Peppypapier

Die öffentliche Aufregung um Peppy den Papyrus ist groß. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Zeichen zu setzen, Initiative zu ergreifen ist dagegen gering. Wie in der Politik. Da wird auch nur geredet statt zu handeln. Die Kunde „Das Volk hat kein Brot“, beantwortete Marie Antoinette flugs mit dem Vorschlag, „dann soll es eben Kuchen essen“. Sie wurde tags darauf enthauptet. Das ist heute nicht mehr üblich. Sonst würden Politiker es kaum wagen, von „den Lauten da draussen“ zu sprechen. Wen man da regiert ist schon lange unerheblich.

Der Fellow Passenger ist undemokratisch, bestechlich, marode und dennoch nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht, mithin diktatorisch genug, zu tun was funktioniert. Deswegen gibt es bald hochwertiges, handgeschöpftes Peppypapier. Besser noch, es gibt die legendären Papst-Artikel fertig auf Peppypapier gedruckt.

Die Gönner, die genug Mitgefühl gezeigt haben, für Peppys Überleben zu spenden werden natürlich bevorzugt. Jeder Spender erhält gratis einen handsignierten Bogen des exklusiven Peppypapiers.

Dabei wird keine Pflanze zu Schaden kommen. Nur jene Halme von Peppy, die sowieso vertrocknen werden zu Papier verarbeitet. Gerade deshalb wird Peppypapier eine edle wie seltene Besonderheit bleiben, die nur jenen zugänglich ist, die es wirklich zu schätzen wissen.

26 Antworten auf „Peppypapier“

  1. Hier, mein lieber Herr Ole,

    scheint es sogar, daß Wertschöpfung und Wortschöpfung schließlich in einem rein kapitalistischen und zugleich absolut sozialverträglichen und ökologisch völlig unbedenklichen Rahmen zusammenfinden.

    An Sie, Herr Neo-Bazi und Frau Pe,

    habe ich eine Frage: Wie würden Sie das Peppypapier beschriften wollen? Das ist nämlich wichtig für die Art der Herstellung. Wenn Sie mit Kugelschreiber oder Laserdrucker zuwerke gehen möchten, genügen Peppy und Wasser. Für Tinte muß ich das Papier mit Leim versehen, damit es beschreibbar wird. Als Leim dient dann Gelatine, wodurch das Papier nicht mehr als vegan gelten kann.

  2. Ich zöge es ebenfalls vor, wenn Sie das Papier beschrifteten, und zwar vorzugsweise mit an mich gerichteten Liebesschwüren. Die dürfen ruhig ein wenig schlüpfrig sein.

  3. jaha, und ewig schleichen die erben.
    herr jolly good, ich möchte keineswegs eine so überaus imposante urkunde, welche mein energisches peppyinteresse und wohlwollende monitäre zuwendung und unterstützung bekundet. nahaein.

    mein exemplar bitte mit einem spruch von lao tse, eine haiku womöglich über die vergänglichkeit und wiederkehr. das alles, versteht sich in chinesisch, von ihnen persönlich geschrieben, nach langer reflektion und meditation, gedanke zu hand zu feder zu tinte zu peppy.

    vielen dank und guten tag
    kvk

  4. @Kubelick San
    Etwa so:
    Zurückgekehrt in den Ursprung, heißt: Ruhe.
    Ruhe heißt: Zurückkehren zur Bestimmung.
    Zurückkehren zur Bestimmung heißt: Ewig-sein.

    (in Chinesisch natürlich)?

    Ein Leichenfledderer

  5. Gut, mein verehrter Herr Neo-Bazi,

    auch wenn es ja ursprünglich als Toilettenpapieraufdruck geplant war, werde ich eine Peppypapierausgabe des einen Papstartikels einplanen. Das ist zwar kein direktes Sperrmüllthema, aber vielleicht würde es dennoch als Ergänzung der Caffe-Einrichtung willkommen sein.

    Zuerst aber muß eine Enquette-Komission gebildet werden, um einen Vorschlag für die Priorisierung herauszuarbeiten. Die zentrale Fragestellung kreist um die Gewichtung von Spendenhöhe und zeitliche Reihenfolge des Zahlungseingangs unter besonderer Würdigung der Frage, wie sich die vorgeschlagenen Maßnahmen auf die Nachfrage und Preisentwicklung des dem freien Markt zur Verfügung stehenden Peppypapiers auswirken würden. Ebenfalls wird zu klären sein, für wann die Markteinführung des regulär käuflichen Peppypapiers zu projektieren ist.

    Und Sie, meine liebe Frau Pe,

    machen mich ja ganz verlegen. Maßvoll schlüpfrige Liebesschwüre mit Kuli oder Tinte auf Peppypapier wünschen Sie. Fraglos ist dies ja nur das Mindeste was es sich geziemt, einem hinreißenden Geschöpf wie Sie es sind mit solcher Anmut wie sie nur Ihnen zueigen ist entgegenzubringen.

    Zugleich ist Ihr Wunsch dennoch vertrackt, denn wenn ich die Bekundungen handschriftlich verfaßte, würden weder Sie noch jemand anderer — einschließlich mir — in der Lage sein sie zu lesen. Liebesschwüre, ob schlüpfrig oder oder züchtig, maschinell niederzuschreiben geht gar nicht. Würde Ihnen unter diesen Umständen ein unbeschriftetes Papier mit unsittlichem Wasserzeichen eine angemessene Alternative erscheinen?

    Arbeiten, mein bester Herr Kubelick,

    nicht überhaupt die meisten Haiku im vorwiegend mit Vergänglichkeit und, so wie jede Kuh, ob high oder nicht, wiederkäut? Der Metabolismus ist ja aus meiner Sicht überhaupt ein sehr ergiebiges Hauku-Thema., was nicht heißen soll, daß Haiku eine Metabolismus-Gedichtform sind. Ein Haiku der sicher einmal sehr berühmt wird ist ja der folgende:

    Der alte Baum
    Ein Hund hebt das Bein
    Von der Rinde ein Tropfen

    Ich befürchte nur, Herr Kubelick, daß Lao Tse nie einen Haiku gelesen oder gar geschrieben hat. Vermutlich war er nicht einmal des Japanischen mächtig und dürfte bei der Entstehung der ersten Verse bereits mehrfach reinkarniert gewesen sein. Er hatte immerhin rund 2300 Jahre Zeit dafür.

  6. Unleserliche Handschrift – eine jammervollere Ausrede habe ich seit Mitte der Neunziger nicht mehr gehört. Seit dieser Zeit arbeite ich übrigens schon mit Rechtsanwälten zusammen. Also frisch ans Werk, hopp, hopp!

  7. herr jolly good,

    ich bat um ein chinesisches! dass lao tse das japanischen nicht mächtig war, das ist mir schon zu ohren gekommen. ich wollte, in der metaebene, das japanische am dichtesten gedichtete und derren meditativ kathartische calligrafiekunst, mit dem göttlichen, hollistisch weisen symbiotisch vereinen, ein exempel der völkerverständigung, versöhnung und synthese statuieren.

    sprache ist keine barriere. sie ist der tellerrand, über welchen mein borscht, meine misosuppe oder mein chilli con carne hinüberschwappt, wenn ich von vodka, saki oder tequila trunken, kopf über im teller ohnmächtig werde.

  8. Frau Pe ./. The Fellow Passenger

    Sehr geehrte Frau Pe,

    der Herausgeber des in der vorbezeichneten Angelegenheit genannten Online-Periodikums „The Fellow Passenger“, hat uns in der Sache „Schlüpfrige Liebesschwüre auf Peppypapier“ gebeten, seine Interessen zu verteten.

    Wir erlauben uns, Sie darauf hinzuweisen, daß unser Mandant zu keiner Zeit angeboten hat, an Sie gerichtete Liebesschwüre handschriftlich zu verfassen.

    Das Angebot an Peppyerzeugnissen unseres Mandanten richtet sich ausdrücklich an Parteien, die Peppy oder den TFP nachweislich finanziell oder aktiv fördern. Ein solcher Nachweis wurde Ihrerseits nicht erbracht.

    Hilfsweise argumentieren wir, daß unser Mandant aufgrund seiner Lebensumstände nich gewohnt ist, handschriftliche Dokumente zu verfassen und dies eine unzumutbare Belastung darstellen würde.

    Ohne Anerkenntnis einer Rechtsverpflichtung ist unser Mandant kulanzhalber bereit gegen eine angemessene Spende ein Ihnen gegenüber wohlwollend formuliertes Dokument bereitzustellen, sofern Sie sich verpflichten, jegliche Rechtsansprüche, die daraus gegebenenfalls erwachsen könnten nicht zu verfolgen.

    Mit freundlichen Grüßen

    The Fellow Passenger, Rechtsabteilung

  9. Ich habe meine Spende bereits geleistet, und zwar in Form einer brillanten, geradezu genialen Recherche. Der Mandant möge in seinen Mailarchiven nachlesen.

    Ich habe mehr und mehr das Gefühl, da will sich jemand drücken. Bedauerlich, beheulenswert geradezu.

  10. Dear Fellow Sir,
    lese ich da etwa eine gewisse Verärgerung heraus, daß der Duschvorhang noch immer nicht eingetroffen ist? Das würde mich nicht sonderlich überraschen, denn ich vernahm aus ihrer Feder, eine Mitbewohnerin habe bereits die Beschaffung eines derartigen Objekts in die Wege geleitet und daher eigene diesbezügliche Vorhaben zurückgestellt.
    Der Auftrag der einzuberufenen Komission erschließt sich mir folglich nicht ganz. Was muß ich tun?

  11. Liebe Frau Pe,

    vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Projekt „Peppy“!

    Wir werden selbstverständlich alles daransetzen, Ihre Anregung umzusetzen und wir werden Sie nicht enttäuschen.

    Gegenwärtig arbeitet in der Redaktion ein internationales Team von anerkannten Experten aus den Bereichen Kaligraphie, Graphologie und Literatur um speziell für Sie, Frau Pe, die besten und schlüpfrigsten Liebesschwüre zu entwickeln.

    Freuen Sie sich schon jetzt auf die streng limitieren Schmeicheleien des Fellow Passenger auf dem exklusiven Papier der alten Ägypter. Entdecken Sie sofort die Geheimisse der Pharaonen zum Vorzugspreis.

    Sammeln Sie einzigartige Dokumente schlüpfriger Liebesschwüre mit garantierter Wertsteigerungschance, so lange der Vorrat reicht.

    The Fellow Passenger, Marketing

  12. Hey Frau Pe!

    Hören Sie nicht auf diese geisteskranken Bürokraten! Ihren Hinweis auf die Klopapierdrucker habe ich nicht vergessen und ich werde mich erkenntlich zeigen. Noch fehlt mir ein Schöpfrahmen, aber die Bütte habe ich schon. Noch bin ich unentschlossen wessen Vogel Feder ich verwenden soll, die geeigneten Worte zu Peppypapier zu bringen. Bis die ersten Bogen geschöpft sind, bleibt aber sicher noch genügend Zeit, das zu überlegen.

    Mit herzlichen Grüßen

    The Fellow Passenger, Redaktion

  13. Um Himmels willen nein, Herr Neo-Bazi,

    ich hatte in schamloser Weise meine Virtuosität im Umgang mit Lassoband (Gaffa Tape) zur Schau gestellt, indem ich den desloaten Zustand meines WG-Duschvorhangs in den Mittelpunkt der Öffentlickeit rückte. Daß nun die halbe Welt mir einen Duschvorhang stiften wollte, ahnte ich nicht. Daß eine wohlwollende Ex-Lebensabschnittspartnerin (nicht Mitbewohnerin) Ihnen dabei zuvorkam spendierte ist richtig. Ich hatte Sie darauf hingewiesen, damit Sie nicht unnötigerweise einen weiteren Duschvorhang schicken. Es ist also keine Verärgerung vorhanden, die Sie herauslesen könnten.

    Die geforderte Einberufung einer Enquete-Kommission dient allein dazu, zu prüfen, welche skrupellosen Methoden geeignet sind, um Peppy so profitabel wie möglich auszubeuten.

    Sie fragen was Sie tun müssen. Was den Erhalt von Peppytrophäen betrifft, ist die Antwort einfach: Warten Sie einfach ab. Sie haben sich bereits verdient gemacht. Die einzige Frage, die ich noch erwäge ist, ob es mir möglich sein wird, Sie persönlich aufzusuchen, um ihnen eines der ersten Exemplare des begehrten Peppypapiers zu überreichen.

  14. Hochverehrter Herr Fellow Passenger,

    diese Nachricht beruhigt mich sehr. Ich werde mich verbindlich Ende Oktober wieder in Ihren Breiten aufhalten (Familienbande) und möchte gerne auch unserem Starautor Sir Kubelick (heute war er sogar schneller als Spiegel Online!) die längst fällige Aufwartung machen. Ein hervorragender Anlass für eine solch feierliche Zeremonie, finden Sie nicht auch?

  15. Und ja, Surprise! Sie werden aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen, Mr. Bazi. BTW: Gut zu wissen, Herr Passenger, dass Sie Ihrer Wohngemeinschaft nicht mehr mit einem überflutetem Badezimmer das Leben schwer machen.

  16. Das Zusammentreffen zwischen Ihnen und Herrn Kubelick ist ja längst überfällig, Herr Neo-Bazi.

    Eigentlich suche ich ja einen Vorwand, nach Hamburg zu reisen, aber natürlich führe ich die feierliche Pappypapierübergabe auch gerne hier mit Ihnen durch.

    Ihre Unterstellung hingegen, ich habe in Vergangenheit meinen Mitbewohnern das Leben durch ein überschwemmtes Badezimmer erschwert, LaFoudre,

    muß ich scharf zurückweisen. Ich war derjenige, der den von einem unbekannten Täter beschädigten Vorhang sogleich liebevoll restaurierte.

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