Ein fast echtes Interview

GrabIt Chairman mit langen Eckzähnen und komischer BrilleWarum wird eigentlich öffentlich geglaubt, man könne der Praxis der Unternehmen, sich ins Ausland zu verlegen Einhalt gebieten, indem man die Steuern senkt? Die großen Unternehmen zahlen doch in Deutschland gar keine Steuern.
Der Vorstandsvorsitzende der GrabIt AG, Jürgen Klemmpp erklärt warum.

TFP: Herr Klemmp, die letzte Bilanz der GrabIt AG weist ja wieder Rekordgewinne …
Klemmpp: … in Milliardenhöhe aus, ja. Ich bin sehr stolz auf mei.. äh unseren Erfolg!
TFP: Auch Ihr Jahressalär wird ja auf einen zweistelligen Millonenbetrag geschätzt.
Klempp: Die Vorstandsgehälter orientieren sich natürlich immer am von den Aktionären gewünschten wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und der Gewinnversprechen der Top-Manager beim Einstellungsgespräch. Man muß eben richtig verhandeln. Aber die Einkünfte sind in Wirklichkeit oft gar nicht so groß, weil man den Aufsichtsräten meistens was abgeben muß, damit die da überhaupt mitmachen.
TFP: Oh! Äh, ah-ja. Also, wie kommt es, daß die GrabIt AG einerseits den Börsenkurs verdoppeln konnte, andererseits aber kaum Steuern zahlt?
Klemmp: Das kann man so nicht sagen. Die GrabIt hat überhaupt keine Steuern bezahlt, sondern vielmehr ein paar Millionen Euro Körperschaftssteuer erstattet bekommen.
TFP: Bedurfte es da nicht ein wenig „politischer Landschaftspflege“?
Klemmpp: Nein, das war früher. Heute sind die Gesetze längst, wie wir sie brauchen. Das mit der Körperschaftssteuer war einfach nur, weil wir uns damals nicht für die hellsten Köpfe in der Politik entschieden haben. Die machen öfter mal Fehler. Das ist ja auch kein Wunder, so komliziert, wie die Regelungen heute sind. Da blickt, außer unseren eigenen Steuerexperten, doch kein Mensch mehr durch. Die Rückerstattung war, ganz unter uns gesagt, einfach nur Glück.
TFP: Um nochmal auf das Steuervermeidende Geschäftsmodell zurückzukommen …
Klemmp: Das ist eigentlich ganz einfach. Wir produzieren zum Beispiel in Irland. Das geht da viel billiger als in Deutschland. Auch wegen der niedrigen Lohnkosten. Aber das Beste ist eigentlich das deutsch-irische Doppelbesteuerungsabkommen. Die Gewinne einer irischen Tochtergesellschaft eines deutschen Unternehmens sind nähmlich von der deutschen Besteuerung befreit.
TFP: Aber die Verkaufserlöse fallen doch in Deutschland an.
Klemmpp: Denken Sie! Für das, was wir für 1 Euro Herstellungskosten in Irland produzieren und für 17,23 Euro in Deutschland den Konsumenten verkaufen, zahlt unsere deutsche Vertriebsstelle doch schon 16 Euro an unsere irische Produktionsstätte. Wo soll denn da nach Abzug der Kosten für Verkauf und Logistik noch ein Gewinn entstehen?
TFP: Auch bei sehr kleinen Margen kann beachtlicher Gewinn erwirtschaftet werden. Zumindest wenn die Stückzahlen hoch sind.
Klemmpp: Genau das haben wir dem deutschen Steuerprüfer auch erzählt. Aber sie haben recht. Selbst nach Abzug des Verlustvortrages vom Vorjahr ist noch etwas übrig geblieben. Das war eine sehr mißliche Lage für uns. Wir hätten pro Stück tatsächlich 4 Cent Gewinn versteuern müssen. Stellen Sie sich das einmal vor!
TFP: Das klingt nach einer ausweglosen Situation.
Klemmp: Die Lage war verzweifelt. 4 Cent auf 16 Euro! Das sind 0,025 Prozent!
TFP: Na, 0,025 Prozent Steuer ist doch aber gar …
Klemmpp: … zu viel! Ganz genau. Sowas gefährdet natürlich den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zuerst wollte ich ja auf den Rücktritt von Herrn Weichel drängen, aber dafür war es ja schon zu spät.
TFP: Was machen Sie da mit der Rasierklinge und dem Spiegel?
Klemmpp: Ach, entschuldigung, wie unhöflich von mir! Wollen Sie auch eine Nase?
TFP: Ähm, also was haben sie wegen der Steuer gemacht?
Klemmpp: Golf!
TFP: Golf? Sie haben also die Marke ihres Mitbewerbers …
Klemmpp: Was hat denn diese Proletarierkutsche damit zu tun? Nein, Golf! Dafür werde ich ja schließlich bezahlt. Ich bin also mit dem Erhard zum Golfen gefahren.
TFP: Sie meinen Erhard Köder, den Bundeska…
Klemmpp: Sag ich doch. „Also, Erhard“, hab ich gesagt, „das mit der Steuer das könnte zwar ich mir leisten, aber die GrabIt nicht. Da muß ich deswegen jetzt 3000 Leute rauswerfen.“ Da war der natürlich erstmal baff. Er hat dann gesagt, ich solle die behalten, weil er nicht genug Hängematten hätte. Auch wegen dieser Statistik da. Er meinte, 3000 zählen jetzt wie 300 und nicht mehr nur für 150 wie vorher.
TFP: Eine Anspielung auf die von ihm kritiserte „soziale Hängematte“?
Klemmpp: Was weiß ich? So eine Hängematte besteht doch eh nur aus Löchern. Hat zumindest der Erhard gesagt. Egal! „Erhard“, sag ich, „entweder Du machst was gegen die Steuer, oder die fliegen raus. Ob auf ’nem Teppich oder ’ner Matte ist mir wurscht.“
TFP: Das haben Sie gesagt?
Klemmpp: Naja, so ähnlich. Jedenfalls ist der Erhard ein zäher Hund. Er hat nur die Hälfte nachgelassen und uns den Rest als Subventionen versprochen.
TFP: Das klingt doch aber wie ein Erfolg auf ganzer Linie.
Klemmpp: Klingt gut, ist es aber nicht. Null ist eben kein Gewinn. Sowas ist doch kein Geschäft!
TFP: Aber es ging doch nur darum die Steurerlast zu …
Klemmpp: Paperlapapp! Ich sehe keinen Grund, warum deutsche Unternehmen nicht auch an der Steuer profitieren sollten … Wollen Sie wirklich keine Nase?
TFP: Äh, vielen Dank! Wenn aber die GrabIt AG in Deutschland gar keinen Gewinn macht, warum ist die Billanz dann so gut?
Klemmpp: Weil die Bilanz doch von der GrabIt Holding AG ist …
TFP: … die dann die Gewinne schließlich versteuert?
Klemmp: Ja, natürlich. Sie zahlt selbstverständlich den vollen Steuersatz, der an ihrem Firmensitz gilt.
TFP: Der aber nicht in Deutschland …
Klemmpp: … sondern in Liechtenstein liegt. Was denken Sie denn?
TFP: Ist denn diese Unternehmenspolitik mit der sozialen Verantwortung ihrer Position überhaupt vereinbar?
Klemmp: Sozialistische Vergangenheit? Was unterstellen Sie mir da?
TFP: Ich meinte doch ihre sozial … äh, Ich wollte fragen, ob sie vielleicht manchmal ein schlechtes Gewissen haben, weil sie denken, daß sie vielleicht nicht das richtige … also vielleicht manchmal sogar etwas unfaires …
Klemmpp: … für solche Überlegungen werde ich nicht bezahlt. Außerdem machen das alle Global Player so.
TFP: Das heißt die gesamte Steuerlast in Deutschland, trägt der Mittelstand und die Lohnempfänger?
Klemmpp: Welcher Mittelstand? Wer tatsächlich bis heute so dumm war, sich nicht rechtzeitig aufkaufen zu lassen, ist doch längst pleite.
TFP: Dann bleiben aber doch nur noch die Arbeitnehmer übrig, um den Staat zu finanzieren. Die Steuern, die Renten, das Gesundheitswesen, die Arbeitslosen. Alles im Grunde. Die werden dabei aber immer weniger und haben immer weniger Geld. Kann das denn gehen?
Klemmpp: Langfristig natürlich nicht, aber noch haben die ja Geld und das holen wir uns erst mal. Außerdem ist der Markt ja schließlich nicht auf Deutschland begrenzt. Tatsächlich gibt es weltweit über sechs Milliarden interessierte Käufer …
TFP: … die arm sind, also praktisch keine Kaufkraft besitzen.
Klemmpp: Aber eben nur fast. Die Differenz zwischen fast nichts und nichts mal sechs Milliarden ist gewaltig. Dabei wächst der Markt sogar noch. Das werden wir uns natürlich unter den Nagel … Diesen Markt werden wir uns erschließen, meine ich. Da ist für ein paar Jahre schon noch was zu holen.
TFP: Und danach?
Klemmpp: Bin ich in Rente.
TFP: Finden sie es nicht ungerecht, wenn jemand der im Jahr mehr verdient, als er in seinem ganzen Leben ausgeben kann, Geld von denen nimmt, die weniger bekommen als sie ausgeben müssen?
Klemmpp: Aber nein. Wer als Wurm geboren ist, kann eben nicht mit den Adlern fliegen.
TFP: Herr Klemmp, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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