mitleid ergreift mich, wenn ich an deren offenbar besonnener-als-das-Land zu agieren geneigte Pressestelle und den Rest der Belegschaft unterhalb der Chefetage denke.
    Daher schlage ich dem Tribunal für Halbwissen vor, den oder die Verantwortlichen für diesen in erster Linie und Instanz jemand anderen verletzenden Beinschuss in die Wüste zu schicken, wo er oder sie einmal in sich oder gar ganz eingehen könnten.

  2. Ich finde es sinnvoll, wenn mit einem Webseitenbetreiber gesprochen wird, bevor Anwälte immense Summen fordern. Meist ist der Betroffene unwissend und es ließe sich in einem vernünftigen Gespräch klären. Cleverer ist, die PR für sich zu nutzen, sofern positiv.

  3. Sehr geehrte Frau Gabi,
    sehr geehrter Herr Kai,

    wir schätzen den minimalinvasiven Charakter Ihrer Kampagne um Links von Blogs zu Ihrer kommerziellen Website officestopp.com zu erzeugen. Deswegen bleiben Ihre Kommentare hier auch stehen.

    Nur die Links zu Ihrer „Homepage“ erlauben wir uns in unserem Sinne zu „korrigieren“.

    Unser Periodikum ist und bleibt werbefrei. Wir sind davon überzeugt, daß derart ungewohnt charmante Kommentarspammer, die auf echte Handarbeit setzen, dafür Verständnis aufbringen werden.

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