Blogs, Old Media und Recherche

In ihrem Bericht über das Hausgemachte PR-Desaster des Antikorruptionsvereins Transparency International Deutschland e. V. schreibt tagesschau.de unter anderem:

Die Fakten überprüft oder sich wie professionelle Journalisten mit Transparency International als Gegenseite in Verbindung gesetzt, hatten die privaten Blogbetreiber dabei meist nicht.

Das Wort „meist“ hat der Autor allerdings erst nach zahlreichen Hinweisen von Bloggern hinzugefügt, die sich sehr wohl darum bemüht haben, die Sachlage zu prüfen, ehe sie darüber schrieben. Die Kritik ist grundsätzlich nicht ganz unberechtigt, obwohl man sich fragt, warum sie gerade in diesem Artikel erscheint. Immerhin hat in dieser Angelegenheit kaum ein Blog die auf Gedankenträger dargestellten Umstände als bestätigte Fakten dargestellt.

Was mich ärgert ist die Tatsache, daß man als Blogger oft schlichtweg keine Auskunft bekommt. Ich schreibe meistens kleine Satiren, die keiner weiteren Überprüfung bedürfen. Sobald ich aber einen ernsthaften Artikel schreiben möchte, recherchiere ich vorher. Leider bekomme ich in der Regel nicht einmal eine Antwort auf meine Fragen. Blogger interessieren die Pressestellen von Unternehmen nämlich nicht. Ein Beispiel ist ein Artikel über eine Auseinandersetzung des Mail-Anbieters GMX und einer Organisation, die unerwünschte E-Mail-Reklame (Spam) bekämft. Da hat GMX auf meine E-Mail zwar nachgefragt, ob ich ein Journalist sei, sich nach meiner ehrlichen Antwort aber nicht einmal mehr gemeldet.

So war es auch bei Transparency International Deutschland. Zumindest fast, denn da kam bis heute überhaupt keine Reaktion.

Wenn man Bloggern schon aus Prinzip keine Auskunft erteilt, obwohl eine Nachfrage ja eigentlich Interesse an einer möglichst objektiven Berichterstattung vermuten lässt, soll man sich bitte nicht beklagen, wenn sie nur über das schreiben, was sie wissen. Wenn ein 1. Klasse-Schreiber sagt, die 2. Klasse-Schreiber sind nicht ernst zu nehmen, weil ihnen die 1. Klasse-Bebeauchpinselung vorenthalten wird, ist das bestenfalls lächerlich!

6 Antworten auf „Blogs, Old Media und Recherche“

  1. Das sollte allerdings nicht den Blick darauf verstellen, dass die Blogger einen echten Sturm entfacht haben und dass die Pressesprecher und Ethikbeauftragten demgegenüber ratlos und völlig überfordert sind. wären es Unwahrheiten, mit denen sie konfrontiert wären, hätten sie dieses Problem nicht.

  2. Blogger sind irgendwo unter ferner liefen eingereiht. So ähnlich wie ein Kunde oder Konsument, der aufbegehrt und etwas zu Herstellungs- oder Handelspraktiken eines Großunternehmens wissen will. Da erhalten Sie auch kaum Antworten, zumindest keine zufriedenstellenden abseits der Reinwaschpropaganda, die sie in anderer Form meist auch auf der Webseite finden.
    „Echte“ Journalisten von der Zeitung XY sind anscheinend immer noch interessanter. Obwohl die Auflagen der Zeitungen eher abnehmen, traut man denen wohl eine größere Verbreitung zu. Oder aber man setzt auf Seiten der Unternehmen auf den Vorteil, daß in einer Zeitung auf Papier das Gedruckte nur an einem Tag erscheint und am nächsten schon Schnee von gestern ist. Im Internet ist das etwas anders und Inhalte stehen u.U. noch in fünf Jahren zur Verfügung und copy & paste macht die schnelle Verbreitung sehr einfach. Da nützt manchmal auch das zeitnahe Löschen von Pressemitteilungen wenig.

  3. Meine Frau beginnt gerade mit der Bloggerei und hat direkt eine positive Erfahrung machen können. Ein Geschäft, das um ein paar Informationen und die Bereitstellung von Bildmaterial gebeten wurde, hat sich binnen Stunden gemeldet.

    Allerdings ging es um eine freundliche Erwähnung. Zudem freut man sich in einem kleineren Geschäft vermutlich mehr über die Aufmerksamkeit eines Blogs bzw. ist nur dann in der Lage, mit so einer Anfrage umzugehen.

    Geht mir bei meinem Schafsblog übrigens auch so. Diverse Verlage kooperieren sehr gut, wenn es um die Bereitstellung von Rezensionsexemplaren geht.

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