Zu Ihrer eigenen Sicherheit

Vor was, HypoVereinsbank, wollen Sie mich eigentlich schützen, wenn Sie mir den Zutritt zu Ihren Geldautomaten an der Münchner Freiheit nach 22.30 Uhr verweigern? Sie bescheiden mir per Schild an der Scheibe:

„Zu Ihrer eigenen Sicherheit ist der Zugang zu unserem SB-Bereich nur zwischen 9.00 Uhr und 22.30 Uhr möglich. Wir danken für Ihr Verständnis.“

Ihren „SB-Bereich“ empfinde ich zwar durchwegs unbehaglich, aber keineswegs sehe ich mein Leib und Leben in Gefahr, sobald ich diesen betrete. Das übrigens ganz unabhängig von der Tageszeit.

Müsste ich befrürchten, daß eines der Geräte mir die Finger abtrennt, sobald ich nach den ausgezahlten Banknoten greife? Mutiert Ihr Automatenarsenal nächtens gar zu einer Art unkontrollierbarem Robotermob, daß mich zerreissen könnte, falls ich meine Geheimzahl falsch eintippe? Vielleicht fröhnen die Geräte bereits schon am frühen Abend dem Angebot der Schwabinger 7, so, daß sie ab halb elf bereits im Vollrausch ein paar Nullen an den Buchungsbetrag anhängen.

Bedrohlich finde ich es dagegen, wenn Sie sich ungeprüft für mein Verständis bedanken, es also schlichtweg voraussetzen. Sie geben mir damit zu verstehen, daß es Ihnen völlig egal ist, ob ich mit Ihrem Treiben einverstanden bin.

Zu Ihrer eigenen Sicherheit, werde ich künftig keine Gebühren an Sie entrichten und danke für Ihr Verständnis.

9 Antworten auf „Zu Ihrer eigenen Sicherheit“

  1. Unser Geld ist bei uns in festen äääääh besten Händen. Versprecher äääääh Versprechen der Banken. Erst wenn die Kühe das Fliegen gelernt haben werden die Banken merken das es unser und nicht ihr Geld ist vor dessen Verbrauch sie uns schützen müssen.

  2. Sind Sie denn Kunde bei der HypoVereinsbank, Herr Fellow Passenger? Ansonsten einfach die Bank wechseln. Es gibt genügend Alternativen.
    Ich vermute aber mal, daß sich im SB-Bereich schon einmal ein paar Menschen länger aufgehalten haben, obwohl sie gar kein Geld abheben wollten. Und die Bank ist nur zu geizig, da jede Stunde jemanden vorbeizuschicken, der nach dem Rechten sieht.

    Und was ist die „Schwabinger 7“? Ihre norddeutschen Leser wissen sowas nicht unbedingt.

  3. Vielleicht hätte ich mich besser doch nicht über die dauernden Störungen beschweren sollen. Aber es war wirklich nicht mehr auszuhalten, kein Auge hat man mehr zubekommen und ’n paarmal hams mir sogar das Bier ausgesoffen, die feinen Herrn.

  4. Verständlich, das Unverständnis, wo man doch Verständnis nur zeigen kann für etwas, das man auch verstanden hat – was man am besten kann, wenn man etwas erklärt kriegt, und zwar so richtig, also möglichst unter Nennung eines Grundes. ‚Zu Ihrer Sicherheit‘ ist kein richtiger Grund.

    Verwandlungen sind eine gute Vermutung, vielleicht ists wie im guten alten Märchen, dass sich um Mitternacht das Gerät in einen Kürbis verwandelt?

  5. ach, schön, mister/miss etosha!

    ich glaube viel mehr, die hvb möchte, dass sich am automaten, welcher zur strasse zeigt, sich mitternächtlichen schlangen bilden. dass ich, beim geld abheben, vom blitz getroffen werde, vom rassenden buss überfahren (busshaltestelle gleich nebenan), vom rialto eiskrem-süchtigen überfallen werde und vom subversiven karaoke-fanatiker aus der belle etagé off-key angepöbelt. die hvb ist stets bereit ihre kunden aufs feinste zu schickanieren.

    wenn ich allerdingst beim geldabheben einen netten plausch möchte, dann gehe ich in die hvb-filiale türken/schelling: da empfängt mich abends der bewohner des dortigen sb-bereichs. und falls sich dort mehrere parteien zum zwecke des geldabhebens begeben, so gestaltet sich das prozede entspannt und überaus uncholerisch: keiner hetzt und guckt mir über den schulter, sondern sie verweilen und plaudern mit dem hausherrn.

  6. Dann müssen wir nur Flugstunden für Kühe anbieten, Herr Amelung. Dann lernen die das schon.

    Ich wollte dort nicht einmal Geld abheben, verehrter Herr Zaf. Ich wartete vor dem Eingang auf jemandem mit dem ich danach ins Kino ging. Die Schwabinger 7, landläufig auch „Schwasi“ genannt, ist eine überregional bekannte Absturz-Kaschemme mit Sperrmüllmobiliar und äußerst spärlicher Beleuchtung in der pro Abend durchschnittlich ein halbes Jahrtausend verbüßte Freiheitsstrafen zusammenkommen. Ab 2 Promille BAK kann man das Lokal höchst originell finden.

    Diese Störungen müssen wirklich lästig sein, mein lieber Herr Bankpenner. Ihre Beschwerde kann ich verstehen. Aber war meine Sicherheit in Gefahr, weil sie an diesem Abend nicht auf mich aufpassen konnten? Sie waren ja nicht da. Das Schild klang aber so, als gelte es auch in Ihrer Abwesenheit.

    Ich danke für Ihr Verständnis, beste Frau Etosha. Das Märchen mit dem kürbisgewordenen Apparat kenne ich gar nicht. Das ist nicht von den Grimms, hoffe ich, denn das würde mich in eine sehr missliche Lage bringen.

    Dem Nachtwächter der HVB-Filliale Türken-/Schellingstraße möchte ich aber doch einen gewissen Mangel an Diensteifer unterstellen, geschätzter Herr Kubelick. Wann immer ich dort war, schlief er bereits.

    Ihre Margarine-Theorie, meine beste Frau Keineinzelfall, ist allerdings einleuchtend. Dieses Raffinat ist Teufelswerk, wie ich bereits berichtete.

  7. Oh, Ihre herausragenden Kenntnisse auf dem grimm’schen Gebiet waren mir nicht bekannt. Bin beeindruckt.

    Eine Aberkennung der Urkunde droht jedoch nicht.

    Es ist zwar das Märchen Aschenputtel, in welchem die gute Fee einen ausgehöhlten Kürbis in eine Kutsche verwandelt, in der Aschenputtel zum Ball fahren kann, und diese Kutsche ist es, die sich Schlag Mitternacht zurückverwandelt, also muss Aschenputtel rechtzeitig vorher vom Ball flüchten.
    Allerdings nicht in der Märchenversion der Gebrüder Grimm, sondern in der des Herrn Charles Perrault, welche wiederum die Grundlage für die Disney-Produktion Cinderella bildete.

    In der Grimm-Version ist es das doch das Haselbäumchen, das die schönen Kleider zur Verfügung stellt, und Aschenputtel flüchtet einmal über das Taubenhaus und ein andermal über einen Birnbaum.

    Ihre Ehre ist also gerettet. Das war ich Ihnen schuldig.

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