Auf der Suche nach einem standesgemäßen Dienstfahrzeug der Redaktion des Fellow Passenger wurde von Volkswagen auch deren Luxusmodell „Phaeton“ angeboten. Das kommt für den Fuhrpark der Redaktion nicht infrage. Vermutlich auch nicht für irgendjemanden, der es sich leisten könnte.
Autokauf ist eine zutiefst emotionale Angelegenheit. Bei einem Kraftfahrzeug genügt es nicht, daß es fährt und mit allerlei Annehmlichkeiten ausgestattet ist. Gut, dem reinen Pragmatiker reicht das natürlich. Der kauft dann auch gerne ein preiswertes und zuverlässiges Kombi-Modell aus Japan.
Der typische Luxuslimousinenkäufer hingegen hat völlig andere Ziele. Er wünscht ein Fahrzeug mit einer Aura des Erhabenen. Ob es der Fahrer darin besonders bequem hat, spielt eine Rolle, ist aber zweitrangig, denn der gehört zum Personal. Selbst fährt das Volk, zum Beispiel einen Volkswagen.
Abgesehen vom Lottogewinner aus Proletenkreisen, dürfte die in Wolfsburg gewünschte Klientel zumindest soweit mit der griechischen Mythologie vertraut sein, ein Fahrzeug mit dem Namen „Phaeton“ als hochgradig peinlich zu empfinden.
Wir erinnern uns: Phaeton der Halbgott, hervorgegangen aus der Liebe des Sonnengottes Helios zu der sterblichen Klymene, verlangte zum Beweis seiner Herkunft, Helios‘ Sonnenwagen lenken zu dürfen. Trotz der eindringlichen Warnungen seines Vaters wich er nicht von seiner Forderung ab. Wie erwartet war Phaeton völlig überfordert, als er des Sternbildes Skorpion ansichtig wurde. Er verlor das Bewußtsein. Füherlos brachte der Wagen die gesamte Welt aus den Fugen. Erst nachdem die Haut der Äthiopier sich durch die sengende Sonne bereits schwarz gefärbt hatte, wurde der Göttervater Zeus durch einen Hinweis Demeters auf die Entgleisung aufmerksam. Vor Wut über die durch Phaeton vorzeitig herbeigeführte Unterbrechung seines jüngsten amourösen Abenteuers, bereitete Zeus Phaetons Treiben schließlich mit einem gewaltigen Donnerkeil ein Ende.
Kein Wunder also, daß dieses Automobil sich nicht so recht verkaufen läßt. Mit ähnlichem Erfolg könnte Porsche wohl versuchen, ein Modell „James Dean“ zu vermarkten. Auch ein Mercedes „Lady Diana“ würde wohl auch keinen reißenden Absatz finden. Apropos Mercedes: Dürfen wir schon auf den Maybach „Adolf“ hoffen?
Die Redaktion von des Fellow Passenger bleibt einstweilen beim Dienstfahrad.
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