Klammeraffen und Dotterköpfe

Dieses ‚@‘, also ein ‚a‘ mit Kringel drumherum ist ja inzwischen schon fast ein richtiger Buchstabe. Wer sich eine Schrift ausdenkt, oder früher mal ausgedacht hat, muß dieses Symbol heute auf jeden Fall berücksichtigen. In E-Mail-Adressen trennt es den jeweiligen Empfänger von der Organisation. Dem entsprechend wird es auf englisch „at“ ausgesprochen. Auf deutsch also „bei“. Wenn ich schreibe „bundeskanzler@bundestag.de“ richte ich meine Nachricht also an den „bundeskanzler“ bei „bundestag.de“, meine also nicht das Postfach „bundeskanzler“ bei „fellowpassenger.de“. Das erscheint mir völlig logisch.

In Internet-Foren oder Kommentaren auf Weblogs finde ich aber dauernd Anwendungen wie:

@ Dotterkopf

Du bist ja echt ein Dotterkopf! Halt lieber den Schnabel, wenn Du keine Ahnung hast.

weichei@fruchtfaden.org

Das verstehe ich nicht. Es wird doch niemand unbekanntes namentlich bei „Dotterkopf“ angesprochen, sondern der Dotterkopf selbst.

Wäre es nicht viel einfacher, zu schreiben, „Dotterkopf, Du bist ja echt ein Dotterkopf! Halt lieber …“?

Eine sehr nette und kluge Kollegin, sagte mir einmal „Fellow Passenger, frage niemals nach dem Sinn.“ Ich fürchte, das ist mir bis heute, rund fünfzehn Jahre später, nicht gelungen.

6 Antworten auf „Klammeraffen und Dotterköpfe“

  1. lieber f. passenger,

    bravobravissimo!
    ich schätze, das „@“-zeichen bei ansprachen, soll „an“ oder „für“ symbolisieren. bei unübersichtlichen kommentaren, die mehrere adressaten enthalten, soll es der gliederung und orientierung dienen. es gibt anderweitige symbole, wie pfeile, kreise, sterne, knödl, oder einfach das wort „AN“. es ist kurz und hat einen buchstaben mehr als das „at“.
    wikipedia meint, das „@“ könnte sich aus einer ligatur entwickelt haben, ligatur aus a und d . das römische ad (e.g. ad nauseam) kann „bis“ oder „zu“ bedeuten.
    auch mit dieser erleuterung kann ich nicht erkennen, wie das „at“-zeichen für ansprachen geeignet sein soll.

  2. Interessant, Herr Kubelick, was Sie immer alles wissen. Aber ich merke schon, daß Sie diese Klammeraffenanrede ebenfalls @nauseam finden.

    Leider sind die Klammeraffen in den meisten Schriften nicht gut eingearbeitet. Oft wird einfach aus anderen Schrifen übernommen, falsch gewichtet, lieblos spationiert schwebt das arme Ding irgendwo orientierungslos zwischen den alten Zeichen.

    Ich bin dafür den Klammeraffen in der Typografie zu fördern, damit man ihn auch mal benutzen kann.

    Und @ Ihnen piept’s wohl, Herr Poodle. SCNR. *rofl*

  3. „…..ebenfalls @nauseam finden.“
    sehr wohl. schlimm genug die typografische vernachlässigung, aber die inflation des zeichens ins irrwitzig.
    wir sind klammeraffe. wir sind nicht mehr wer wir sind, wir sind nur bei dem der wir sind, oder id@ego.net

  4. Ich freue mich schon auf die wissenschaftliche Beschäftigung mit derlei Phänomenen im Rahmen meiner Magisterarbeit. Genaues wird selbstverfreilich bis zur endgültigen Festmachung des Themas und der Anmeldung nicht verraten, aber die seltsamen Rätselstrukturen von Internetkommunikation werden ein gebührendes Plätzchen darin erhalten.

  5. au weh, herr ole.

    doch geben sie uns ein tipp: zu was degradieren wir? wie war das mit dem telefon, hat es unsere kommunikations beeinflusst, also den ausdruck? ich meine, niemand hat so geredet wie ein telegrammstopobschonstopsiestopsehrstopgänginstopwarenstop.
    die schrecken des sms-kultur haben wir auch glimptlich überstanden und können immernoch sätze mit mehr als 160 zeichen von uns geben.
    aufmerksamkeit? wird denn mehr wert auf lichtgeschwindkeitsschnnelles verständnis und begreifen gelegt? wird der ausdruck samt duftstein im klo runtergespült?
    so verraten sie uns ein wenig!

    wir sind avatar.

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