Kochbücher sind Sexy

Inspiriert durch diesen Artikel, stelle ich fest, gute Kochbücher und der Playboy haben für mich viel gemeinsam.

Einerseits regen sie durch Abbildungen den Appetit an, andererseits warten sie mit sehr brauchbaren Informationen in Textform auf, die man anderswo nicht findet. Den Playboy lese ich eher sporadisch, habe aber jüngst einen erschreckenden Artikel über die flächendeckende Videoüberwachung von Johannisburg durch eine private Sicherheitsfirma gelesen. Ein wichtiges Thema, daß in der Presse sonst nirgends auftaucht.

Kochbücher lese ich wesentlich öfter und auch dort schaue ich mir nicht nur die Bilder an. In einem Buch über thailändische Küche habe ich hochinteressante Einzelheiten über die Herstellung von Curry-Pasten gelesen.

Beide Genres dienen ganz klar der Anregung. Essen muß man selbst. Sex haben auch. Für beides empfiehlt sich die richtige Gesellschaft, denn alleine ist es zwar möglich, macht aber nicht halb soviel Spaß.

12 Antworten auf „Kochbücher sind Sexy“

  1. Lieber Herr Passenger, nichts gegen die Heftchen, die sind prima. Bei den Kochbüchern befällt mich hingegen starker Schmerz, gibt es denn noch ein literarisches Genre, dass dermaßen ungebremst und inflationär über uns ausgeschüttet wird? Ein Volk von Feinschmeckern sollte man vermuten, irgendjemand muss die Milliarden von Anleitungen ja studieren. Stattdessen ist das meiste, das einem vorgesetzt wird, von bescheidenstem Zuschnitt, die Kochbücher können also nicht viel zu taugen. Wenn schon Anleitung, ziehe ich den direkten Erfahrungsaustausch unter Kennern vor, z. B. Ihre profunde Darstellung des Obazdawesens, die Sie uns freundlicherweise überlassen haben.

  2. lieber passanger, fellow

    sozio-historisch ist es ein wunderbares thema für recherche.
    1. bildchen von nackten frauen und männern (oder auch statuen, aber nicht mit der premisse der sexuellen erregung – ganz wichtig, s. urteilsunterlagen zur verbot der veröffentlichung von henry millers werken, in den 60 ern, in der usa; er musste seine werke in europa drucken; nach langem hinundherr in washington, waren sie dann auch erlaubt. aber für ein parenthetischen anmerkerl ist dieses zu lang. hierzu vielleicht ein ander mal.)
    waren durch die millenia, begehrte ware für den konsumenten und ein reizvolles thema für die produzenten/künstler. (hierzu gibt es ein sehr schönes buch von pete webb, was leider nicht mehr gedruckt wird, jedoch kann man sie als antiquariat besorgen. )
    nun würde ich wagen eine these hier postulieren zu dürfen:
    was für den mann die bildchen waren, war für die frau das kochbuch. jedoch muss ich zugeben, dass kochbücher (von gross-grossmuti) selten das blut zum kochen brachten, wie das die bildchen oder bänder mit abbildungen von entblössten körper stets taten.
    es wäre ein interessantes unternehmen, ein antiquarisches kochbuch zu finden, was aufwendig illustriert ist und somit auch visuell begehrenswert.

    nun, da es früher durchaus ausreichend war, groß-groß-omis kochbuch entweder an die tocher oder schwiegertocher weiterzugeben, bestand nur begrenzt bedürfnis nach neuem. was interessieren mich die gerichte aus frankreich, wenn ich die zutaten nicht habe. (die verfügbarkeit von lebensmitteln hat unsere esskultur entscheidend beeinflusst und internationalisiert.)
    so. als die frauen dann arbeiteten, und die männer selbst kochen müssten (die frauen übrigens auch), war plötzlich ein bedarf an solch lektüren geboren. (die männer laden die frauen zu sich und fahren ihren pfauschwanz im form von tomaten-mozarella teller!)
    dann kamm (so sagten die soziologen) cacooning oder zuhausebleibenwollen. weil vielleicht ein schweinsbraten mit blaukraut und knödel soviel kostet wie ein kasten bier in der urigen kenipen um die ecken. so entscheidet man sich, einen kasten bier zu kaufen und den schweinsbraten selber zu machen. „wo hab‘ ich denn diese rezeptsammlung von omi gesteckt?“ und wenn die frau oder mann dann noch zum frühstück bleiben, da ist man aber sofort am arsch, weil wer kann schon einen guten omelette oder rührei zubereiten. und das ist das erste frühstück, also lieber nix versauen, vielleicht symbolisiert dieses rührei alles: männlich-/weiblichkeit, fruchbarkeit/potenz, intelligenz, geschicklichkeit, weltoffenheit, begeisterungsfähigkeit, sinnlichkeit, sensibilät und affinität zu luxus (hat sie bioeier oder tengelmann eier?).
    da müssen bücher her. der arme hat ja keine ahnung. und die bilder sind wichtig, sodass man am ende völlig verzweifelt da steht und vergleicht und man steht extra früh auf und rührt die eier und vergleicht, und dutzende fehlversuche landen im müll. und dann wird sie wach.

  3. Hochverehrter Herr F.P., sie schreiben beinahe haargenau das aus, was durch meinen Kopf schwirrte, ehe es sich in dem kleinen Aphorismus auf meiner Seite verdichtete… und herr Neo-Bazi: wahrlich ein spannender und lohnender Diskurs!

  4. Selbstgemachte Curries sind immer noch die besten! Ich persönlich mische ja lieber Currypulver als -pasten ob der Haltbarkeit. Trockene Pulver verderben nun mal weniger schnell.
    Aber das sollten Sie unbedingt mal probieren, Herr Fellow Passenger. Ein wenig Cumin, Cayennepfeffer, Bockshornkleesamen, Nelken, Piment, Zimt, Pfeffer, Kurkuma und was man sonst noch so an Gewürzen im Haus hat.
    Der Esslöffel Sambal Oelek kommt dann aber erst ins fertige Essen, damit es einigermaßen scharf ist. *g*

  5. herr zenzi….,

    für wahr, sind curries was besonderes. während meinen aufenhalt auf ceylon wurde ich derren nicht müde, viel mehr, gierte ich danach. doch was die empfehlung und rezeptur hier soll, das frage ich mich und mein kopf schmerzt vom überlegen: sind es die „scharfe“ bräute, die solche hefte zieren (sambal oelek), die sie metaphorisch oder symbolisch oder allegorisch mit ihrem rezept ansprechen (in dem o.g. eher „mild“ gewürzt)?
    so helfen sie mir um zu begreifen?

    herr ole,

    vielleicht liegt es daran, dass mein kopf so schmerzt, jedoch finde ich zu diesem thema kein betraig vom ehrenhaften mister bazi. über welschen spannenden diskurs ist in eurem kommentar die rede? einen kommentar von mister bazi zum thema fressen und ficken möchte in seinem aktuellen zustand auf keinen fall verpassen.

  6. ach ja, und (zum teufel mit inflationärem kommentieren)…
    ein schönes wort für „spannend“ ist auch „reizend“, herr ole. ich finde, „reizend“ ist für diese thematik treffender, nicht wahr?

  7. Jetzt habe ich aber einen Schreck bekommen! Ich dachte meine Startseite wäre weg. Aber Sie meinten ja die von Oles Blog, Herr Neo-Bazi. Erst jetzt verstehe ich die Besorgnis in Ihrer letzten Zuschrift von 19:58.

    Diese Ausfallerscheinungen kommen bei blogspot.com, dem von Herrn Ole verwendeten Blog-Anbieter, öfter vor, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß. Deswegen ist der Fellow Passenger ja auch umgezogen. Kein Grund zur Sorge also, nur ein technisch bedingtes Ärgernis.

  8. @ Herr Kubelick,

    Sie haben nichts verpaßt, Sie kennen doch die Maximen, die, sowohl ererbt als auch anerzogen, meine Lebensführung bestimmen:
    ….
    2) Wer nichts zu sagen hat, soll das Maul halten!

    Ich gebe zu, die Reflexionen auf meine eigenen Maxime sind nicht immer konsequent. Herr Birne sagte seinerzeit: „Wichtig ist, was hinten herauskommt.“ Insofern ist die hohe Schule der Speisenzubereitung nicht unbedingt mein Thema,in Kombination mit der zweiten, von Ihnen erwähnten Tätigkeit, ohnehin nicht.

    Zur weiteren Veranschaulichung meiner diesbezüglichen Verhaltensstörung:

    Ich war eine zeitlang in Haldenwang, einem Allgäuer Bauerndorf wohnhaft. Wenn wir abends gemeinsam und schweigend das Futter in uns hineinstopften (Tischgespräche auf hohem Niveau empfinde ich heute noch als hinderlich und die eigentliche Aktion unnötig verzögernd) fragte meine Nichte, die Köchin, nach einer Weile doch neugierig:
    „Na, wie schmeckt’s euch denn“?

    Die Antwort aus der schmatzenden Runde:

    „Ist doch egal wie’s schmeckt. Hauptsache, der Ranzen spannt“!

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