Zweite Bayerische Bloglesung

Die Räumlichkeiten des Twisted Bavarian erwiesen sich für eine Lesung deutlich besser geeignet als die Reizbar. Da nimmt man auch den im Vergleich etwas schläfrigen Service billigend in Kauf. Wer bis zum Schluß bleibt, kommt dafür in den Genuß Kostproben komödiantischen Schaffens der sehr herzlichen texanischen Köchin zu hören und erhält mit etwas Glück sogar noch lustige Hüte geschenkt.

In diesem Ambiente fand die II. Bayerische Bloglesung statt, die unserer Redaktion sogar noch besser gefallen hat, als die erste. Die Atmosphäre war insgesamt lockerer, die Texte waren noch unterhaltsamer.

Die Moderation oblag diesmal Frau Klugscheisser, die hinterher damit kokettierte, vor lauter Nervosität kaum ihre Notizen festhalten gekonnt zu haben. Tatsächlich führte sie aber ebenso hinreissend wie souverän durch den Abend.

Vor lauter Lampenfieber hat sie schnell noch einen Blues über die lästige Parkplatzsuche gesungen und ein wenig Saxophon gespielt. Am der Bassgittare begleitet durch „OW“, der angeregt hatte, das Stück auf Englisch zu schreiben, damit man es auch in der Uckermark verstehen würde. An der Akkustik-Gittare beteiligte sich Herr Banana aus der Allee der Spackonauten der neben einer auf Hessisch vorgetragenen Geschichte über die Freuden der Aquaristik (mp3, 4:16 min) auch trefflich über die unwiderstehliche Sinnlosigkeit von Olivenschiffchen zu berichten wusste.

Don Alphonso hatte zwar versehentlich einen Teil seiner Unterlagen an einer ungünstig stehenden Kerze entflammt, konnte aber dennoch zwei hübsche Anekdoten über Statussymbole und soziale Gefälle vortragen: Ein Skalp von meinen Feinden und 4 mm.

Frau Kaltmamsell schilderte eindringlich erschütternde Details aus dem Leben schwergewichtiger Damen. Die Geschichte steht nach unserern Rechnerchen so nicht in ihrem Blog Vorspeisenplatte. Außerdem las sie einige Folgen ihrer Reihe Auf meinem Weg in die Arbeit. Unter anderem Schlangenmensch heißt auf Englisch contortionist, Türsteher und Bahnsprech.

Um Körperfett ging es wieder in einem Vortrag von Martina Kink, die mir bis dahin völlig unbekannt war. Die zierliche Gestalt, die es kaum wagte, direkt ins Mikrophon zu sprechen entpuppte sich als der Star des Abends. Die gekonnt lakonisch vorgetragenen Texte waren voll boßhaftem Witz. Ihre Gedanken über Schutzengel können Sie hier lesen und hören. Sie las außerdem Will you still need me will you still feed me und Wenn Kippen Kalorien hätten.

Eine bizarre Geschichte über weibliches Sozialverhalten beim Toilettenbesuch und selbstgedrehte Tampons namens Blood on the Dance Floor gab es von Frau Klugscheisser, die zuvor eine Seelenwanderung in eine Unterhose gemacht hatte. Der entsprechende Reisebericht trägt den Titel Let me be your underwear.

Später gingen die ganz hartgesottenen noch ins Pomp, das aber dermaßen voll war, daß wir unsere Reporter bereits nach drei Minuten abziehen mussten.

9 Antworten auf „Zweite Bayerische Bloglesung“

  1. Wenn Sie so weitermachen, lesen Sie garantiert selbst bald live. Verkehrt wärs nicht. Aber echt: Zu dieser obigen Veranstaltung wäre vielleicht sogar ich erschienen, so gut liest sich das.

  2. werter mister bazi,

    ich bin nicht alleine, wenn ich sage, wir würden uns freuen. sie wären sowohl als gast wie auch als vortragender (bayer im exil, szs) überaus willkommen und eine glorreiche bereicherung. dass ich mich in geduld übe, ihre bekanntschaft zu machen, ist überflüssig zu erwähnen.

    (was ich nicht verstehe, ist weshalb die aus dem norden stets über wasser, fische und alles nasse schreiben. hier wird ja auch nicht nur über fön und schneegipfel gedichtet?…)

  3. Es sind die Gesetze der Natur, verehrter Herr Kubelick, die solches nicht zulassen. Die Säuferstimme den Lese-Opa und der Raucherhusten den Gast.

    Aber für ein Biergartenmeeting oder eine literarische Café-Stunde reicht es allemal, wenn es wieder wärmer ist.

  4. Na aber Hallo! Ist es nicht meine Rauch- und Saufstimme, die Sie alle angeblich so lieben, obwohl nur der geschätzte Herr Kubelick sich massiv, und zwar persönlich, über das Ausbleiben der sonntäglichen Podcasts beklagt hat?

    Gesetze der Natur? Papperlapapp. Dann wird halt Sommers im Max Emanuel Biergarten gelesen. Dann sagen Sie nix mehr, Herr Neo-Bazi, oder vielmehr erst recht was. Wärmer wird es ja schon von selbst. Zudem plane ich eine Lesung hier (wenn man nicht alles selber macht) und eine Heimsuchung Ihrerseits in Hamburg. Da gibt es wenigstens eine Hafen. Der fehlt mir hier ja zugegebenermaßen schon arg.

  5. Hochverehrtes offizielles EhrenmitGlied,

    auch Sie unterliegen also diesem jugendlichen Desillusionsdrang. Haben Sie denn nicht ausreichend bettlägerige soziale Pflegefälle in Ihrem derzeitigen voralpenländischen Domizil, die sie heimsuchen könnten?

    Womöglich bringen Sie auch noch diesen FranzJosef mit? Und schleppen gar als pietätvolle Blumenspende Peppy hier an obwohl mir als notorischem Giftverspritzer ein Kaktus viel besser zu Gesicht stünde? Ich warne Sie!

    Mit anderen Worten: Sie sind selbstverständlich jederzeit herzlich eingeladen!

    Aber Vorsicht: Sie begeben sich in Feindesland.
    Die Reeperbahn ist manchmal eine üble Multikulti-Fassade. Und das Café Spermüll besitzt die gemütliche Ausstrahlung einer Suite des Rekonvaleszenz-Centers Santa Fu.

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