Wie einmal alles zu spät war

Als ich von der Geschäftsstelle eines Kunden aus, mal meine E-Mails ansehen wollte, war mein Mail-Server nicht erreichbar. Na gut, dachte ich mir, da wird die Telekom mal wieder was verbockt haben. Das bin ich ja gewohnt.

Nach zwei Stunden kam es mir aber doch irgendwie seltsam vor, denn werktags bemerken die Netzwerker bei T- (sprich Te-minus) ihre Verfehlungen meist schon bald selbst. Vielleicht liegt es ja am Router dachte ich, und rief mal zuhause an, auf daß einer meiner Mitbewohner mir Bericht erstatten würde. Doch in der Leitung herrschte lange Stille, gefolgt von einem Besetzt-Ton.

Vielleicht hat irgendwo ein Bagger aus Versehen die Leitung abgezwickt, dachte ich und nahm Kontakt mit der Störungsstelle auf. Dort sagte man, die Leitung sei in Ordnung. Das von mir geschilderte Phänomen sei aber typisch für eine Telefonanlage ohne Strom.

Besorgt rief ich unsere Vermieterin an, die im selben Haus ein Ladengeschäft betreibt. Sie konnte mir glaubhaft versichern, daß zumindest das Haus noch stünde, und auch die elektrische Versorgung grundsätzlich gewährleistet sei. Sie wolle aber gerne weiter ermitteln.

Das tat sie und rief eine Viertelstunde später prompt zurück. Sie sei nicht ganz sicher, aber bei den Stromzählern im Keller wäre an jenem der mit „4. Stock, rechts“ beschriftet ist, der Schalter andersherum als bei allen anderen. Darüberhinaus sei dort eine Plombe angebracht.

Ich fand es nun angebracht, etwas aufgebracht bei den Münchner Stadtwerken nachzufragen, ob sie etwas damit zu tun hätten. Das hatten Sie. Man beschied mir, wegen offener Außenstände habe man sich entschlossen die Versorgung einzustellen. Immerhin 1067 Euro seien noch offen.

So recht erklärlich war mir dieses nicht, dennoch wollte ich den Inhalt meines gewaltigen amerikanischen Luxuskühlschrankes um keinen Preis verderben lassen. Außderdem wollte ich der Rest-WG ein Leben im Kerzenschein nichtzumuten, egal wie romantisch das sein mag. Ich habe also meinen Kunden in aller Eile verlassen, um festzustellen, das mein wohlgedecktes Bankkonto mich nicht befugt an einem Geldautomaten mehr als 1000 Euro pro Tag abzuheben. Selbst mit den am Mann befindlichen 46 Euro war die Forderung unmöglich zu erfüllen. Mit dem kurzfristig arrangierten beinahe konspirativen Treffen mit meiner Mutter am Münchner Hauptbahnhof konnte ich schließlich den geforderten Betrag aufbieten. Mit diesem habe ich schließlich zwei Minuten vor Geschäftsschluß die Stadtwerke München erreicht.

Dort habe ich auch erfahren, wie es geschehen konnte, daß die, zugegeben exorbitante Nachforderung, welche von mir aber längst beglichen war, aus Sicht der SWM noch immer offen stand. Ich hatte mit den Stadtwerken nämlich eine Ratenzahlung vereinbart. Weil mein Einkommen kein Regelmäßiges ist, zahlte ich nicht elf Monate jeweils 100 Euro, sondern zweimal 300 und einmal 500. Dies würdigte die Buchhaltung der SWM aber lieber als Vorauszahlungen für kommende Abschlagsforderungen, die sie deswegen nie gestellt haben.

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