Wunschkonzert

Internetradio fand ich immer etwas rückschrittlich, weil es ein lineares Medium ohne Interaktionsmöglichkeit ist, wie eben Radio. Vor einigen Jahren ging dann last.fm online, ein Internetradio, bei dem das Programm sich im Lauf der Zeit dem persönlichen Geschmack des Hörers anpaßte. Dazu muß er nur die gespielten Titel bewerten. Dabei wertet last.fm Ähnlichkeiten im Geschmack der Hörer aus.

Wie gerade im Club der halbtoten Dichter zu lesen war, bietet Pandora einen neuen Ansatz. Nach eigenen Angaben haben sie das „Genom der Musik“ entschlüsselt, was wohl nichts anderes heißen soll, als daß sie die etwa 300.000 Titel von 10.000 Künstlern anhand einer ziemlich umfangreichen Liste an Kriterien bewertet haben.

Einen kleinen Einblick nach welchen Kriterien Pandora bestimmte Titel zu spielen für angebracht hält, bekommt man durch einen Klick auf die Frage „Warum haben Sie dieses Lied gespielt?“. Da steht dann zum Beispiel, „Nachdem, was Sie uns bisher mitgeteilt haben, spielen wir diesen Titel, weil er eine weiche Gesangsstimme, leichte rhythmische Synkopierung, eine Mischung aus akustischer und elektrischer Instrumentierung und viele andere Ähnlichkeiten aufweist, die im Music Genome Project erfaßt sind.“

Um den Einstieg zu finden, braucht man nichts weiter zu tun, als den Namen eines Liedes oder Interpreten einzugeben, der einem besonders gut gefällt und schon wird man angenehm mit ähnlichen Tönen umschmeichelt. Gefällt einem der gerade gespielte Titel nicht, kann man ihn ähnlich wie bei last.fm aussortieren.

Damit man auch in anderen Stimmungslagen stets das richtige auf die Ohren bekommt, kann man im kostenlosen Angebot von Pandora bis zu 100 verschiedene „Radiosender“ anlegen. Pandora kündigt an, diese kostenlose Variante demnächst mit Werbung zu versehen. Ob der Hörgenuß künftig von Webespots unterbrochen wird oder nur Anzeigen auf der Seite eingeblendet werden, während die die Musik weiterspielt, ist nicht ersichtlich.

Das Angebot ist aus lizenzrechtlichen Gründen bislang eigentlich auf die USA beschränkt. Dennoch hat Pandora sich aber weder an der Liechtensteiner E-Mail-Adresse, noch an der deutschen IP-Adresse gestört, die für diesen Test verwendet wurde.

Man kann nur hoffen, daß Pandoras Geschäftsmodell aufgehen wird, denn dieses Web-Angebot ist ausgesprochen kurzweilig.

Kommentare

3 Antworten zu „Wunschkonzert“

  1. Avatar von kathleen

    Ich find’s genial.
    Seit gerade einer halben Stunde tobe ich damit herum, und weiß schon zwei Bands, die ich mir genauer anhören muß und vorher gar nicht kannte.
    Eine echter Horizonterweiterer, das Programm.

  2. Avatar von zenzizenzizenzic

    Also ich habe da spaßeshalber auch mal ein paar Namen eingegeben. Die kannte das Programm aber nicht oder fragte mich beispielsweise, ob ich statt Carmen Lundy Carmen Rizzo meine…Carmens Bruder Curtis war da auch nicht bekannt…und bei der Eingabe von Myron soll irgendwas von New Order dem ganz nahe kommen…nun ja, New Order sind ja bekannt als Soul-Combo. Insgesamt etwas dürftig das Projekt. Wohl mehr was für den Massengeschmack. Da mache ich doch lieber mein eigenes Programm.

  3. Avatar von Fellow Passenger

    Horizonterweiterer trifft es ziemlich genau, Frau Kathleen.

    Sie haben schon recht, Herr 3zenzi+c,

    Zigaretten Rauchen, Gry, FM Einheit und die Dirty Beatniks, kennen die da bei Pandora auch nicht. Dafür aber die Feelies, womit ich keinesfalls gerechnet hätte. Massengeschmack sind die ganz sicher nicht. Bongwater hört wohl auch nicht jeder, gibt es aber dort.

    Es gibt natürlich Lücken im Angebot, aber auf Mainstream beschränkt ist es auf jeden Fall nicht.

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