Herr Poodle

Der große stuttgarter Volksdichter war immer auch ein Volkskritiker. Er besaß ein ausgeprägtes Sensorium für dem Zeitgeist geschuldete Fehlentwicklungen, etwa der schleichenden Kommerzialisierung des Blogwesens.

Seine literarische Laufbahn begann im April 2005, als er mit seinen beiden Zwergteufeln die “Segnungen des Natrium Bicarbonicums” untersuchte. Auf seine Privatstudien geht auch die bis heute gültige Taxonomie der Bäckereifachverkäuferinen zurück, die seinerzeit das Bäckerhandwerk revolutionierte.

Als Autor genoß er international höchstes Ansehen. Allein im österreichischen Magazin Mindestens Haltbar publizierte er mehrere Aufsätze von epochaler Tragweite. Unter anderem sein viel beachtetes Interview über die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft.

Dank seiner Verdienste um die ernsthafte Musik, war Herr Poodle längst Träger der Carl Philipp Emanuel Bach Medallie, als er sich unvoreingenommen dem Studium der Unterhaltungsmusikgruppe The Sealevel widmete, die daraufhin Weltruhm erlangte.

Wenn er nicht gerade die schlimmsten Städte Deutschlands kategoriserte, verschreib er seine Freizeit der Entwicklungshilfe. So gestaltete er nicht nur ehrenamtlich die Periodika von Frau Schnatter, Herrn Prof. Uhlig und dem Club der halbtoten Dichter, sondern verschaffte immer wieder auch einfachen Geistern Gehör, wie etwa seinem Jugendfreund Hajott.

Voller Güte hat er ohne Federlesen einen Obdachlosen zu seinem Privatsekretär gemacht, dem er stets jede Schwäche zu verzeihen bereit war.

Herr Poodle war auch ein Freund der Frauen. Erika Pluhar gehörte ebenso zu seinen glühenden Verehrerinnen wie Frau Wortschnittchen und Frau Fragmente, denen er stets mit Respekt begegnete.

Seine philosophisch getönten, konservativen Gedanken über das Zeitgeschehen waren stets von Ehrlichkeit und Leidenschaft getragen, hingegen voller Misstrauen angesichts von Ideologieeifer und vernebelter Theorie.

Bis zuletzt glaubte der brilliante Satiriker an die gesunde Auffassungsgabe der Menschen, die ihn immer wieder enttäuscht hatten.

Herr Poodle starb am 19.05.2006 in Stuttgart.

37 Antworten auf „Herr Poodle“

  1. heraklits weltanschauung bietet mir die rationale stütze meine emotionale verfassung dieser tage mit aufrechter haltung zu begegnen und ertragen. der grosse griechischer denker der antike war der auffassung, es gebe in der welt nur ein ewiges werden und vergehen und alles beharrende sein beruhe auf täuschung.

    maestro, panta rei.

  2. Meine Herren, erklären kann ich es mir auch nicht, vielleicht handelt es sich um die längst überfällige Belohnung für lebenslang tief empfundene Gottesfurcht, jedenfalls bin ich heute morgen völlig unerwartet wieder auferstanden. Es zwickt zwar hier und da noch ein bisschen, sonst geht es aber soweit wieder. Ein wenig fürchte ich ja noch, dass ich für die meines Wissens nächsten Donnerstag erfolgende Himmmelfahrt vorgesehen bin, sozusagen als Schlusspunkt der Erfüllung des göttlichen Gesamtrahmenplans. Jetzt werde ich meinen Leib aber erst mal hinüber zum Feuersee bewegen, mal sehen ob ich auch auf dem Wasser gehen kann. Wenn das klappt, verwandle ich den ganzen Tümpel in einen herrlichen Bordeaux, dann haben alle etwas davon.

  3. sie sind mit vielleicht eine nummer werter herr passenger… als ich das vorhin gelesen habe, erlitt ich einen traumatischen schock. schlimm genug, daß herr pacinos blog plötzlich verschwunden war, erzählen sie hier madengeschichten. das ganze ausgerechnet zwei tage, nachdem ich aufgehört habe zu rauchen. wollen sie etwa mich umbringen?!

    😉

  4. Ich wollte Sie nicht erschrecken meine Herren. Ich weiß auch nicht warum alle die Gegenstand eines Nachrufs von mir werden, sämtlich kurz danach wieder putzmunter durch die Gegend springen.

    Bei Gelegenheit werde ich es mal mit Leuten versuchen, die schon länger unter der Erde liegen. Vielleicht klappt das auch.

  5. Auferstanden aus Ruinen…
    la la la…
    Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
    Lernt und schafft wie nie zuvor,
    Und der eignen Kraft vertrauend,
    Steigt ein frei Geschlecht empor.

  6. Poodle bleibt, basta.
    Ansonsten müsste ich ja fast allein gegen all den A-Bloggern vorgehen und in diesem wichtigen kampf braucht man sprachgewandtheit und die ist bei mir als einen perser nun wirklich nicht so gut ausgefeilt wie bei dem herrn poodle;)

  7. Mein lieber Hank, das war einen Tick früher, 1967 um genau zu sein. Und nur in Berlin – dass man in München je gejubelt hätte wäre mir neu, dort sitzt man gemütlich im Biergarten und trinkt in Ruhe seine Maß. Der Begriff Jubelperser drohte später dann allmählich in Vergessenheit zu gearten, bis ich ihn anno 2005 wieder spruchreif machte, indem ich die Herren Neo-Bazi und Rationalstürmer zu solchen ernannte. Galt der Jubelperser zuvor noch als eher nicht so sympathischer Zeitgenosse, ist er seit meinem selbstlosen Einsatz ein Ehrentitel, den man sich redlich erwerben muss, inflationär verteilt wird er nämlich nicht. Andererseits gefällt mir der Gedanke, einen waschechten Perser mit dem pflichtschuldigen Gejubel zu betrauen, über alle Maßen, zumal ich bislang mit einem Allgäuer und einem Franken (glaube ich) vorlieb nehmen musste – die dummerweise abschlafften, als die Biergartensaison eröffnet wurde (siehe oben).

    Der Deal sähe so aus, dass Sie lediglich regelmäßig Ihre euphorische Zustimmung zu meinem Schaffen äußern müssten, und ich würde Ihnen im Gegenzug einen exponierten Platz in meiner Blogroll einräumen, unter der momentan leider verwaisten Rubrik »Dem Poodle seine Jubelperser«.

    Haben Sie eigentlich auch eine persische Tastatur? Das fände ich nämlich den absoluten Gipfel, wenn Ihre Jubeleien auf persisch erschienen, sowas kann in der hiesigen Blogosphäre bis heute keiner vorweisen. Also, denken Sie mal drüber nach, mein Angebot steht.

  8. Herr Hank, wegen des mit dieser Tätigkeit verbundenen alkoholischen Abstinenzgebots würde ich Ihnen dringend von einer entsprechenden Zusage abraten.
    Sie hätten nicht viel Freude an dem Job, glauben Sie mir.

  9. Von einem Abstinenzgebot für Poodlejubelperser habe ich allerdings noch nichts gehört, bester Herr Bankpenner. Mir war eher so, als würde Herr Poodle seine Jubelperser großzügig mit Kirschwasser verköstigen.

  10. Lieber Poodle 1967 war ich nicht mal geboren ich wusste nur grob worum es bei dieser Bezeichnung ging. Und wegen dem Eintrag in deinem Blogroll muss ich dir sagen dass ich der erste seien werde der dir die hölle heiss macht wenn du anfängst genau so ein shit von dir zu geben wie die kollegen Burnster und MC Winkel. Also halt einfach die Qualität hoch und das würde mir vollkommen reichen. Auf einen Eintrag in deinem Blogroll bin ich nicht heiss, verzichte sogar gern drauf wenn du mir versprichst weiter guten Stoff raus zu hauen und nicht nach zu lassen. Deal?

  11. Gut lieber Herr Bankpenner, gut…
    Also du meinst ich soll da deshalb die Finger von dem Deal lassen ja?

    Hmm, wenn ich mir das so überlege könnten sie mir eigentlich des öfteren als Berater zur Seite stehen. Ich hab das leise Gefühl dass sie nur mein bestes wollen!

  12. Ach ja, falls ich Herrn Matts Wishlist verstorbener Singer/Songwriter noch einen hinzufügen dürfte, würde ich Tim Hardin vorschlagen. Den späten Cash natürlich sowieso.

  13. Ich fürchte, meine Herren, so weit geht es mit meiner noch unerforschten Wundertätigkeit nicht. Bislang klappt es ja nur mit Leichen die noch warm sind.

    Mein jüngst verfasstes Kondolenzschreiben an die Nachkommen des Herrn Nietzsche stieß jedenfalls auf reines Unverständnis. Der Mann blieb dabei ebenso tot wie Gott.

    Sollten meine nekromantischen Forschungen entsprechende Möglichkeiten offenbaren, werde ich Ihre Wünsche aber sehr gerne berücksichtigen.

  14. Ich kann eigentlich keinen Deal erkennen, lieber Hank. Was Sie beschreiben, haben wir ja schon 1:1, echte Deals sehen anders aus.

    Ja haben wir das mein lieber Poodle? Dann mach ich dir einen vorschalg, vergiss die echten deals. Lets deal with this one: Du hälst das Niveau deiner Einträge weiter schön hoch und dafür darfs du mich aus deinem Blogroll nach wie vor heraushalten.

    Hm? was denkst du? ist zwar noch immer kein echtes deal, aber ist immernoch halbwegs ein deal.

  15. Berater, keine schlechte Idee, Herr Hank. Allerdings würde ich mich dann weniger neben als vielmehr hinter Ihnen aufhalten, um sie rechtzeitig kräftig in den Allerwertesten zu treten.

  16. Wenn sie die Nebenwirkungen und meine instinktiven Reaktionen auf solcherlei Beratungen aus zu halten in der Lage sind, dürfen sie sich sehr gern auch hinter mir aufhalten mein lieber Bankpenner.

  17. Ja diese Tiere tun verdammt nochmal das richtige lieber Bankpenner. Ein Tier das nach hinten schlägt um sich zu wehren reagiert allemal ehrenhafter und logischer als der pseudointellektuelle Halbaffe der meint willkürlich nach vorn treten zu müssen weil er sich wichtiger nimmt als er in wirklichkeit ist.

  18. Das ist nun mal die Entwicklung der Menschheit, Herr Hank, das wußte der selige Kästner schon. Immerhin bedanke ich mich für Ihre Einstufung ins Reich der Primaten.

    Sieht übrigens ausgesprochen lustig aus, wenn so ein Halbaffe auf einem Esel daherkommt.

  19. Ich habe hierzu lediglich beizutragen, dass ich in meiner damaligen Eigenschaft als Jubelperser weder irgendwelche Alkohilika von Herrn Poodle entgegen genommen habe noch diese mir angeboten oder von mir eingefordert worden sind.

  20. Sieht übrigens ausgesprochen lustig aus, wenn so ein Halbaffe auf einem Esel daherkommt.

    Lieber Herr Bankpenner, ich sehe da nichts lustigs bei. Es wäre doch viel lustiger und origineller den Esel auf dem Rücken des Halbaffen zu sehen. Meinen sie nicht? Doooch, meinen sie.

  21. Wie gut Sie mich kennen. Leider kann ich Ihnen intellektuell nicht mehr ganz folgen. Sie erlauben mir daher sicher, großzügig wie ich Sie einschätze, mich zerknirscht und geschlagen aus Ihrer Gegenwart zu entfernen. Danke,

  22. Das erlaube ich Ihnen sehr gern lieber Bankpenner da ich ihre Gründe für sehr schlüssig halte. Vergessen sie jedoch bitte nicht „On Guard“ zu stehen wenn ich das nächste mal den Raum betrete.

  23. Mein jüngst verfasstes Kondolenzschreiben an die Nachkommen des Herrn Nietzsche stieß jedenfalls auf reines Unverständnis. Der Mann blieb dabei ebenso tot wie Gott.

    Gott ist nicht tot. Er lebt als ökostalinistischer Retrosozialist in Norddeutschland.

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