Küchenwerkzeug

Diese zugegeben diletantische Aufnahme zeigt ein in meiner Küche unentbehrliches Instrument. Der Sinn dieses Werkzeuges mag sich selbst dem kartoffelpüreeaffinen Leser nicht auf den ersten Blick erschließen, weil Kartoffelbrei inzwischen meist aus gefriergetrockneten Flocken aus dem Hause namhaften Lebensmittelchemiefabrikanten zubereitet wird.

Obwohl diese Kunstprodukte konstant eine vergleichsweise verträgliche Konsistenz haben und seit Jahrzenten gleichbleibenden Geschmack aufweisen, will ich mich nicht so recht damit anfreunden.

Lieber stelle ich Kartoffelbrei selbst her. Aus mehlig kochenden Kartoffeln, Milch und viel Butter. Dazu Salz, auf jeden Fall Muskatnuß, gerne etwas Hühnerbrühe und aus optischen Gesichtspunkten lieber weißen als schwarzen Pfeffer.

Damit die Speise eine luftige Konsistenz erhält, muß die Milch kochend mit einem Schneebesen unter die zerstampften Kartoffeln gerührt werden. Der elektrische Pürierstab ist da als Ersatz für den Stampfer komischerweise völlig ungeeignet. Er zeitigt aus noch unerforschten Gründen nichts als Kartoffelschleim.

Wer sich vor kleinen Kartoffelstückchen fürchtet, kann die gekochte Knolle auch getrost durch die flotte Lotte drehen, oder durch eine Kartoffelpresse quetschen. Ich stampfe lieber, weil es weniger Aufwand ist.

Das abgebildete Instrument ist dafür besser geeignet als jedes andere, das ich je verwendet habe. Es arbeitet sich gleichmäßig durch die Kartoffelmasse, lässt sich leicht reinigen und besticht obendrein durch angenehm einfache Gestaltung. Es ist ja im Grunde nur ein Stück Draht. Aber eben geschickt gebogen.

Eine weitere Stärke zeigt dieses Werkzeug übrigens bei der Herstellung einer speziell in Bayern beliebten Zubereitung aus Frischkäse und Camembert. Ein halbes Kilo Obatzda mit einem bestielten Lochblech herzustellen geht nämlich gar nicht. Mit diesem Stück Draht ist es dagegen ein reines Vergnügen.

Leider ist unklar, wer der mutmaßlich italienische Hersteller dieses Kartoffelstampfers ist. Ich erstand ihn einst preiswert in einem ansonsten grotesk teuren aber exzellent sortieren Küchengeschäft in der Hackenstraße.

14 Antworten auf „Küchenwerkzeug“

  1. Fehlt an dem Tauchsieder nicht das Kabel? 😉

    Nein spaß bei seite, die einfachen Küchenhelfer waren schon immer die besten. Der ganze neumodische Firlefanz ist ungeeignet. Meistens besonders für den Zweck, den sie eigentlich dienen und vereinfachen sollen.

  2. Neinnein, Herr Mario, es gibt da einen Magnetring, den man über den Stiel stülpt und ihn dann rauf und runter schiebt. Warm wird es dann durch Induktion oder so.

    Ein sehr heikles Thema, verehrte Frau B. Ich mache ihn so:

    150 g Camembert
    100 g Frischkäse
    1 TL Paprikapulver, süß
    1/2 Zwiebel oder 1 Schalotte

    Gute Stichwörter bei den Käsen sind „60% Fett i. d.Tr.“ und „Doppelrahmstufe“. Keinesfalls Unappetitlichkeiten mit der Aufschrift „Light“ oder ähnlichem.

    Camembert zerstückeln, mit Frischkäse und Paprika vermischen und mit einer Gabel oder dem obigen Kartoffelstampfer zerdrücken. Zwiebel fein würfeln und daruntermischen.

    Obazda ist da aber eher harmlos, lieber Herr Zeichensatz.

  3. mister zeichensatz,

    ihre worte erinnern an die, eines film-geschichte professors, welcher antonionis »blow up« kommentiert (dvd). an einer stelle, die nichts mit wurst zu tun hat, greift er zu metaphern und erwähnt die wurstherstellung und dass wir nicht unbedingt wissen wollen, oder gar sehen wollen, wie eben diese entstehen.

    my 2 pens

  4. Gibt’s in der Hackenstraße Haxnfresser? Wie auch immer die Antwort lauten mag, endlich ist dem Stampfer mal die gebührende Würdigung zuteil geworden. Recht so!

  5. In der Tat, beste Frau B., Frischkäse. Gibt es in Plastikschachteln auf die mit „Philadelphia“, „Exquisa“, „Ja!“, oder anderen schmissigen Namen bedruckt sind. Manche Hardliner beharren darauf, man solle statt Frischkäse, Butter verwenden.

    Haxnfresser gibt es flächendeckend, verehrter Herr Ole, folglich auch in der Hackenstraße. Dort gibt es auch ein Lederfachgeschäft von tadelloser Reputation.

    Gut, daß Sie sich einsichtig zeigen, mein lieber Herr Michael. Eines Tages werden Sie es mir danken.

  6. Sie, Herr Administrator!

    Könnten Sie bitte künftig daran denken, sich als mich anzumelden, ehe Sie hier meine Auffassung darlegen?

    Und Sie, werter Herr Kubelick, machen mir Sorgen. Meinen Sie nun Geröll, oder wollten Sie eher ausgelassene Heiterkeit darstellen? In letzterem Fall möchte ich darauf hinweisen, daß es hier nicht üblich ist, zu lärmen. Womöglich fangen Sie demnächst noch an, in sternchenverbrämte Comicsprache zu verfallen. Gewiß erkennen Sie selbst, daß ein ersthafter Diskurs nicht über Vokablen wie „*grins*“, „ROFL“, etc. zu bewerkstelligen ist.

    Sollten Sie allerdings erste Gehversuche in der Programmierung von PHP schildern gewollt haben, darf ich Ihnen anraten den Aufruf der Methode michael des Objekts gröll syntaktisch korrekt mit $gröll->michael(); zu notieren.

  7. Jetzt stampft der Stampfer schon seit 10 Tagen. Und das unablässig. Wenn’s ein Schiff wär‘, dann würde sich das Stampfen in den Weiten der Weltmeere verlieren. Aber so überträgt sich das kleine Erdbeben evozierend bis hierhin und wird stampfiger und stampfiger.

    Hat’s jetzt nicht genug Kartoffelbrei? Kann dort mal das Küchengerät gewechselt werden? Wie wär’s mit ’nem Kuchenpinsel. Das ist leiser.

  8. Sie haben ja völlig recht, mein lieber Herr Knurps. Der Stampfer langweilt inzwischen. Es gäbe durchaus noch weitere Küchenwerkzeuge, die ich in einem Porträt würdigen könnte. Sei es der elitäre Trüffelhobel, die gemeine Mandoline oder der hölzerne Kochlöffel.

    Dennoch hatte ich mich die letzte Zeit sehr intensiv mit weniger griffigen Themen auseinanderzusetzen. Ehrfahrungsberichte über die Geheimisse von PHP oder einer elektronischen Datei mit dem bemerkenswerten Namen „.htaccess “ würden Sie aus meiner Feder nichts lesen wollen. Da bin ich mir ziemlich sicher, denn es ist todlangweilig,

    Aber verzagen Sie nicht, es wird weitergehen.

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